Jugendzentrum

Jugendzentrum Essen-Schonnebeck hofft auf Hilfe der Stadt

Seit 30 Jahre beherbergt das Gebäude an der Saatbruchstraße das Kinder- und Jugendzentrum des Kreisjugendwerks der Awo Essen. Bald soll es abgerissen und neu gebaut werden.

Seit 30 Jahre beherbergt das Gebäude an der Saatbruchstraße das Kinder- und Jugendzentrum des Kreisjugendwerks der Awo Essen. Bald soll es abgerissen und neu gebaut werden.

Foto: Michael Korte

Essen-Schonnebeck.  Das Kinder- und Jugendzentrum ist für viele junge Menschen ein wichtiger Zufluchtsort. Doch es fehlt an Unterstützung seitens der Stadt.

Anlaufstelle, geschützter Raum und Treffpunkt: Für viele junge Menschen aus Schonnebeck ist das vom Kreisjugendwerk der Awo Essen getragene Kinder- und Jugendzentrum eine Art zweites Zuhause. Seit rund 30 Jahren bietet das ehemalige Schulgebäude an der Saatbruchstraße jungen Menschen zwischen sechs und 18 Jahren einen Zufluchtsort. Die Mitarbeiter wünschen sich mehr Unterstützung von der Stadt.

Kaputte Fenster, verstopfte Rohre und Räumlichkeiten, die offensichtlich die besten Zeiten hinter sich haben. „Wir müssen eigentlich wöchentlich etwas reparieren oder instandsetzen“, seufzt Axel Hamann, pädagogischer Mitarbeiter des Kinder- und Jugendzentrums. Zwar helfe die Stadt in solchen Fällen, wenn es aber ständig eine neue Baustelle gebe, sei das ein schwacher Trost.

Für einen Neubau gibt es bisher kein grünes Licht

Bereits seit 2017 steht der Plan, das Zentrum abzureißen und neu zu bauen. Aldi plant dort eine neue Filiale zu eröffnen, ein neues Kinder- und Jugendzentrum mit Spielplatz und Sporthalle sollen auf dem selben Areal entstehen. Der Discounter übernimmt die Finanzierung. Grünes Licht für den Neubau gibt es jedoch immer noch nicht.

Obwohl die Baugenehmigung noch fehlt, zeigt sich Aldi zuversichtlich, dass der Bau bald losgehen kann: „Wir erwarten eine kurzfristige Entscheidung, so dass die Bauarbeiten noch in diesem Jahr, spätestens aber Anfang 2020 beginnen können“, so Pressesprecher Christian Salmen. Bis es soweit ist, hängt das Kinder- und Jugendzentrum jedoch weiterhin in der Luft.

Projektgelder müssen beim Landschaftsverband Rheinland beantragt werden

Auch was die Finanzierung des täglichen Betriebs durch die Stadt angeht, gibt es aus Sicht der Mitarbeiter Verbesserungsbedarf. „Wir sind definitiv unterfinanziert“, sagt Marina Mirau, Leiterin des Hauses. Viele der Kinder und Jugendlichen kommen aus Familien mit schwierigen sozioökonomischen Bedingungen. Ihnen will das Zentrum Dinge ermöglichen, die ihre Eltern finanziell nicht stemmen können: zum Beispiel einen Ausflug in den Movie Park oder ins Aqualand – oder einfach eine Runde „Fifa“ an der Playstation.

Um solche Angebote, Veranstaltungen und Ausflüge umsetzen zu können, müssen häufig Projektgelder beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) beantragt werden. Das bedeutet viel Bürokratie. „Diese Zeit fehlt uns bei der pädagogischen Arbeit“, so Mirau. „Beispielsweise wenn es darum geht, für ein Kind gemeinsam mit dem Jugendamt eine individuelle Problemlösung zu finden.“ Außerdem hätten die Pädagogen gerne mehr Zeit, um nach draußen zu gehen und noch präsenter im Viertel zu sein.

Ein geschützter Raum für Jugendliche, um sich auszutauschen

Dabei ist die Arbeit des Zentrums für viele wichtig: „Zahlreiche Kinder und Jugendliche, die zu uns kommen, leben in beengten Verhältnissen und haben zum Beispiel kein eigenes Zimmer“, erzählt Mirau. Im offenen Bereich des Kinder- und Jugendzentrum können sie zwischen 13 und 19 Uhr kommen und gehen, wie sie wollen, haben Raum, um sich mit Freunden zu treffen, Tischtennis, Billard und Gesellschaftsspiele zu spielen, zu basteln, den Fitness- oder den Band-Probenraum zu nutzen. Gerade für die Teenager eine unersetzliche Möglichkeit: „Ansonsten würden sie wahrscheinlich klassisch auf irgendeinem Platz oder an der Bushaltestelle abhängen“, vermutet Mirau.

In den pädagogisch begleiteten Mädchen- und Jungengruppen haben Jugendliche aus dem Stadtteil derweil die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen über Dinge zu sprechen, die sie bewegen: „Das können persönliche Interessen sein, aber auch Religion, Politik, Gesellschaft oder pubertäre Probleme“, sagt Hamann.

90 Prozent der Jugendlichen haben einen Migrationshintergrund

Bei alldem leisten die vier hauptamtlichen Mitarbeiter und acht studentischen Aushilfen einen großen Beitrag zur interkulturellen Kommunikation: 90 Prozent der jungen Menschen haben einen Migrationshintergrund, die meisten von ihnen kommen aus dem Libanon, der Türkei, Rumänen.

„Vor allem viele libanesische Familien leben in Schonnebeck und sind eng mit dem Zentrum verbunden, ihre Kinder kommen teilweise schon seit mehreren Generationen“, sagt Mirau. Aber auch die seit 2015 geflüchteten Kinder finden im Kinder- und Jugendzentrum einen Ort, an dem sie sich sicher fühlten und Kontakte knüpfen könnten.

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