Müll in Altenessen

Nun kann man den Müll einfach in die Tonne kloppen

Künstler Ryszard Fojcik griff zu Spraydose und Schablone. Das Motto: Komm heb auf.

Künstler Ryszard Fojcik griff zu Spraydose und Schablone. Das Motto: Komm heb auf.

Foto: Stefan Arend

Altenessen-Süd.   Am Samstag machte „Altenessen putzt sich raus“ wieder die Runde. Am Montag folgte eine konkrete Maßnahme: ein altes Ölfass als Mülleimer.

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„Das ist doch zum In-die-Tonne-kloppen!“, schimpfen manche Anwohner der Gladbecker Straße, wenn sie wieder einmal über den Müll auf den Gehwegen und auf den Baumscheiben stolpern. Erst am Samstag wieder, als sich einige von ihnen zur Aktion „Ein Stadtteil putzt sich raus“ am Paul-Humburg-Haus trafen, war der Ärger über die herumliegenden Getränkeverpackungen und Zigarettenkippen groß. Ab sofort steht eine Tonne bereit, genau genommen ein altes Ölfass.

„Uns ist nämlich aufgefallen, dass auf der östlichen Seite der Gladbecker Straße zwischen Berthold-Beitz-Boulevard und Hövelstraße gar kein Abfalleimer zu finden ist“, berichtet Thomas Sterner, der sich weiterhin intensiv um die Müllproblematik in Altenessen kümmert. Und Ryszard Fojcik, der Leiter der Kunstschule „Richy“, ergänzt: „Auf 1,1 Kilometer Länge steht nur einer, aber der in der Bäuminghausstraße.“ Auch wenn er die beiden Abfalleimer an der Radhoffstraße übersehen hat, gibt es tatsächlich nur wenige Möglichkeiten, seine Zigarettenschachtel oder sein Papiertaschentuch ordentlich zu entsorgen.

Saif Kalaf betreibt mit seinen Eltern ein Café und Bistro

„Deshalb haben wir die Ladenbesitzer gefragt, ob sie mitmachen würden, wenn wir ihnen eine Abfalltonne vor das Geschäft stellen“, erzählt Thomas Sterner. Bei Saif Kalaf, einem 24-jährigen gebürtigen Iraker mit deutschem Pass, stieß er auf offene Ohren. Denn er betreibt seit drei Jahren mit Eltern und Bruder ein Café und Bistro auf der Gladbecker Straße und kämpft täglich gegen den Müll. „Ich mache jeden Tag vor meinem Geschäft sauber, aber am nächsten Tag ist es wieder dreckig“, berichtet der junge Mann.

Seine Nachbarn hätten sich darüber schon beschwert und machten ihn für den Dreck verantwortlich. Auch das Ordnungsamt habe sich bereits zwei Mal gemeldet. „Deshalb ist das eine gute Idee, hier das Fass aufzustellen“, lobt er die Thomas Sterners Initiative.

Altes Ölfass ist mit Beton beschwert

Die Tonne ist mit Beton beschwert, so dass sie nicht so leicht versetzt werden kann. Den Müllbeutel wird Saif Kalaf bei Bedarf leeren. Um Erlaubnis, das Ölfass aufstellen zu dürfen, hätten sie die Stadt nicht gefragt, sagt Thomas Sterner: „Aber ich weiß, dass eine Breite von drei Gehwegplatten ausreicht, damit Kinderwagen vorbeifahren können.“

Ein weiterer Versuch, das Müllproblem an der belebten Gladbecker Straße zumindest etwas einzudämmen, startet Ryszard Fojcik. Der Kunstlehrer von der Nootstraße hat jetzt Schablonen gebastelt, mit denen er Hinweise auf den nächsten Abfalleimer auf den Gehweg sprühen kann. „Komm heb auf“ bittet er in bunter Schrift die vorbei eilenden Passanten. „Das ist jetzt erst einmal eine Testphase. Wenn es wirklich eine Verbesserung bringt, kann man vielleicht mit Hilfe der Stadt Sponsoren finden, die uns unterstützen“, hofft „Richy“ auf Unterstützung. „Denn die Herstellung kostet ja Zeit und Geld.“

Arbeitstitel der nächsten Aktion: „Altenessen blüht auf“

Der 36-Jährige hat schon die nächste Idee zur Verschönerung des Stadtteils. Arbeitstitel: Altenessen blüht auf. „Ich habe Blumensaat gekauft, so genannten Gründünger“, erzählt der Künstler. Die Idee: Es soll etwas für die durch Hitze und Trockenheit arg belastete Pflanzenwelt getan werden. Bürger sollen sich die Samen in seiner Malschule kostenlos abholen können, sich eine Baumscheibe aussuchen, wo sie ihn aussäen und das Beet später hegen und pflegen.

„Die Pflanzen beschatten die Erde und senken damit die Verdunstung. Das dient auch dem Menschen.“ Zunächst will er die Stadt aber noch um Erlaubnis fragen.

>>> Spaziergänge gegen den Müll stets am 1. Samstag

Seit Anfang April starten gleich zwei Gruppen in Altenessen ihren „Waste Walk“, also die Anti-Müll-Wanderung. „Für ein sauberes Altenessen“ wurde von Marcus Franken in der Nähe des Altenessener Markts gestartet, die andere Gruppe trifft sich am Paul-Humburg-Haus an der Hövelstraße.

Jeweils am ersten Samstag im Monat, also demnächst wieder am 1. September, gehen die beiden Gruppen los.

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