Poetry Slam

„Zwergriese“: Marius Hanke pflegt den Poetry Slam in Essen

Der Slam-Poet Marius Hanke ist den meisten Fans von Poetry Slam eher als „Zwergriese“ ein Begriff.

Der Slam-Poet Marius Hanke ist den meisten Fans von Poetry Slam eher als „Zwergriese“ ein Begriff.

Foto: Martin Horn / FUNKE Foto Services

Essen-Katernberg.  Der Slam-Poet Marius Hanke alias „Zwergriese“ will den Poetry Slam weiter in Essen etablieren. Bis heute ist er süchtig nach der Slam-Kultur.

Marius Hanke ist Slam-Poet. „Die meisten nennen uns zwar Poetry-Slammer, aber Slam-Poet klingt doch schöner.“ Der 33-Jährige lebt und arbeitet in Katernberg, hat sich unter dem Pseudonym „Zwergriese“ in der Szene einen Namen gemacht. Zahllose Auftritte in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie Final-Teilnahmen an Meisterschaften hat der Wortakrobat schon absolviert.

Auch sechs Jahre nach seinem Karrierestart in der Szene nimmt er monatlich noch an fünf bis zehn Veranstaltungen teil. Und doch: „Poetry Slam hat nicht mehr den Zulauf, den es noch vor ein paar Jahren hatte.“ Er muss es wissen. Seit vier Jahren veranstaltet er selbst kreative „Slams“ in Essen, hat mit Kollegen mehrere Formate ins Leben gerufen.

Poetry Slam ist für Marius Hanke vor allem: Vielfalt

„In der Szene ist man schnell vernetzt, lernt viele Künstler kennen und oft ergeben sich neue Möglichkeiten“, erzählt Hanke. Besonders schätzt er die Vielfalt unter den Poeten. „Die Künstler kommen aus den unterschiedlichsten Ecken, Lebensumständen, Stilrichtungen. Deshalb ist es auch so schwer, Poetry Slam zu erklären oder in eine Schublade zu stecken. Und gerade das macht es auch unheimlich spannend.“

Die Vielfalt zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Marius Hanke. Geboren in Detmold, war er, wie er sagt, „das Außenseiterkind“, das seine Lebensumstände schon immer schriftlich verarbeitete. Erst in kurzen Geschichten, später im Rap. „Das mach ich heute zwischendurch auch noch gern.“ Zum Studium der Germanistik und der Philosophie ging es nach Bielefeld, dort spielte er zehn Jahre am Freien Theater. Der Liebe wegen zog er nach Essen.

Werbetexter, Slam-Poet, Perfektionist

Eigentlich, sagt er, wollte er Synchron- und Hörbuchsprecher werden. Doch wie das Leben so spielt, wurde daraus nichts. Dafür schrieb er weiter, privat und auch beruflich, mal für einen Buchverlag, mal für ein Bestattungsunternehmen. Mittlerweile arbeitet er als klassischer Werbetexter, pflegt Online-Blogs und ist die kreative Stimme für Unternehmen. Und dann ist da noch der andere Teil seines Lebens: Poetry Slam.

Vor sechs Jahren nahm ihn ein Freund mit auf seinen ersten Slam, wo er „voll auf die Nase“ flog. Doch nach dem zweiten Mal auf der Bühne, ganz allein und nur mit seinem Text bewaffnet, hatte die Sucht ihn gepackt. Anfangs zeichneten sich seine Texte durch Lyrik und Prosa aus, mittlerweile sind es Geschichten mit „was dahinter“. Er will eine Nachricht mit auf den Weg geben, ausformuliert oder geschickt in seinen Reimen versteckt. „Als Perfektionist ist es schwer, Muster aufzubrechen. Aber ich versuche, wieder mutiger und experimentierfreudiger zu werden.“

Mehr Poetry Slam-Veranstaltungen in Essen geplant

Denn mittlerweile hat sich sein Anspruch verändert. „Ich gehe nicht auf Slams, um zu gewinnen. Egal, ob Geld oder Meisterschaftsplätze. Ich brauche das nicht unbedingt. Diese Einstellung ist ungesund. Das fördert das Konkurrenzdenken auf der Bühne. Dabei sind wir eigentlich ein Ensemble auf jeder Veranstaltung, das das Publikum unterhalten soll, auf möglichst vielfältige Art und Weise.“

Da ist sie wieder, die Vielfalt von Zwergriese. Den Namen hat er übrigens, weil er den Kontrast so mag, den Gegensatz, die verschiedenen Perspektiven. Zusammen mit anderen Poeten hat sich der 33-Jährige zusammengetan, koordiniert Veranstaltungen in Essen, hält immer Ausschau nach neuen Möglichkeiten, den Slam unter die Menschen zu bringen. Das tut er auch, in dem er regelmäßig Workshops gibt – mal für Schüler, mal für Senioren. „Natürlich ist Poetry Slam Kultur, aber sie ist doch sehr allgemeinverträglich. Für jeden ist etwas dabei.“

Konzentration auf den Norden und Süden der Stadt

Auch in Katernberg hat er mal eine Veranstaltung organisiert, will sich in Zukunft mehr mit dem Norden und dem Süden der Stadt beschäftigen. Der kleine Gigant hat noch einiges vor: „In der Innenstadt gibt es mit ,Weststadt-Story’ und anderen Formaten schon eine gute Auswahl. Aber das Angebot könnte ausgeweitet werden.“

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