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Treff der Religionen wie große Messe

Die Katernberger Moschee Fatih beteiligt sich ebenfalls am interreligiösen Fest „Taste of Religion. Haus der Religionen auf Zeit“ auf dem Weltkulturerbe Zollverein.

Die Katernberger Moschee Fatih beteiligt sich ebenfalls am interreligiösen Fest „Taste of Religion. Haus der Religionen auf Zeit“ auf dem Weltkulturerbe Zollverein.

Foto: Fatih

Essen-Stoppenberg.   Religionsgemeinschaften wollen am Samstag miteinander ins Gespräch kommen. Denn ihre Sorgen sind sich ähnlich: Jugend und der Erhalt der Gebäude.

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Wie kommen die zahlreichen Religionsgemeinschaften der Stadt miteinander ins Gespräch? Um dies zu befördern, laden der Initiativkreis Religionen in Essen, das Projekt Arche Noah, die Stiftung Zollverein und das Ruhrmuseum am Samstag, 16. September, ab 14 Uhr zum interreligiösen Fest „Taste of Religion. Haus der Religionen auf Zeit“ auf das Weltkulturerbe. Einen Tag vorher werden sich 500 Schüler aus dem Norden in verschiedenen Workshops mit dem Thema künstlerisch befassen. Die Veranstaltung eröffnet die Interkulturelle Woche in Essen.

„Ich gehe davon aus, dass so ein breit angelegtes Gespräch zum ersten Mal überhaupt auf Zollverein stattfindet“, ist Theodor Grütter, Direktor des Ruhrmuseums, ziemlich überzeugt von der Veranstaltung, die er im Rahmen des Veranstaltungsverbundes „Der geteilte Himmel“ mit gleichnamiger Ausstellung im Museum anlässlich des 500. Geburtstages der Reformation im Ruhrgebiet mitbetreut. Tatsächlich ist die Bandbreite der Gemeinschaften aus dem Essener Norden und dem Rest der Stadt beeindruckend.

Ziel ist ein gemeinsamer Text

Unter anderem die Katernberger Moscheen Fatih und Ayasofia, die katholischen und evangelischen Gemeinden im Bezirk VI Zollverein, die Essener Gemeinden der Sikh, der Schiiten und der Bahá´i, werden sich im „Haus der Religionen auf Zeit“ in Halle 5 ab 14 Uhr wie auf einer großen Messe präsentieren. Im Vorfeld haben diese, jede für sich, bereits „Miteinander-Lebens-Regeln“ entworfen, die sie ab 15 Uhr in der Halle 12 präsentieren und in einer Podiumsdiskussion mit Vertretern der Politik und anderen diskutieren werden. Ziel ist ein gemeinsamer Text, der Regeln des toleranten Miteinander festlegen und als Blaupause für die gesamte Stadt dienen soll. Von allen Teilnehmern unterzeichnet wird das Ganze am 17. Oktober im Rathaus Stoppenberg. Den Abschluss des kommenden Samstags bildet ab 19.30 Uhr ein Konzert des interreligiösen Ensembles „Avram“ in der Halle 12; der Eintritt ist frei.

Der Ort ist natürlich kein Zufall. Gerade im Norden mit den Bezirken V (u.a. Altenessen) und VI Zollverein leben zahlreiche Menschen unterschiedlichster Herkunft. Michael Zühlke, Bezirksbürgermeister aus Stoppenberg, erlebt dies täglich. „Ich wohne in einer kleinen Straße, hier kennen die Leute sich untereinander und reden. Gehe ich aber ein bis zwei Straßen weiter, sehe ich schon zahlreiche Missverständnisse“, sagt er. An diesem Punkt setzt nun Willi Overbeck, Mitinitiator der Aktion und Sprecher des Initiativkreises Religionen in Essen, an: „Wir müssen Begegnungen organisieren. Die machen erst sensibel für die Probleme des Anderen.“

Den Religionsgemeinschaften ist dieses Problem alles andere als fremd. Jens Kölsch-Ricken ist evangelischer Pfarrer in Katernberg. „Natürlich gibt es viele Vorurteile. Wir eröffnen unser Stadtteilfest am Neuhof immer mit einem interreligiösen Gebet, um dem zu begegnen“, führt er aus. Die Probleme der Gemeinden seien sich über die Religionsgrenzen hinaus sehr ähnlich. „Wie können wir die Jugend halten und wie kümmern wir uns um die Gebäude?“, zählt er auf.

Der Hass macht ratlos

Daran, Resentiments gegen das Unbekannte abzubauen, hat auch die Sikh-Gemeinde Gurdwara Nanaksar in Altenessen größtes Interesse. Durch einen Sprengstoffanschlag im April 2016 mit drei Verletzten war sie brutalst daran erinnert worden, wohin diese führen können. Seitdem geht sie viel stärker in die Öffentlichkeit, hat z.B. Flyer über ihre Religion drucken lassen oder sich mit einer Fotoausstellung im Rathaus-Foyer gezeigt. Mohinder Singh ist Priester dort und hat seit April zahlreiche Fragen über die Sikh in Schulen oder zu anderen Gelegenheiten beantwortet. Er selbst hat allerdings noch keine Antwort auf seine brennendste Frage erhalten: „Wir können immer noch nicht verstehen, woher so viel Hass gekommen ist, einen Bombenanschlag zu verüben.“

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