Schulgeschichte

Volksschule Katernberg, Entlassjahrgang 1961

Kinder, wie die Zeit vergeht: Irgendwann in den späten Fünfziger Jahren muss dieses Gruppenbild entstanden sein. Lehrer Buchwald und seine Klasse vor dem Eingangsbereich, der noch heute aussieht wie damals.

Kinder, wie die Zeit vergeht: Irgendwann in den späten Fünfziger Jahren muss dieses Gruppenbild entstanden sein. Lehrer Buchwald und seine Klasse vor dem Eingangsbereich, der noch heute aussieht wie damals.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen-Katernberg.   Seit einiger Zeit treffen sich die ehemaligen Katernberger Volksschüler des Entlassjahrgangs ‘61. Und dann machen alte Geschichten die Runde.

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Der gesamte Eingangsbereich, die steinerne Treppe, die Fenster und auch die schwere Holztür – fast alles sieht noch aus wie früher. An der Heinrich-Lersch-Straße, der einstigen Freiligratstraße (ohne h), steht diese Schule seit nunmehr 111 Jahren. Ein Haus, dessen Name sich im Laufe der Zeit gleich mehrfach geändert hat. Längst heißt sie wieder Zollvereinschule, diese städtisch-katholische Grundschule. Aber früher, da war sie im Volksmund auch mal die „Volksschule Katernberg“. Just die Schule, an der sich zahlreiche junge Menschen das Rüstzeug für den so genannten „Ernst des Lebens“ holten. Auch Herrmann-Josef Lange.

Der Mann ist Anfang 70, lebt lange schon in Rüttenscheid. Als kleiner Junge aber , da war er in Katernberg zuhause („ich sage immer Kaddanbärch“) – und wurde mit rund 40 anderen Kindern 1953 an der Volksschule eingeschult. „Eine schöne Zeit damals“, erinnert sich Lange, der seit einigen Jahren die regelmäßigen Klassentreffen organisiert, „weil das die früheren Mitschülerinnen bei einem Treffen mal so bestimmt haben . . .“.

Acht Schuljahre, so war das damals. Als Lange mit den meisten anderen 1961 entlassen wurde („manche waren schon nach der vierten Klasse verschwunden“) und eine Buchdrucker-Lehre begann, verlor man sich aus den Augen. Bis 1986 das erste Klassentreffen kam. Es folgte eine erneute Pause, seit einiger Zeit jedoch treffen sich die Volksschüler des Entlassjahrgangs ‘61 regelmäßig.

So wie neulich, als bei „Spindelmann“ in Altenessen neben lecker Essen natürlich auch die alten Geschichten wieder auf den Tisch kamen. Siegfried Grötzbach hatte lustige Schultüten mitgebracht, und dann gab es kein Halten mehr. Vieles, was viele längst vergessen hatten. Geschichten über die erste Klassenlehrerin, die Wurm hieß und mit Vornamen „Fräulein“, wie das früher so war. „Bei der hatte schon mein Vater Unterricht“, erinnert sich Lange noch gut an die damals schon alte Dame.

Retourkutsche: Wasser statt Wein

Als sie ging, kam Lehrer Buchwald, am liebsten jedoch denkt Hermann-Josef Lange an Kaplan Johannes Pluskota zurück, der zwischen ‘58 und ‘63 als Aushilfe in der Joseph-Gemeinde eingesetzt wurde und an der Schule Religion gab. Lange: „Wenn jemand im Unterricht Unsinn machte, was vorkam, dann musste er zur Strafe mit ausgestreckten Armen den Katechismus der Katholischen Kirche halten. Ein dickes Buch.“

Auch Lange erwischte es mehrfach, seine Retourkutschen aber ließen nie lange auf sich warten. „Ich war Messdiener und verabreichte Kaplan Pluskota in der Kirche dann immer nur Wasser statt Wein. Das hat ihn echt gefuchst.“

>>IM JAHR 1786 FÄNGT ALLES AN

In der Schulchronik von Katernberg spricht Äbtissin Maria Kunigunde erstmals von der „Schule zu Katernberg“, die 1786 gegründet wird. Das erste Schulgebäude steht an der Grenze zu Altenessen und Stoppenberg. 1833 wird eine neue Schule gebaut. Mit einem Klassenzimmer, in dem fortan127 Schüler gleichzeitig (!) unterrichtet werden – von einem Lehrer. 1907 wird das Gebäude in ein Versorgungsheim für Arme und Gebrechliche umgewandelt, an der damaligen Freiligratstraße 40 entsteht dafür ein Haus mit acht Klassen – die Josephschule. Im Zweiten Weltkrieg heißt sie Schill-Schule, ab 1945 Zollvereinschule, später Schule an der Heinrich-Lersch-Straße. Und heute wieder Zollvereinschule.

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