Kundgebung

Nun auch „Altenessener Spaziergänge“ gegen Zuwanderung

Am letzten Sonntag im August trafen sich Bürger zu einem „Altenessener Spaziergang“. Die Kundgebung wurde von Polizeibeamten begleitet.

Am letzten Sonntag im August trafen sich Bürger zu einem „Altenessener Spaziergang“. Die Kundgebung wurde von Polizeibeamten begleitet.

Foto: Foto: Svenja Hanusch

Essen.  Auch in Altenessen gehen Bürger auf die Straße – für „mehr Sicherheit“ und eine „geregelte Zuwanderung“. Die Stadt fürchtet Steeler Verhältnisse.

Macht das Beispiel Steele Schule? Auch in Altenessen organisieren Bürger so genannte „Spaziergänge“ – offenkundig als stiller Protest und mit einer politischen Botschaft: „Gegen Multikultiwahn und Überfremdung unseres Stadtteils“, heißt es im sozialen Netzwerk Facebook.

Wie die Polizei auf Anfrage bestätigt, hat eine Privatperson für den kommenden Sonntag eine Demonstration unter dem Motto „Altenessener Spaziergang“ angemeldet. Deren Namen gibt die Polizei nicht preis. Es wäre die mittlerweile vierte Kundgebung dieser Art. Die Umzüge, an denen sich nach Polizeiangaben bis zu maximal 50 Personen beteiligten, seien bislang „absolut unproblematisch“ verlaufen, so Behördensprecher Christoph Wickhorst. „Wir gehen davon aus, dass es auch so bleibt.“

Die Polizei will die Spaziergänge in Altenessen im Auge behalten

Bei den Teilnehmern handelt es sich nach Einschätzung der Polizei um einfache Bürger, darunter auch Frauen und Senioren. Politische Aussagen in Form von Parolen oder Plakaten habe es bislang nicht gegeben, so Wickhorst. Ein Zusammenhang zu den „Spaziergängen“ der „Steeler Jungs“ bestehe aber allein schon durch die Bezeichnung der Demonstration als „Spaziergang“. Nach den Worten des Sprechers will die Polizei die Demonstrationen im Auge behalten.

Der Eintrag in der gleichnamigen Facebook-Gruppe gibt Aufschluss über Motive und Haltung der Initiatoren. „Überfremdung“ ist ein Kampfbegriff der politischen Rechten, eine multikulturelle Gesellschaft deren erklärtes Feindbild.

Die Gruppe bezeichnet sich selbst als „gewaltfreie politische Aktivisten“

Die Gruppe bezeichnet sich selbst als „gewaltfreie politische Aktivisten“, als „komplett parteilos“ und „unabhängig von sonstigen Organisationen“. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass Gesänge und Parolen während der Kundgebungen zu unterlassen seien. Werbung „egal für welche Partei oder Organisation“ sei „verboten“. Personen, die politisch in der Öffentlichkeit stehen oder standen seien bei den Spaziergängen nicht erwünscht.

Migranten seien eingeladen, an den Spaziergängen teilzunehmen, „sofern sie unsere Werte“ teilen. Welche Werte gemeint sind, wird offen gelassen. Offensichtlich in Anspielung auf die aktuelle Flüchtlingspolitik heißt es: „Man muss helfen, darf aber die Menschen im eigenen Land nicht vergessen.“

Auch in Freisenbruch regen Bürger auf Facebook Spaziergänge an

Handelt es sich bei den Altenessener Spaziergängern um Menschen, die das Gefühl haben, sie selbst und ihre Probleme würden nicht wahrgenommen? Um Bürger, die sich durch ihren schweigenden Protest Gehör verschaffen wollen? Die Form des Protestes ist ein Widerspruch in sich, greift aber offenbar immer weiter um sich. Auch in Freisenbruch regen Bürger Rundgänge an, um darauf zu achten, dass „alles seine Ordnung hat“ und es keine Straftaten gebe; so ist es auf Facebook zu lesen.

Die genauen Beweggründe der Altenessener Spaziergänger zu ergründen, dürfte indes schwierig werden. Mit der Presse werde man nicht reden, heißt es ebenfalls auf Facebook. Man habe keine Lust „in eine politische Schublade gesteckt zu werden“.

Die IG Altenessen will nicht zuviel Aufheben um die Spaziergänge machen

In einem Flugblatt, mit dem die Initiatoren zur Teilnahme aufrufen, präzisieren sie, warum sie auf die Straße gehen: für „mehr Sicherheit durch mehr Polizeipräsenz“, für eine geregelte Zuwanderung“, „gegen das soziale Nord-Süd-Gefälle in unserer Stadt“, heißt dort unter anderem.

Es geht also um Sicherheit, auch soziale, und um Zuwanderung. Zumindest vordergründig. Ob mehr dahinter steckt – darüber rätseln auch die Ordnungsbehörden. Aufseiten der Interessengemeinschaft Altenessen möchte man das Ganze „auf kleiner Flamme kochen“. Zumal sich zuletzt deutlich weniger „Spaziergänger“ an der Kundgebung beteiligt hätten. Dahinter steckt offenkundig die Sorge vor Steeler Verhältnissen.

Seit nunmehr 20 Monaten organisieren die „Steeler Jungs“, eine Hooligan-Gruppierung aus der Fanszene von Rot-Weiss Essen, so genannte Spaziergänge durch die Fußgängerzone des Stadtteils. Unterstützung hielten sie zuletzt nicht nur von befreundeten Hooligan-Verbindungen, sondern von Größen der rechten Szene.

Bürger aus dem Umfeld der evangelischen Kirche sowie Parteien und Gruppierungen stellen sich öffentlich gegen die wöchentlichen Aufmärsche. Mit dem Effekt, dass sich die Stimmung immer weiter hochschaukelt, wie es aus Sicherheitskreisen heißt. Dies will man in Altenessen unbedingt vermeiden.

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