Stadtentwicklung

Neuer Nachbar an Gladbecker Straße stößt auf Ablehnung

Das Haus an der Gladbecker Straße 233 wurde jetzt von einer Immobiliengesellschaft aus dem Münsterland erworben.

Das Haus an der Gladbecker Straße 233 wurde jetzt von einer Immobiliengesellschaft aus dem Münsterland erworben.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Altenessen-Süd.   Immobiliengesellschaft kauft ein Haus und möchte mit Anwohnern über Abriss ihrer Häuser und Bebauung der Gärten sprechen. Doch diese lehnen ab.

47.000 Fahrzeuge rollen täglich über die Gladbecker Straße. Die Belastung der Anwohner mit Feinstaub und Lärm ist groß. Vor knapp drei Jahren, im Herbst 2016, stellte die Stadt deshalb ihren „Rahmenplan Gladbecker Straße“ vor, mit Verbesserungsvorschlägen für den Straßenraum, die Bebauung und den Freiraum.

Doch seitdem hat sich nicht viel getan, die Verkehrsprobleme sind nicht geringer geworden. Anwohnerin Susanne Demmer wundert das nicht: „Es fährt noch immer kein Bus von Nord nach Süd über die Gladbecker.“ Und nun löst ein „neuer Nachbar“ neue Unruhe unter den Anwohnern aus.

Die Firma Grünewald & Niesing, eine alteingesessene

Immobiliengesellschaft aus dem münsterländischen Ochtrup, stellte sich ihnen jetzt vor. Sie habe das Gebäude Gladbecker Straße 233, Ecke Pörtgenweg, erworben. Es gehe nun um Sanierungen, Aufwertungen und Umplanungen, die mit der Stadt Essen bereits besprochen seien. In diesem Zusammenhang sei das Ochtruper Unternehmen gebeten worden, schreibt es den Anwohnern, „den Kontakt mit Ihnen als Eigentümer aufzunehmen und eine Quartiersentwicklung an diesem Standort zu überdenken. Die Kommune ist daran interessiert, die Verkehrsflächenflucht an der Gladbecker Straße zu verbreitern und aufgrund der Feinstaubproblematik zu erweitern. Dieses kommt allen Bewohnern des Quartiers zu Gute und schafft einen deutlichen Mehrwert.“ Und: „Die Möglichkeit, aus Gartenland Bauland zu entwickeln, sehen wir für Sie als absolute Aufwertung Ihrer Immobilie an.“ Man sei bereit, mit der Stadt „auch aus monetärer Sicht“ zu verhandeln.

„Über den Tellerrand gucken“

Auf Nachfrage erklärt Tim Grünewald (23), neuer Geschäftsführer der GmbH, dass es sich „nur um eine Kontaktaufnahme“ gehandelt habe: „Mehr steckt nicht dahinter. Wir wollten über den Tellerrand gucken, wie es mit den Nachbarn aussieht.“ Interesse, weitere Häuser an der Gladbecker Straße aufzukaufen, habe er nicht. Doch wenn man mehrere Hauseigentümer an einen Tisch bekommen könnte, hätte man eine bessere Verhandlungsposition gegenüber der Stadt. Den Vorschlag, die Häuser an der Straße abzureißen und stattdessen die tiefen Gärten mit ihrem hohen Baumbestand zu bebauen, hält Susanne Demmer für absurd: „Wie toll ist das denn, unsere Immobilien aufzuwerten, in dem sie wegkommen?“ Seit Jahren bemühten sich sie und ihre Nachbarn darum, wie andere Hauseigentümer auch einen Zuschuss zur Fassadensanierung zu bekommen, doch die Stadt lehne das für die Häuser an der Gladbecker Straße ab.

„Wir wollen unser Leben leben.“

Trotz allem hängen Susanne Demmer, ebenso wie auch ihr Nachbar Reinhard Schmidt, an ihren zum Teil ererbten Häusern. „Wir haben kein Interesse am Verkauf. Wir wollen in Ruhe gelassen werden und unser Leben leben.“

DIE SKEPSIS WAR VON VORNHEREIN ZU SPÜREN

  • Schon bei der öffentlichen Diskussion über den Rahmenplan war die Skepsis der Anwohner zu spüren.


  • „Es ist festzustellen, dass bei den Bürgern eine eher kritische Einschätzung hinsichtlich der Erfolgsaussichten und Realisierbarkeit des Rahmenplans besteht“, lautete das Fazit.

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