Kommentar

Nur Straftäter müssen sich vor Videoüberwachung fürchten

Essen.  Essens Ordnungsdezernent irrt: Kameras helfen, Ganoven zu überführen und sind schon allein deshalb sinnvoll. Präventiv wirken können sie auch.

Die Datenschutzangst bei Videotechnik im öffentlichen Raum gehört zu den großen Rätseln unserer Zeit. Man geht über einen Platz und wird von einer Kamera erfasst, die zeigt, wie man über einen Platz geht. Wo ist da bitteschön das Problem?

Nach einiger Zeit wird die Sequenz schon aus Kapazitätsgründen gelöscht, es sei denn die Kamera hält eine Straftat fest und das Material wird zur Aufklärung benötigt. Grund zur Angst haben also allein Ganoven, die dank der Überwachung befürchten müssen aufzufliegen, was genau Sinn der Sache ist.

Berliner Vorfälle haben gezeigt, wie wirkungsvoll Videoaufnahmen sind

Wie wirkungsvoll das sein kann, haben zuletzt zwei Fälle in der Berliner U-Bahn bewiesen, die bundesweit für Furore sorgten: der brutale Tritt in den Rücken einer jungen Frau und das versuchte Anzünden eines Obdachlosen. Der Fahndungserfolg war dank der hervorragenden Aufnahmen nur eine Frage der Zeit.

Essens Ordnungsdezernent liegt deshalb falsch, wenn er Kameras nur dann für sinnvoll hält, wenn sie Straftaten sofort ahnden helfen oder gar verhindern. Natürlich ist es am besten, wenn eine Tat erst gar nicht geschieht, weil der Täter Angst vor der Kamera hat. Doch die Verbrecher sind – siehe Berlin – eben oft so dumm, ihre kriminellen Energien so groß, dass ihnen gar nicht einfällt, eventuell beobachtet zu werden.

Das kann sich aber ändern, wodurch auf längere Sicht der Abschreckungs- und der Präventionsgedanke durchaus gestärkt werden können. Bis dahin steigt zumindest die Chance auf Bestrafung. Auch das ist ein Wert an sich.

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