Neubau Marienhospital

Widerstand gegen Verkauf von St. Johann in Altenessen bleibt

Die Figur von St. Johannes, die noch über dem Portal von St. Johann Baptist in Altenessen steht, soll in den neuen Kirchenraum integriert werden.

Die Figur von St. Johannes, die noch über dem Portal von St. Johann Baptist in Altenessen steht, soll in den neuen Kirchenraum integriert werden.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Altenessen.   Krankenhausbetreiber und katholische Gemeinde in Essen-Altenessen einigen sich auf Verkauf der Kirche. Gegner rufen Oberverwaltungsgericht an.

Einzelheiten über den Verkauf ihrer Pfarrkirche an der Johanniskirchstraße an Contilia hat die katholische Kirchengemeinde St. Johann Baptist in Altenessen veröffentlicht. Der Abriss der Kirche sei notwendig, um das Marienhospital neu zu errichten. Der Verein „Rettet St. Johann“ kündigt weiteren Widerstand an.

In vier Verhandlungsrunden zwischen Kirchenvorstand und Contilia sei der Kaufvertrag ausgehandelt worden. Er soll „in den kommenden Wochen unterzeichnet werden“, heißt es auf der Homepage der Gemeinde. Der Wert des Verkaufs von Kirchengrundstück und Immobilien sei deutlich gestiegen, weil die Pfarrei einen Gegenwert von insgesamt 2,6 Millionen Euro erhalte, da Contilia zusätzlich zum Kaufpreis von 1,1 Millionen Euro in die neue Kirche rund 1,5 Mio. Euro investieren werde. Diese Kirche soll statt der ursprünglich angedachten 150 Quadratmeter nun insgesamt rund 460 qm groß werden und bis zu 400 Gläubigen Platz bieten. Sie werde eine Empore, Saal und weitere Räume erhalten.

Gemeinde investiert 400.000 Euro ins Jugendheim

Im Gegenzug übernehme die Pfarrei den Umbau des Jugendheims komplett alleine, verzichtet also auf einen Contilia-Zuschuss in Höhe von 50.000 Euro. In das Jugendheim investiert die Gemeinde 400.000 Euro aus dem Verkaufserlös der Kirche. „Dabei geht es nicht nur um Sanierungen, sondern um eine echte Investition in das Gemeindeleben vor Ort“, heißt es in der Information weiter. Geplant werde unter anderem ein Anbau am Zugang zum Saal mit Küche, eine behindertengerechte Toilette, Windfang und Stuhllager.

Um eine Beziehung zur alten Kirche herzustellen, werde die Johannes-Figur aus dem Kirchenportal in den Neubau integriert. Außerdem seien „künstlerisch gestaltete Fenster“ erlaubt. Näheres klärt ein Gestaltungsausschuss.

Die bisherige Kirche dürfe erst abgerissen werden, wenn für das neue Krankenhaus die Baugenehmigung vorliegt „oder wir es ausdrücklich erlauben“, so der Kirchenvorstand. „Die Nutzung unserer Pfarrkirche und der angeschlossenen Gebäude endet übrigens nicht mit der Unterzeichnung des Vertrages. Dieser sieht vor, dass wir Kirche, Pfarrzentrum und Pfarrhaus längstens bis Mitte Januar 2021 nutzen können.“

Verein stellt eine andere Rechnung auf

Der Verein Rettet St. Josef stellt eine andere Rechnung auf. So müsse die Kirchengemeinde 500.000 Euro für das Inventar der Kirche, 20.000 Euro für Demontage und Sanierung der Johannes-Figur, 100.000 Euro zur Errichtung eines Glockenträgers sowie 80.000 Euro für Umzugs- und Nebenkosten ausgeben. Fazit des Vereins: Entgegen früheren Aussagen sollen nun zusätzlich 400.000 Euro in das Jugendheim investiert werden: „Damit verpflichtet sich die Kirchengemeine, die gesamt als Kaufpreis erhaltenen 1,1 Mio. Euro vollständig als Reinvestitionssumme einzubringen. Es ist absolut unverständlich und nicht zu akzeptieren, dass dieses Informationen der Gemeinde verschwiegen werden und die unwahre Information gegeben wird, „dass... für die neue Kirche Contilia verantwortlich ist“.

Weiterhin bezweifelt der Verein, dass der Kirchenraum im Krankenhaus tatsächlich 200 Personen Platz biete werde. Nach ihrer Rechnung werden nur 115 Plätze zur Verfügung stehen.

Abgesehen von diesem Streit hatte ein Mitglied der Initiative mit Hilfe des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen versucht, dem aus seiner Sicht nicht legitimierten Kirchenvorstand den Verkauf zu untersagen, weil er die Rechmäßigkeit des Beschlusses anzweifelt. Dieser Antrag sei jedoch abgelehnt worden, so Thomas Rünker, Pressesprecher des Bistums. Der Anwalt des Vereins werde dagegen kurzfristig Berufung vor dem Oberverwaltungsgericht einlegen.

>>PFARRGEMEINDERAT DISKUTIERT ÖFFENTLICH

  • Über die erzielten Verhandlungsergebnisse diskutiert der Pfarrgemeinderat öffentlich am Donnerstag, 16. Mai, 19.30 Uhr, auf seiner Sitzung im Saal neben der Kirche Herz Jesu am Westerdorfplatz in Altenessen-Süd.
  • Der Verein „Rettet St. Johann“ lädt zur Protestveranstaltung „Info statt Messe“ am Sonntag, 19. Mai, 11.30 Uhr, auf den Johanniskirchplatz ein.

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