„Schule aus und jetzt?“

Spiel bereitet Neuntklässler auf Zeit nach der Schule vor

Michael Gerritzen (l.) und Tobias Lothmann mit dem Planspiel.

Michael Gerritzen (l.) und Tobias Lothmann mit dem Planspiel.

Foto: André Hirtz

Altenessen.   Handyverträge, Bewerbungen, Versicherungen, Kontoeröffnung. Um solche Themen dreht es sich beim Spiel „Schule aus und jetzt?“

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„Schule aus und jetzt?“ Das ist eine Frage, deren Beantwortung Schulabgängern oftmals nicht leicht über die Lippen geht. Den nächsten wichtigen Schritt im Leben sollten die jungen Menschen aber nicht unvorbereitet gehen. Das meinten auch die Jugendberufshilfe (jbh) gGmbH und die Initiative „Wir von Hier“, die mit einem Planspiel und einem Reflexionsspiel die Schulabgänger auf den sogenannten Ernst des Lebens vorbereiten wollen.

Kooperation von Jugendberufshilfe und Initiative

Auf dem Tisch im zweiten Stock der Jugendberufshilfe liegen ein Stapel Karten mit farbigen Reitern, eine große Uhr und eine Rezeptionsklingel, die zu einem Buzzer umfunktioniert wurde. Am Tisch sitzen Michael Gerritzen, Pädagoge der Jugendberufshilfe, und Tobias Lothmann, Gründer der Initiative „Wir von Hier“ und mittlerweile als Schulsoziarbeiter bei der Jugendberufshilfe beschäftigt. „Das Spiel entstand in einer Kooperation von Jugendberufshilfe und Initiative“, erzählt Pothmann.

Sechs Mal im Bezirk Zollverein, einmal Altenessen

Das Planspiel findet nicht in der Schule, sondern in einem Jugendhaus, einem Bürgerhaus oder dergleichen statt. „Uns ist wichtig, dass es extern ist, wobei die Lehrer aber integriert sind“, betont Lothmann. Mit dem Planspiel wolle man bei Schülern der 9. Klasse das Bewusstsein dafür schärfen, „dass die Routine Schule bald unterbrochen wird“.

Das Planspiel wird regelmäßig an sechs Schulstandorten im Bezirk Zollverein und einer Schule in Altenessen gespielt. „Wir gehen an Förder-, Haupt- und Gesamtschulen“, sagt Gerritzen. Das Planspiel ist eine Art Rollenspiel. Acht Wochen zusammengerafft in zwei Stunden. Für jede Station bleibt eine Viertelstunde. Da gibt es zum Beispiel eine Station, bei der Schüler zum Jobcenter gehen, bei der nächsten müssen sie sich dem Vorstellungsgespräch stellen und bei einer weiteren wird gespielt, dass die jungen Menschen in einem Praktikum sind oder eine befristete Arbeit haben.

Bei einzelnen Stationen spielen externe Experten mit

Bei den einzelnen Stationen spielen externe Experten mit. „Da sitzt dann schon mal ein echter Vertreter des Jobcenters, ein Mitarbeiter der Sparkasse oder von Allbau“, erzählt Lothmann. Da wird auch ein Lehrer schon mal zum Verkäufer von Handyverträgen. Behandelt werden ohnehin nicht nur berufliche Themen. Es geht auch um die Eröffnung eines Kontos, um Mietverträge, Versicherungen oder Handyverträge – und dabei vordringlich um das Kleingedruckte und die Fußfallen, die drohen. „Wir machen den Schritt ins Leben nach dem Schulabschluss erlebbar“, erklärt Michael Gerritzen.

Nacharbeitung in spielerischer Form

Zusätzlich zu dem Planspiel wird es ein Reflexionsspiel geben. Im Idealfall gehen Michael Gerritzen und Tobias Lothmann oder Kollegen zwei bis drei Wochen nach dem Planspiel in die jeweilige Schule. Dann folgt die Nacharbeitung in spielerischer Form. Die Erfahrungen und das Gelernte des Planspiels sollen spielerisch aufgefrischt werden. Zwei Gruppen treten gegeneinander an. Dafür werden die Karten, die Uhr und der Buzzer gebraucht. Richtige Antworten werden mit Punkten belohnt, falsche bringen den Kontrahenten Punkte.

Glück und Pech liegen bei den „Erlebniskarten“ eng beieinander. Bei „Ihre Waschmaschine ist kaputt“ wird es lange Gesichter geben, bei „Die Oma in USA vererbt etwas“ dürften sich die Mienen aufhellen.

>>> Hauptschule Bischoffstraße spielt als nächste

Das Projekt wird vom AHI-Fond unterstützt. AHI stand für Altenessener Handwerker Initiative. Diese war 1991 gegründet worden. 2012 ging die in die Essener Arbeit-Beschäftigungsgesellschaft (EABG) über. Die Rücklagen der gingen an den Kirchenkreis. AHI steht heute für Arbeit, Handwerk, Integration.

Als nächste Schule spielt die Hauptschule an der Bischoffstraße das Spiel (3. September).

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