Integrationsdebatte

Streit in Essener Bezirksvertretung über Moschee-Erweiterung

Ehemalige Hinterhofmoschee an der Altenessener Straße 517.

Ehemalige Hinterhofmoschee an der Altenessener Straße 517.

Foto: Kokoska

Essen-Altenessen.   Zwei Moscheen haben Bauanträge gestellt. Die Bezirksvertreter möchten, dass die Genehmigung ausgesetzt wird, weil der Parkdruck zu groß werde.

Über die Erweiterung von Moscheen an der Altenessener Straße und der Thiesstraße diskutiert die Bezirksvertretung V in Altenessen seit Jahren. Jetzt ist sie der Auffassung, die Notbremse ziehen zu müssen. Der Grund: Das eng bebaute Stadtquartier könne den zu erwartenden Parkdruck nicht verkraften. Deshalb sollten die beiden Bauvorhaben zunächst ausgesetzt und stattdessen „ein realistisches Verkehrs- und Parkkonzept“ vorgelegt werden. Das wünscht die SPD, alle anderen Politiker schließen sich dem Wunsch an – mit Ausnahme der Grünen.

In der Bezirksvertretung V entwickelte sich ein Wortgefecht zwischen Theo Jansen, dem Antragsteller und Sprecher der SPD, sowie Walter Wandtke. Der Grünen-Ratsherr vertrat in diesem Moment seine erkrankte Frau, Bezirksvertreterin Christiane Wandtke.

Expansion „war zu erwarten“

Die SPD weist auf die schon jetzt bestehende „erhebliche Parkraumnot“, weil in einem Radius von etwa einem Quadratkilometer mehrere Religionsgemeinschaften mit starken Besucherzahlen „angesiedelt“ worden seien.

„Wie zu erwarten war“, expandierten sie nun. Aufgrund fehlender eigener Parkflächen wichen die Besucher auf die knappen Parkplätze in den anliegenden Wohngebieten im Bereich zwischen Kolpingstraße, Rahmdörne, Gladbecker Straße und Böhmerheide aus. Die Folge: „Anwohner beklagen sich, dass sie nachmittags kaum noch eine Parkmöglichkeit in Wohnraumnähe bekommen oder gar nicht in diesen Bereich fahren können.“

Theo Jansen ist überzeugt, dass nicht Moscheen, sondern regelrechte Gemeindezentren mit eigener Verwaltung geplant seien, in denen Sprachkurse, Strickkurse und Unterricht angeboten werden. Die Parkplätze würden also nicht nur zu besonderen Anlässen benötigt, sondern auch an normalen Tagen. Wenn der Besucherzustrom um mindestens 500 Personen steige, „ist dieser Wohnbereich verkehrstechnisch am Ende“. Viele Besucher kämen aus dem gesamten Ruhrgebiet nach Altenessen, aber die wenigsten mit der U-Bahn.

Grüne: Muslime sind nicht „angesiedelt“ worden

Walter Wandtke hält dagegen, dass Moscheen und Muslime nicht „angesiedelt“ worden seien, „sondern hier ganz normal gewachsen“ seien. Sie hätten an ihren Wohnorten „nicht weniger Anrecht auf ihre Gotteshäuser als Christen, Juden, Sihks oder Hindus“. Sie lebten eben im Essener Norden, weil sie nicht die Finanzmittel hätten, um „teuer etwa in Rüttenscheid oder Stadtwald zu bauen. Es sei denn, sie würden vielleicht von Saudi-Arabien oder dem türkischen Staat gesponsert, was sicherlich nicht wünschenswert ist“.

Wenn hässliche Hinterhofmoscheen durch Neubauten mit „ansehnlicher Architektur“ ersetzt würden, könne Altenessen davon nur profitieren. Falls Straßen zugeparkt werden, müssten Polizei und Ordnungsamt tätig werden. „Statt vorgeschoben Parkplatzprobleme zu verhandeln, brauchen wir dauerhaft verbindliche Gespräche auf Augenhöhe“ mit den Gemeinden, fordert Walter Wandtke.

Mit einigen Moscheen könne man gut zusammenarbeiten

Genau das passiere ja, entgegnet Theo Jansen. Mit den Gemeinden an der Heßler- und II. Schnieringstraße „kann man gut zusammenarbeiten“. So würden bei Hochzeiten oder Beerdigungen in Absprache mit Firmen deren Parkplätze genutzt. Anders sei der Umgang mit der Altenessener Straße 521: „Die ist ziemlich geschlossen.“

>>>>>> „Integration ist gesamtstädtische Herausforderung“

Eine Aufstellung aller Gebetsstätten und Gemeindezentren in Essen, aufgeschlüsselt nach Bezirken und differenziert nach Glaubensrichtungen, das verlangt die Bezirksvertretung V.

Denn diese Zentren seien mehrheitlich im Essener Norden bzw. im Bezirk V in einem geringen Abstand zueinander zu finden.

Integration sei nicht eine Aufgabe, die ausschließlich der Essener Norden zu bewältigen habe. Sie sei eine gesamtstädtische Herausforderung.

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