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Katernberger ist Geflügelzüchter mit Leib und Seele

Frank Sternberg, Vorsitzender des Geflügelzuchtvereins „Edelzucht“ Katernberg-Beisen 1926.

Frank Sternberg, Vorsitzender des Geflügelzuchtvereins „Edelzucht“ Katernberg-Beisen 1926.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Katernberg.   Frank Sternberg züchtet seit seinem siebten Lebensjahr Geflügel. Seit 30 Jahren ist er zudem Vorsitzender des GZV „Edelzucht“ Katernberg-Beisen.

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Ständiges leises Gegacker, nur unterbrochen durch markerschütterndes Hähnekrähen, erfüllt die Halle, in der die 30 Mitglieder des Geflügelzuchtverein „Edelzucht“ Katernberg-Beisen 1926 ihre Vereinsmeister ermitteln. Die Kopfenden der Käfigreihen sind mit Stroh, Gräsern und hier und da eineinhalb Meter Jägerzaun dekoriert. In den Käfigen scharren etwa 150 Exemplare unterschiedlichsten Federviehs.

„Zu unserem 75-Jährigen waren es noch 600 Tiere“, sagt Frank Sternberg mit einem Hauch von Wehmut. Der 51-Jährige, hauptberuflich Elektriker im Museum Folkwang, ist Vorsitzender des Vereins – und das seit 30 Jahren.

1500 Euro für Futter und Impfungen

Früh erwachte in ihm das Interesse für das Federvieh. Die Familie selbst hatte keine Hühner, aber der Nachbar. „Und als ich dann mehr im Stall des Nachbarn war als zuhause, entschied mein Opa: Nun bekommst du eigene“, erinnert sich der gebürtige Katernberger. Mit sieben Jahren tritt er dem GZV „Edelzucht“ bei. Und bleibt bis heute mit Leib und Seele dabei. „Es ist das Interesse am und die Liebe zum Tier“, sagt Sternberg. Das muss es auch schon sein, denn das Hobby ist nicht billig und kostet zudem auch recht viel Zeit. „Ich kann nur von mir ausgehen. Etwa 1500 Euro kosten Futter, Impfungen und so weiter pro Jahr. Drei bis vier Stunden täglich erfordern Stallreinigung und Pflege.“ Allein ist das nicht zu schaffen. Geflügelzucht ist Familiensache. Ehefrau, Sohn und Mutter packen mit an.

Weiße, schwarze oder graue Seidenhühner

Daheim in Katernberg hat die Familie etwa 100 Tiere. Der unverkennbare Schwerpunkt der Zucht liegt auf Seidenhühnern. Große und kleine. Weiß, schwarz oder grau. Alle haben bläulich-schwarze Gesichter und Haut. Gemein ist allen auch das wuschelige Federkleid, das aussieht, als seien die Tiere gewaschen und danach zu lange geschleudert worden. „Das liegt daran, dass den Seidenhühnern ein Gen fehlt. Dadurch sind die Federn in der Mitte gespalten und es entsteht dieses typische Federkleid.“

Dreireihiger Erbsenkamm oder Walnuskamm

Schnell wird klar: Geflügelzucht ist mehr als ein paar Futterkörner zu verstreuen, Wassernäpfe zu füllen und einmal am Tag die Stalltür zu öffnen und zu schließen. „Für den, der sich ernsthaft damit beschäftigt, ist ein Standardwerk zum Nachschlagen unerlässlich.“ Begriffe wie dreireihiger Erbsenkamm oder Walnuskamm mit Querfalte sollten geläufig sein. Und auch unterschiedliche Füße wie Belatschung, Bestrumpfung oder Befiederung sollten keine böhmischen Dörfer sein. Erst recht für Frank Sternberg, der nicht nur Züchter ist, sondern auch Preisrichter. Und das bedarf eines entsprechenden Wissens und eines guten Auges.

Moderne englische Zwergkämpfer

Gesundes Halbwissen („Hähne haben einen Kamm, Hennen nicht“) korrigiert der Experte umgehend. Hennen hätten auch einen Kamm, der aber oft so klein sei, dass man ihn nur bei genauem Hinsehen erkennen würde. Nur ein Merkmal. Wie soll ein Laie, für den alle Tiere einer Rasse gleich aussehen, die Einzigartigkeit eines „modernen englischen Zwergkämpfers“, eines Bielefelder Kennhuhns oder eines goldfarbigen Italieners erkennen?

Die Pokale bei Meisterschaften haben nur einen ideellen Wert. Sie sind Lohn für den Zuchterfolg. Und auch durch den gelegentlichen Verkauf eines Zuchttieres wird man im Vergleich zu Taubenzüchtern nicht reich. „50 bis 100 Euro – und dann muss es schon ein tolles Tier sein.“

Sternbergs Hühner dienen der Zucht, sorgen aber auch dafür, dass es auf dem Frühstückstisch am Sonntag nie an Eiern mangelt („Mehr Bio geht nicht“). Bei guter Pflege, und die bekommen die Tiere, können sie durchaus über zehn Jahre alt werden. „Wenn ich mal ein Tier abgebe, ist es mir am liebsten, wenn es an einen anderen Züchter oder auf einen Bauernhof geht“, sagt der 51-Jährige.

Und falls nicht? Dann wird ein Seidenhuhn auch schon mal zum Suppenhuhn.

>>> Monatstreffen im „Alt Schonnebecker Hof“

Erwachsene Mitglieder des Geflügelzuchtvereins „Edelzucht“ Katernberg-Beisen zahlen 3 Euro Monatsbeitrag, Jugendliche die Hälfte. Es findet einmal im Monat eine Versammlung statt im Restaurant „Alt Schonnebecker Hof “, Saatbruchstraße 46, Tel. 57 28 56.

Kontakt: www.gzv-edelzucht-ktbg-beisen.de.

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