Wahlkampf

Konfliktpotenzial in Essen-Karnap: Wahlplakate zerstört

EBB-Direktkandidat Stephan Duda vor dem zerstörten Wahlplakat. Sein Kopf wurde heraus geschnitten. Inzwischen wurde das Plakat ersetzt.

EBB-Direktkandidat Stephan Duda vor dem zerstörten Wahlplakat. Sein Kopf wurde heraus geschnitten. Inzwischen wurde das Plakat ersetzt.

Foto: EBB

Essen-Karnap.  In Essen-Karnap wird der Wahlkampf mit harten Bandagen ausgefochten. Wahlplakate werden zerstört. Sportverein unterstützt einen Kandidaten.

Besonders in Karnap wird der Wahlkampf mit harten Bandagen geführt. So wurde jetzt der Kopf des EBB-Kandidaten Stephan Duda aus einem Großplakat geschnitten. Die Satire-Gruppierung „Die Partei“ nutzte flugs die Lücke, um sie mit dem Foto eines nackten Hinterteils zu füllen. EBB-Spitzenkandidat Kai Hemsteeg schimpft: „Der Kommunalwahlkampf insbesondere im Essener Norden nimmt allmählich unappetitliche und sogar strafrechtliche Formen an.“ Und ein Fußballverein mischt auch mit.

Das politische Konfliktpotenzial in Essen-Karnap ist groß

Stephan Duda (49) ist in Karnap bekannt: Er war Vorsitzender des Sportvereins FC Karnap und des SPD-Ortsvereins und steht weiterhin dem Gartenbauverein Karnap vor. Doch heute ist er nicht mehr im Verein, und die Partei hat er auch gewechselt: Er tritt jetzt für das Essener Bürger Bündnis – Freie Wähler (EBB) an. „Einige sind ziemlich beleidigt, weil ich zum EBB gegangen bin“,weiß Stephan Duda.

Das Konfliktpotenzial ist also groß. So sei bereits im Juli sein VW Passat zwei Mal vor der Gartenanlage zerkratzt worden. Duda erstattete Anzeige gegen Unbekannt, und ging nach der Plakat-Zerstörung an der Kreuzung Karnaper-/Arenbergstraße erneut zur Polizei. Wen er hinter den Attacken vermutet, möchte er nicht preisgeben: „Ich habe keine Beweise, dazu will ich mich deshalb nicht äußern.“

Stress wegen eines zusätzlichen Wahlplakats

Gleichwohl gab es auf der Standfläche vor einer Pizzeria Stress mit seiner ehemaligen Partei. Weil die Wiese groß genug ist, durften sowohl SPD als auch EBB jeweils ein Großplakat aufstellen. Doch die SPD blockierte die Fläche mit zwei Stellwänden, was selbst ihr Direktkandidat Michael Schwamborn – einst EBB-Ratsmitglied – nicht bestreitet: „Das war ein Versehen der Aufstellfirma im Wahlkampf von Oliver Kern. Ich selbst habe gar keine Großplakate.“

Mit der Zerstörung des Duda-Kopfes habe er aber nichts zu tun. „Wer mich kennt, weiß genau: Auf dieses Niveau lasse ich mich nicht herab.“ Außerdem seien seine Plakate ebenso schon zerstört worden wie die anderer Parteien, zum Beispiel die von AfD-Mann Guido Reil auf der Zweigertbrücke.

FC-Vorstand genehmigte Werbevideo

Ihn mache allerdings misstrauisch, dass Stephan Duda die Attacke auf sein Porträt nachts um 1.13 Uhr auf Facebook gepostet hat: „Da muss man sich fragen, ob es wirklich von anderen herausgeschnitten wurde...“

In diesen Karnaper Kleinkrieg mischt sich nun auch noch der Fußballverein des Stadtteils ein. In einem Video auf Facebook betont der 1. Vorsitzende des FC Karnap Wolfgang Jokschies, wie segensreich sein Vorstandskollege Michael Schwamborn für den Stadtteil und den Verein im Einsatz gewesen sei. Zum Beispiel sei der neue Unterstand auf dem Sportplatz erst aufgestellt worden, als Stephan Duda nicht mehr Vorsitzender war. „Unabhängig vom Wahlkampf hat Michael Schwamborn viel für uns gemacht, auch als er noch im EBB war. Das wollte ich mal sagen“, so Wolfgang Jokschies. Für die indirekte Wahlkampfhilfe zugunsten des SPD-Kandidaten habe er sich ausdrücklich die Zustimmung aller seiner Vorstandskollegen eingeholt.

Die Folgen hat der 1. Vorsitzende zu spüren bekommen

Die Folgen hat der FC-Vorsitzende trotzdem zu spüren bekommen. „Auf Facebook gab es Anfeindungen.“ Außerdem sei Stephan Duda wegen des Videos aus dem Verein ausgetreten.

„Eigentlich sind wir nicht politisch,“ beteuert der Vorsitzende, andererseits habe der Verein klare Positionen. „Wir haben uns damals mit den Flüchtlingen solidarisch erklärt. Und türkische Fahnen haben wir bei uns auch verboten.“ Diese Entschlossenheit habe auch Guido Reil zu spüren bekommen. „Als er noch in der SPD war, war er Mitglied im Verein. Aber als er zur AfD ging, haben wir ihn postwendend entfernt. Das ist menschlich. Wir konnten ihn nicht leiden.“

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