Ledigenheim in Altenessen

Leer stehendes Ledigenheim in Altenessen bröckelt weiter

So sah es im Februar dieses Jahres an der Seumannstraße 15 aus. 

So sah es im Februar dieses Jahres an der Seumannstraße 15 aus. 

Foto: Dietmar Mauer

Essen-Altenessen.   Es war still geworden ums leer stehende Ledigenheim in Altenessen. Ein Feuer am Ostersonntag brachte den bröckelnden Bau zurück ins Gedächtnis.

Der wuchtige städtische, teils denkmalgeschützte Backsteinbau an der Seumannstraße 15 wurde 1921 nach Plänen des Architekten Edmund Körner gebaut und diente alleinstehenden Arbeitern der Zeche Helene als Wohnheim. Nach Schließung der Zeche wurde es von Feuerwehr, ASB, DRK und THW als Ausbildungs- bzw. Lagerraum genutzt. Seit 2017 ist es komplett geräumt. Schon 2015 wollte ein Verein namens „Plan W“ den Mitteltrakt des Gebäudes in ein Mehrgenerationenhaus umbauen.


Die Stadt wolle – so hieß ein Jahr später – das Gebäude an einen Investor und Projektentwickler verkaufen. Als Preis wurden zwei Millionen Euro aufgerufen. 2017 wurden Verhandlungen bestätigt. Seitdem ist es still geworden um das „Bullenkloster“, wie es im Volksmund genannt wird. Bis zum Nachmittag des Ostersonntags, als die Feuerwehr ausrücken musste, um einen Brand an der Seumannstraße zu löschen (wir berichteten).

Spilker: Erhebliche Gefahren für unbefugte Benutzer

Thomas Spilker, baupolitischer Sprecher der FDP–Ratsfraktion und Vorsitzender der FDP im Essener Norden, wundert es, dass das Objekt noch nicht vermarket ist, obwohl Fachausschuss und Rat dem Verkauf vor langem zugestimmt hätten. „Ein solch offenes Gebäude ist zwar für spielende Kinder und Jugendliche attraktiv, hat aber auch durchaus erhebliche Gefahren für unbefugte Benutzer.“

Für Uwe Kutzner, baupolitischer Sprecher der CDU, gibt es ein Spannungsfeld zwischen Denkmalschutz und Wirtschaftlichkeit. „Der letzte Investor ist offenbar abgesprungen. So wie es jetzt dasteht, hat kein Käufer Freude daran“, sagt Kutzner. Aus einer kritischen Immobilie könne schnell eine Schrottimmobilie werden. Zudem sei der Zuschnitt schwierig. Die Hallen hinter dem Haus dürften abgerissen werden. Das Hauptgebäude wegen des Denkmalschutzes allerdings nicht.

Die Stadt will das Gebäude weiterhin verkaufen

Das Ledigenheim werde zu Recht teilweise geschützt. „Der Denkmalschutz muss aber auch wirtschaftlich darstellbar sein.“ Im Klartext: Was nutzt der beste Denkmalschutz, wenn er dazu führt, dass Immobilien nicht verkauft und genutzt werden können. Nun müsse das Gebäude erst einmal so gesichert werden, so dass Unbefugte nicht einfach einsteigen können.

„Die Stadt prüft regelmäßig die Sicherheit, bringt Bretter an zerstörten Scheiben an“, sagt Patrick Opierzynski vom Presseamt. Zum Stand der Verhandlungen und dem Abspringen des Interessenten konnte er am Dienstag nur soviel sagen: „Die Stadt will das Gebäude weiterhin verkaufen.“

BAU DIENTE AUCH SCHON ALS FILMKULISSE

  • Der morbide Charme des Backsteingebäudes mit seinen Flügelanbauten erhielt aber auch Zuspruch. So diente es zu Film- und Fernsehaufnahmen.
  • Teile von „Manta, Manta“ (1991) wurden ebenso auf dem Gelände gedreht wie Innenaufnahmen für das Drama „This is love“ mit dem Schauspieler Jürgen Vogel (2009).

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