KGV Emschertal

Kleingärtner fördern mit Wildblumen die Artenvielfalt

Blumenfreunde: Bezirksbürgermeister Hans-Willi Zwiehoff, Klaus Rehberg (Stadtverband), Roger Kummerhofe, Julia Kahle-Hausmann, Marita Kummerhofe (alle KGV Emschertal), Biologe Hubertus Ahlers und Gerd Flocke (Stadtverband, v.l.) an der Wildblumenwiese in Altenessen.

Blumenfreunde: Bezirksbürgermeister Hans-Willi Zwiehoff, Klaus Rehberg (Stadtverband), Roger Kummerhofe, Julia Kahle-Hausmann, Marita Kummerhofe (alle KGV Emschertal), Biologe Hubertus Ahlers und Gerd Flocke (Stadtverband, v.l.) an der Wildblumenwiese in Altenessen.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Altenessen.  Artenvielfalt ist ein großes Thema. Wo, wenn nicht in Kleingärten, kann sie gefördert werden. Das meint auch der Stadtverband Essen.

Die Anlage des Kleingartenvereins Emschertal an der Gewerkenstraße liegt ein wenig versteckt. Wenn man den Parkplatz und Eingang gefunden hat, unterscheidet sich die Anlage auf den ersten Blick nicht von vielen anderen in der Stadt. Rechts das Vereinsheim. Zwei asphaltierte Wege führen vorbei an schmucken Lauben, gestutzten Hecken und kurz gemähtem Rasen auf den Seitenstreifen in den hinteren Bereich. Deutsche Gründlichkeit, die man reflexartig mit deutschen Kleingärten verbindet. Keine hundert Meter weiter scheint diese Ordnung außer Kraft gesetzt zu sein.

Roter Klatschmohn und weiße Schafgarbe

Auf einer Fläche von rund 500 Quadratmetern wachsen Wildblumen. Teilweise hüfthoch und völlig verschont von Gartenscheren. Roter Klatschmohn, weiße Schafgarbe, blaue Kornblumen, rosa Lichtnelken und gelbe Färberkamille.

Bewusstsein für Nachhaltigkeit soll gestärkt werden

Die Blumensaat hat der Biologe Hubertus Ahlers von der Bonnekamp-Stiftung ausgestreut. Die üppig wachsenden und blühenden Wildblumen gehören zu einem langfristigen Projekt des Stadtverbands der Kleingärtner zur Stärkung der Artenvielfalt. „Nach dem Grünen-Hauptstadt-Jahr wurden grüne Aspekte nicht mehr so viel berücksichtigt. Auf der Suche nach einem nachhaltigen Programm haben wir beschlossen, Kleingärten bei der Anlage von Wildblumenwiesen zu unterstützen“, erklärt Klaus Wiemer vom Vorstand des Stadtverbandes. Bis Ende 2019 sollen etwa 13.000 Quadratmeter in 17 Essener Kleingartenanlagen in Wildblumenwiesen umgewandelt sein. Das Bewusstsein der Gärtner für Nachhaltigkeit soll gestärkt werden. „Dafür tragen wir als Dachverband Verantwortung“, betont Klaus Wiemer.

Lebensraum für zahlreiche Insekten

Naturschützer sagen, der Mensch solle sich raushalten“, erklärt der Biologe Hubertus Ahlers. „Den wenigsten Menschen ist bewusst, dass das Eingreifen des Menschen zum Artenschutz beiträgt.“ Würde der Mensch sich gänzlich heraushalten, „würde nach einer gewissen Zeit die Rotbuche überall dominieren“, sagt Hubertus Ahlers. Die Wildblumenwiesen hingegen böten vielen Insekten einen Lebensraum. Auch Wildbienen (nicht zu verwechseln mit Honigbienen der Imker), von denen es immer weniger Arten gibt, würden davon profitieren. „So eine Wildblumenwiese ist für die Wildbienen aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, räumt der Biologe ein. Es gehe allgemein um Artenvielfalt und mehr Lebensraum für Insekten wie beispielsweise Schmetterlinge.

Hier und da muss Überzeugungsarbeit geleistet werden

Die zurzeit 98 Emschertal-Pächter waren nicht alle gleich Feuer und Flamme. „Es gab schon Widerspruch“, sagt der Vereinsvorsitzende Roger Kummerhofe. Da musste und müsse hier und da noch Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Ein möglicher Grund: Im Eingangsbereich der Kleingartenanlage wurde gleichzeitig dieselbe Wildblumenmischung wie im oberen Bereich ausgesät. Von üppiger Blütenpracht keine Spur. Sieht eher aus wie gewollt und nicht gekonnt, was Kritiker auf den Plan rief. „Der Untergrund ist offenbar sehr wasserdurchlässig. Da werden wir Sandrasen und schließlich auch wieder Wildblumen säen“, verspricht Hubertus Ahlers.

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