Familienbetrieb Mundt

Zigarren waren die zündende Idee von Anton Mundt

Marcus und Ulrike Mundt in ihrem Laden.

Marcus und Ulrike Mundt in ihrem Laden.

Foto: Sara Schurmann

Essen-Altenessen.   Zigarren gehen immer, dachte sich wohl Anton Mundt im Jahre 1918 und eröffnete ein Geschäft in Altenessen, das zu einem Familienbetrieb wurde.

Vor dem Geschäft steht ein Drehständer mit Glückwunsch- und Grußkarten. Betritt man das 32 Quadratmeter große Ladenlokal an der Altenessener Straße 432, liegen rechts, nach Themengebieten sortiert, Zeitschriften griffbereit in den Regalen. Vom Fußball- bis zum Foto-Magazin, von Koch- bis zu Kreativ-Tipps. Auf der linken Seite reihen sich Zigaretten und Tabak in den Regalen. Davor warten Ulrike und Marcus Mundt in ihrer schmucken Lotto-Kluft – grünes Hemd und schwarze Weste mit Logo – auf Kunden. Für sie es nicht nur ein Geschäft, wurde es doch 1918 von Marcus Mundts Großvater Anton gegründet.

Altes Schwarz-Weiß-Fotos zeugt von früheren Zeiten

„Damals war es aber noch ein paar Meter weiter“, sagt der 57-Jährige. Ein altes Schwarz-Weiß-Foto zeugt von früheren Zeiten. Marcus Mundts Vater Ferdinand (1922 geboren) ging zunächst in einer anderen Firma in die Lehre (30 Reichsmark im dritten Lehrjahr), ehe er 1955 den väterlichen Laden übernahm, um Lotto ergänzte und Ende der 1960er-Jahre ein paar Meter weiter in den Neubau einzog.

Marcus Mundt übernahm mit 25 Jahren das Geschäft

„Als mein Großvater das Geschäft gründete, war es ein reines Zigarrengeschäft. Mit meinem Vater kam Lotto dazu. Und so wurde das Sortiment immer wieder verändert“, erzählt Marcus Mundt, der seit 1988 mit gerade einmal 25 Jahren der Chef ist. „Zigaretten werden heute weniger gekauft, Tabak zum Stopfen dagegen mehr“, sagt Ulrike Mundt (53). Zigarren nehmen im Regal nur noch wenig Raum ein. „Die alten Zigarrenraucher sterben aus und die Jüngeren rauchen vielleicht mal zum Geburtstag, zu Silvester oder zum Junggesellenabschied eine“, sagt Marcus Mundt.

Ruhrbahn-Tickets und Kohlensäureflaschen

Es klingt keine Wehmut mit. Das Sortiment geht heute über Tabakwaren, Zeitungen und Glückwunschkarten hinaus. Karten für die Ruhrbahn und Kohlesäurenflaschen für den Wasser-Max gibt es bei Mundts auch. „Und die grauen Müllsäcke der Stadt gibt es in Altenessen nur bei uns.“ Und wenn der Altenessener Lesebuchkreis seinen Jahreskalender fertiggestellt hat, gibt’s den auch nur hier.

Es gab auch nicht so rosige Zeiten

Marcus Mundt führt sein Geschäft mit Leib und Seele und ist stolz auf die Tradition. Und doch gab es Zeiten, in denen es gar nicht rosig aussah. „In den 1990er-Jahren gab es hier über mehrere Jahre Baustellen. Erst wurden die Straßenbahngleise herausgerissen, dann Abwasserrohre verlegt. Unsere Kunden wussten manchmal nicht, wie sie ins Geschäft kommen sollten.“ Man habe trotz der Einbußen überlebt – auch dank der Stammkunden.

Altenessen sei besser als sein Ruf

Außerdem sei Altenessen besser als sein Ruf. Mit Menschen aus anderen Kulturkreisen habe er auf jeden Fall keine schlechten Erfahrungen. „Wenn ein Kunde eine türkische Zeitung kauft und feststellt, dass der Preis sich um zehn Cent erhöht und ich das übersehen habe, kommt er am nächsten und bringt die zehn Cent.“

Den Zeitpunkt, das Geschäft in die Hände seines heute schon mitarbeitenden Sohnes Cosmas (23) und damit in die vierte Generation zu geben, sieht Marcus Mundt noch nicht für gekommen. Fehlendes Vertrauen ist das nicht. „Ich bin 57, da muss ich noch ein wenig machen“, sagt der Senior.

>>> Angestellte stehen auch für Tradition

  • Tradition liegt nicht nur der Familie am Herzen. Zwei Angestellte, von denen eine kürzlich verstarb, waren bzw. sind dem Familienbetrieb seit 25 Jahre treu und kümmern sich um Kunden.
  • „In so einem kleinen Familienbetrieb wie unserem nimmt man nicht so schnell einen Krankenschein. Das kommt man auch mit einem Schnupfen“, sagt Marcus Mundt.

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