Historischer Kalender

Zwölf Kalenderblätter voll Stoppenberger Lokalgeschichte(n)

Das Straßenbahndepot Schonnebeck 1937.

Das Straßenbahndepot Schonnebeck 1937.

Foto: Geschichtskreis Stoppenberg

Essen-Stoppenberg.   Die Mitglieder des Geschichtskreises Stoppenberg durchforsteten wieder einmal ihr Archiv. Das Ergebnis: der Historische Kalender für 2019.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Bürgermeisterei Stoppenberg, zu der auch Schonnebeck, Katernberg und Frillendorf gehörten, gibt es schon lange nicht mehr. Der Geschichtskreis Stoppenberg widmet sich, wie der Name schon sagt, der Historie und bringt jährlich den „Historischen Kalender der Bürgermeisterei Stoppenberg“ heraus. Der 2019er ist der 27. Das Themenspektrum ist wieder gewohnt breit. Die 100-jährige Geschichte der DJK Katernberg wird ebenso beleuchtet wie der 75. Todestag von Pastor Theodor Pyls, Ausgrabungen an der Twentmannstraße oder 350 Jahre Beisen.

Vor 90 Jahren eröffneten die Saalbau-Lichtspiele

Und auch den Saalbau-Lichtspielen, die 2019 vor 90 Jahren eröffneten, ist ein Kalenderblatt gewidmet. Wirt Heinrich Hoffrogge hatte den früheren Tanzsaal seiner Gaststätte an der Mittelstraße (heute Gelsenkirchener Straße) in zwei Monaten in einen Kinosaal mit 400 Sitzen umbauen lassen. 1951 wurde hier „Die Sünderin“ mit Hildegard Knef gezeigt. 1960 flimmerte der letzt Film über die Leinwand.

„Früher gab es Kreml und Vatikan in Stoppenberg“

„Früher gab es in Stoppenberg Vatikan und Kreml, und das hat auch mit der Schenke Hoffrogge zu tun“, holt Karl Friedrich (84), Mitglied des Stoppenberger Geschichtskreises, zu einem kleinen geschichtlichen Schwenker aus. Vatikan und Kreml? Die Antwort liegt in der Haltung zweier Kneipiers in den 50er-Jahren. Hans Bratek, Pächter der Schenke Hoffrogge, gehörte der KPD (später DKP) an. Im Volksmund hatte die Kneipe schnell den Namen „Kreml“ weg. Willi Brehmenkamp eröffnete an der Essener Straße die „Stiftsquelle“. Da sich hier viele katholische Vereine, der Kirchenchor, die Ehrengarde und die DJK trafen, machte bald der Name „Vatikan“ die Runde. Vatikan und Kreml – lebendige Lokalgeschichte.

Arbeitsmaiden dienstverpflichtet

Das Juli-Blatt des Kalenders erinnert daran, wie stark Frauen während des Krieges in der Arbeitswelt Aufgabe übernahmen. Zu den so genannten vier „Arbeitsmaiden“ aus Essen, die kurzfristig für den Fahrdienst der Essener Straßenbahnen ausgebildet wurden, gehörte Anna L. aus Stoppenberg, die dem Betriebshof Schonnebeck zugeteilt wurde. Heute steht dort das Sanaa-Gebäude. Anna L. fuhr, den „Galoppwechsler“ vor dem Bauch, meist als Schaffnerin der Linie 7, die auf der Margarethenhöhe endete. Haltestellen hatten Namen wie Am Freistein oder Öttingplatz, dem heutigen Viehofer Platz.

75.000 Menschen lauschten Baldur von Schirach

Bei einem Thema habe es – so Karl Friedrich – Bedenken gegeben, ob es in der Kalender aufgenommen werden soll oder nicht. Hinter der Überschrift „Größte Kundgebung in der Bürgermeisterei vor 85 Jahren“ verbirgt sich ein Massenaufmarsch der Hitlerjugend auf der Zeche Friedrich Ernestine. Angeblich 75.000 Menschen lauschten der einstündigen Rede des Reichsjugendführers Baldur von Schirach. Ein historisches Ereignis, das zu Recht Aufnahme in den Kalender fand, zumal es von Schirachs Verantwortung als Gauleiter und Reichsstatthalter für die Deportation von 185.000 Juden aus Wien nicht verschweigt.

>>> Kalender kostet weiterhin 6,50 Euro

Erhältlich ist der Kalender bei Optik Faude, Katernberger Straße 19, in Katernberg, bei Holzland von der Stein in Frillendorf, Frillendorfer Straße 148, in der Kürsch Apotheke in Schonnebeck, Huestraße 111, in allen bekannten Geschäften in Stoppenberg sowie in der Mayerschen, Kettwiger Straße 35.


Der Kalender kostet weiterhin 6,50 Euro.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben