Kulturpflege

Thais feiern traditionelles Lichterfest im Kleingarten

Gemeindemitglieder der Altenessener Thai Gemeinde feiern das Lichterfest in der Kleingartenanlage „Auf der Heide“ in Altenessen-Nord. Dabei werden Schiffchen aus Blüten ins Wasser gesetzt.

Gemeindemitglieder der Altenessener Thai Gemeinde feiern das Lichterfest in der Kleingartenanlage „Auf der Heide“ in Altenessen-Nord. Dabei werden Schiffchen aus Blüten ins Wasser gesetzt.

Foto: Andre Hirtz / FUNKE Foto Services

Altenessen-Nord / Karnap.  Exotisches Flair im Norden von Essen: In einem Kleingartenverein pflegten Thailänder eine alte Tradition: das Lichterfest „Loi Krathong“.

Thailändische Kultur im Kleingartenverein an der Emscherstraße 191: Exotische Stoff- und bunte Papierblüten schmücken das alte Tor zur Gartenanlage Auf der Heide. Zwischen zwei goldenen Ballons hängt ein Willkommensschild. Wo Altenessen an Karnap grenzt, richtet die Essener Thai-Gemeinde einen ihrer größten Feiertage aus, das Lichter-Event „Loi Krathong“.

„In Thailand geht es am Vollmondtag im November hoch her“, sagt Andreas Scholz, der das Fest aus dem Urlaub kennt. Fröhliche Menschen ziehen in Umzügen durch die Straßen, es gibt buddhistische Mönchsrituale, man singt und tanzt. Kurzum ein Riesen-Spektakel für alle Generationen im Land des Lächelns. Und all das zu Ehren der Wassergöttin Mae Khingkhe. Nun sind alle gespannt auf die Altenessener Variante. Die fällt allerdings wesentlich kleiner aus.

Mit Jasmin- und Lotusblüten verzierte Schiffchen

Improvisation war nötig, um den Zauber Siams an die Emscher zu holen. Doch dann spielt sogar Petrus mit und schenkt der glücklichen Gemeinde einen strahlend blauen Himmel. Dass die kulturelle Feier in den KGV kam, ist reiner Zufall. „Jemand hatte das Vereinsheim vorher für einen Geburtstag gemietet“, sagt Sutchai Warwel (50). Zum Lichterfest haben die Thais einen kleinen Markt und eine Bühne aufgebaut. Es gibt Tänzerinnen, einen Schauspieler und eine Disco. Ein DJ spielt landestypische Hits in voller Lautstärke.

Höhepunkt ist das Aussetzen der kunstvoll gebastelten „Krathongs“. Das Wort spricht man in etwa wie „Kartons“. Gemeint sind aus Schilf oder Bananenblättern gebastelte Flöße, die in Thailand von Jung und Alt nach alter Tradition beladen werden – mit duftenden Jasmin- und Lotusblüten, brennenden Kerzen und persönlichen Opfergaben. Die Schiffchen werden in Seen oder Flüsse gesetzt. Ein farbenprächtiges Lichtermeer.

Wie schwimmende Torten mit Räucherwerk

Der Vollmond ist eine gute Woche her, und man trifft sich mittags in der Gartenanlage. Ein paar Ausländer („Farangs“) als Gäste sind in Altenessen auch dabei. Sie werden mit dem typischen „sawadee“ begrüßt. Zum Empfang faltet Wannipa Mirbach aus der Thai-Gemeinde beide Hände und beugt sich mit angewinkelten Armen freundlich lächelnd nach vorn. Es ist etwa 30 Grad kälter als derzeit in Thailand. Thanja, Lek Lilli, Chanphen Hilgemann und Sutchai Warwel präsentieren ihre kreisrunden „Krathongs“. Wie festliche Torten aus gelben und roten Rosenblüten und sattgrünen Blättern wirken die kunstvollen Gebilde mit dem Räucherwerk in der Mitte.

Die Frauen reden Thai, als sie ihre Flöße vorsichtig in den weiß-blauen Aufblas-Pool vor dem Vereinsheim setzen. „Man entschuldigt sich dafür, im vergangenen Jahr Wasser verschwendet oder verschmutzt zu haben. Danach spricht man persönliche Wünsche aus“, erklärt Sandy Kemkes. Die 27-Jährige kennt den Ritus. Sie ist in Altenessen aufgewachsen, ihre Mutter kam vor 30 Jahren aus Thailand an die Ruhr, um zu heiraten. Kemkes hat ihre Tochter Alyssa an der Hand. Die Siebenjährige lächelt über das ganze Gesicht. Auch ihr gefallen die hübschen Schiffchen. Dass die Zeremonie aus Umweltschutzgründen nicht auf einem echten Gewässer stattfinden kann, finden einige Teilnehmer schade. Aber sie arrangieren sich mit den deutschen Gegebenheiten.

Duftende Spezialitäten im Vorraum des Vereinsheims

„Thais sind gut im Improvisieren“, sagt Lek Lilli. Die 45-jährige Düsseldorferin hat das Lichterfest in Altenessen mitorganisiert. Chanphen Hilgemann zeigt auf dem Smartphone Bilder von den Feierlichkeiten in ihrer Heimat. Aber Thailand vermisse sie nicht. „Über das Internet bin ich mit der Familie und den Freunden zuhause ständig in Kontakt.“ Einmal im Jahr fliegt sie nach Hause. Pornsri Prey (61) fühlt sich längst daheim in Witten. Die 61-Jährige kam als junge Frau und heiratete einen Deutschen.

Kulturpflege ist Hilgemann wichtig. Zum besonderen Tag trägt sie ein Gewand aus Wickelrock, Top und langer Schärpe und erinnert an eine siamesische Prinzessin. In Iserlohn hat sie eine Tanzgruppe für Kinder gegründet. „So geben wir unsere Sitten und Bräuche an die nächste Generation weiter.“ Die Kinder der deutsch-thailändischen Ehepaare verfolgen die Zeremonie mit Spannung.

Die Tradition des Lichterfestes hält man hoch, kennt aber auch hiesige Feiertage. Doch nun wolle man alles Schlechte, Ärger und Sorgen des vergangenen Jahres dem Wasser überlassen und neu anfangen. An der Bar trinken ein paar Kleingärtner Bier. An den langen Tischreihen genießen die thailändischen Frauen und Kinder mit ihren Partnern die gute Stimmung. Eine landestypische Garküche im Vorraum lockt mit exotisch duftenden Spezialitäten: gebratene Würstchen aus Hack, Reis, Knoblauch und Zitronengras, würzige Fleischspieße, scharfe Nudelsuppe und bunte Kuchen. Ein Fest auch für den Gaumen, am Rande von Essen.

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