Müll auf jüdischem Friedhof

Müll fliegt über Zaun auf jüdischen Friedhof im Nordviertel

Ein blauer Müllsack liegt unweit der Grabsteine im Gebüsch.

Ein blauer Müllsack liegt unweit der Grabsteine im Gebüsch.

Foto: Dietmar Mauer

Essen-Nordviertel.   Gedankenlos, anders sind jene Zeitgenossen wohl nicht zu bezeichnen, die ihren Abfall über den Zaun auf den jüdischen Friedhof werfen.

„Alte Autoreifen hatten wir schon, Tresore noch nicht“, sagt Martina Strehlen, stellvertretende Vorsitzende der Alten Synagoge, zu den Vorkommnissen am Dienstag. Ein Anwohner des Assmannwegs hatte auf dem angrenzenden jüdischen Friedhof zwei Gegenstände entdeckt, die stark Tresoren glichen. Er verständigte daraufhin telefonisch die Polizei sowie Martina Strehlen. „Die Polizei kam zu mir und holte die Schlüssel für den Friedhof und brachte sie nach kurzer Zeit wieder zurück“, erzählt Martina Strehlen.

„Es ist richtig, dass die Kollegen die beiden Tresore abgeholt haben“, bestätigt Sylvia Czapiewski auf Nachfrage dieser Zeitung. Möglicherweise – so die Polizeisprecherin – gehörten sie zu einer Straftat. Das müssten weiterführende Untersuchungen ergeben. Rostspuren an den Tresoren ließen vermuten, dass sie bereits längere Zeit dort gelegen hätten.

Die Kehrseite der Abgeschiedenheit

Der jüdische Friedhof am Assmannweg liegt abseits des Alltagsgeschehens im Nordviertel. Eine passende Adresse für stilles Gedenken. Die Abgeschiedenheit hat aber auch ihre Kehrseite. Zeitgenossen hindert auch der geschätzt 1,60 Meter hohe Drahtzaun nicht, ihren Müll hier zu entsorgen. Am Donnerstagmorgen fielen, ohne dass man groß hätte suchen müssen, zwei große, gelb-braune Pappkartons, ein schwarzes Fahrradschloss, ein blauer Plastiksack, eine bunte Getränkedose und ein paar geleerte Schnapsfläschchen auf. „Abgesehen von dem jetzigen Fund ist die Vermüllung furchtbar“, sagt Martina Strehlen, aber aufgrund der Abgelegenheit des Friedhofes könne man da wohl nichts machen.

Zwölfmal im Jahr kommt eine Firma vorbei

Die Schlüssel für das Friedhofstor liegen in der Alten Synagoge, der Friedhof selbst aber ist unter städtischer Obhut. „Der Friedhof am Assmannweg gehört wie auch die drei weiteren jüdischen Friedhöfe in Essen zur Stadt“, sagt Christina Waimann, Sprecherin von Grün und Gruga. Wie zehn weitere der insgesamt 23 städtischen Friedhöfe werde der Friedhof im Nordviertel von einer Firma betreut und gepflegt. „Die Firma kommt zwölfmal im Jahr zwischen März und Dezember zu Pflegearbeiten vorbei“, erklärt Christina Waimann. Im Januar und Februar sei Pause.

Das heißt, dass die Mitarbeiter der beauftragten Firma in Kürze zu ihrem nächsten Einsatz anrücken werden. Pappkartons, Fahrradschloss, Plastiksack, Getränkedose und Schnapsfläschchen werden dann verschwinden – fragt sich nur, für wie lange.

>>> Jüdischer Friedhof wurde 1885 gegründet

Der jüdische Friedhof im Segeroth bezeugt die lange Geschichte jüdischer Familien in Essen. Er ist normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

Der Privatbankier Simon Hirschland war der Erste, der auf dem 1885 eröffneten Friedhof seine letzte Ruhe fand.

Heute befinden sich über 700 Grabsteine auf dem Friedhof. Ob alle nach der Zerstörungswelle während des Nationalsozialismus wieder an der „richtigen“ Stelle aufgestellt wurden, ist nicht immer klar. Zu den Prominentesten, die hier begraben wurden, zählt die Familie Rubens (Borbecker Kaufhausbesitzer).

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben