Kolpingsfamilie Altenessen

Kolpingsfamilie St. Johann in Altenessen besteht 150 Jahre

Gruppenbild mit Kolping-Büste, v.l. Wolfgang Runkel, Maria Werder, Georg Wolf, Bertram Heil und Harald Ochs vom Vorstand der Kolpingsfamilie St. Johann Altenessen.

Gruppenbild mit Kolping-Büste, v.l. Wolfgang Runkel, Maria Werder, Georg Wolf, Bertram Heil und Harald Ochs vom Vorstand der Kolpingsfamilie St. Johann Altenessen.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Altenessen.  Adolph Kolping gründete 1849 in Köln den katholischen Gesellenverein. Die Kolpingsfamilie St. Johann in Altenessen ist nur 20 Jahre jünger.

Die Büste von Adolph Kolping hat einen Ehrenplatz an der Kopfseite des Versammlungsraumes im Kolpinghaus Altenessen. Eingerahmt wird sie von zwei sichtlich alten Bannern. Das Haus, gebaut 1909, und der „Katholischen Gesellenverein zu Altenessen St. Johann“, die heutige Kolpingsfamilie, sind untrennbar miteinander verbunden, wobei die Kolpingsfamilie noch 40 Jahre mehr auf dem Buckel hat. Gegründet wurde sie vor 150 Jahren von Wilhelm Weber, dem damaligen Schulrektor und späteren Pfarrer der Gemeinde.

Adolph Kolpings Ansinnen war es, den Handwerksgesellen einen Ort der Zuflucht und Geborgenheit, aber auch einen Ort des Lernens und der Fortbildung zu schaffen. Und es ging ihm um die Gemeinschaft. „Es ist auch heute noch ein schönes Gefühl, bei Großveranstaltungen die Menge in schwarz-orange zu sehen“, sagt Maria Werder, die zweite Vorsitzende der Kolpingsfamilie und seit gut vier Jahrzehnten dabei. Die Farben Schwarz und Orange stehen für Lebensernst und Lebensfreude.

Kolpingsfamilie – das war lange Zeit im wahrsten Sinne des Wortes Familiensache. Mit Kind und Kegel wurden Ausflüge, Radtouren, Besichtigungen, Wochenendfahrten unternommen. Vor allen Dingen jüngere Menschen hätten – so Vorstandsmitglied Wolfgang Runkel – heutzutage nicht mehr soviel Zeit. Andererseits wollen sie sich auch nicht verpflichtet fühlen. „Papa, was ihr macht, können wir auch alleine machen, bekommt man dann zu hören“, sagt Wolfgang Runkel.

Kolpingchor löste sich vor zwei Jahren auf

Für die etwa 70 Mitglieder ist die Gesellschaft, das Miteinander, immer noch ein Wert an sich. „Kolping begleitet mich ein Leben lang“, sagt Maria Werder. Dass das Durchschnittsalter deutlich über 65 Jahren liegt, überrascht die Vorstandsriege dennoch nicht. Dass der beliebte Kolpingchor von St. Johann, der in diesem Jahr auch auf 150 Jahre hätte zurückblicken können, sich vor zwei Jahren auflöste, bedauern die Kolpingsschwestern und -brüder sehr. Die Zahl der Sänger hatte die Schmerzgrenze unterschritten. Und auch auf die Oldie-Nächte früherer Jahre blicken sie mit einer gehörigen Portion Wehmut zurück. „Da kamen 250 bis 280 Menschen zusammen, die oft bis in den frühen Morgen tanzten und feierten“, erinnert sich der Vorsitzende Georg Wolf. Der Reinerlös ging stets an Kindergärten oder die Klinik-Clowns. Vor zwei Jahren stieg die zwölfte und letzte Party. Es fehlt an Ehrenamtlichen, die sie organisieren.

Im Laufe von 150 Jahren hat sich die Kolpingfamilie geöffnet. Katholisch zu sein, ist längst keine Bedingung für eine Mitgliedschaft mehr. Den Menschen im Sinne Adolph Kolpings Lebenshilfe anzubieten, gehört aber weiterhin zu den Aufgaben. Bei den monatlichen, öffentlichen Versammlungen kommen viele Themen zur Sprache. Um die Angebote wahrnehmen zu können, muss man nicht Mitglied der Kolpingsfamilie sein. So kommen seit mehr als zehn Jahren Arbeitssuchende Woche für Woche ins „Cafe TiK“ (Treffpunkt im Kolpinghaus). Die Kolpingsfamilie hat ein paar Computer besorgt, mit denen nach offenen Stellen gesucht werden kann. Zwei, drei Ehrenamtliche versorgen die Arbeitsuchenden mit einem kleinen Frühstück zum Selbstkostenpreis.

Die Kolpingsfamilie bleibt beim Thema Marienshospital-Neubau neutral

Die Gemeinde St. Johann Baptist beschäftigt seit geraumer Zeit vor allen Dingen ein Thema: Der geplante Abriss der Kirche für den Neubau des Marienhospitals. „Als Kolpingsfamilie sind wir neutral. Das heißt nicht, dass sich nicht jedes Mitglied eine Meinung bilden und haben kann. Und die sind durchaus unterschiedlich“, erklärt Georg Wolf.

Bei allen Nachwuchssorgen geht die Kolpingsfamilie St. Johann die Zukunft mit einem Augenzwinkern an. In der Pfingstausgabe 2019 des Pfarrhefts „Quadrat“ ist zu lesen: Trotz des schwieriger werdenden Umfelds wollen wir weiter versuchen, die Gedanken und Vorstellungen von Adolph Kolping umzusetzen und in die Zukunft zu transferieren. Ob uns das gelingt? Dazu werden wir nach weiteren 150 Jahren wieder berichten.

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