Werkstadt Katernberg

In der Werkstadt hilft Kunst den Katernbergern im Alltag

Werkstadt-Leiter Benjamin Melzer mit dem Genehmigungswerkzeug.

Werkstadt-Leiter Benjamin Melzer mit dem Genehmigungswerkzeug.

Foto: Socrates Tassos

Katernberg.   Pact Zollverein hat in der „Werkstadt“ sozusagen eine Zweigstelle. Den Katernbergern wird dort auch bei Anträgen an die Stadt geholfen.

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Kunst und Bürokratie sind zwei Felder, denen man nicht gerade eine enge Beziehung zuschreibt. In der Werkstadt von Pact Zollverein an der Viktoriastraße 5 ist das beim Projekt mit dem etwas sperrigen Namen „Genehmigungswerkstatt“ aber so. Die Kunst hilft Bürgern beim Ausfüllen von Anträgen an die Stadt.

Vorgehen der Verwaltung transparent machen

Rückblick: Beim Forschungsfestival auf Zollverein im Mai und Juni 2018 entstand das Projekt „Playful Commons“ – frei übersetzt: spielerische Gemeingüter. Die Urbanistin Jennifer Aksu aus Essen – Urbanisten verbessern das Zusammenleben der Menschen vor Ort – die israelische Kuratorin Gilly Karjevsky und der Spiele-Entwickler Sebastian Quack aus Berlin beschäftigten sich mit der Lizenzierung und der spielerischen Nutzung von städtischen Freiräumen.


Neben der Verwirklichung von kreativen „Sondernutzungen“ ging es darum, Verantwortungsbereiche und Vorgehensweisen von Verwaltungen im öffentlichen Raum verständlich zu machen. Das Ergebnis war die Genehmigungswerkstatt. Diese wird nach der Abreise der Künstler von Werkstadtleiter Benjamin Melzer geleitet.

Punkte auf der Checkliste abhaken

„Die Frage ist, wie die öffentlichen Flächen genutzt werden“, sagt der 38-jährige Sozialwissenschaftler. Bürger hätten oft Ideen, wüssten aber nicht, wie sie eine Umsetzung auf den Weg bringen können.

Und hier kommt die Genehmigungswerkstatt ins Spiel. „Die Katernberger kommen mit ihren Ideen zu uns. Danach füllen wir gemeinsam die Anträge aus“, erzählt Benjamin Melzer. Der 38-Jährige zieht die Schubladen des ausgedienten Autowerkstatt-Wagens auf und holt einen DIN A 4-Umschlag heraus, der bereits an das Amt für Straße und Verkehr adressiert ist. Darin befindet sich ein Antrag auf Sondernutzung – unter anderem müssen Zweck der Nutzung, benötigte Flächen und Zeitraum der Nutzung angegeben werden.

Standort wird in einer Skizze markiert

Außerdem muss der Standort in einer Skizze markiert werden. Im öffentlichen Raum gilt es zudem, Verkehrssicherung, Abstandsflächen oder Lärmschutz von Bedeutung zu berücksichtigen. Alle Anforderungen werden in einer Checkliste abgehakt.

„Wir warten aber nicht nur in der Werkstadt auf Antragsteller, wir fragen die Menschen in Katernberg auch vor Ort“, betont Benjamin Melzer. Menschen wünschten sich zum Beispiel eine Sitzgruppe für den Katernberger Markt, um die Aufenthaltsqualität zu steigern. Der Antrag läuft. Ein Altenpflegeheim in der Nähe der Werkstadt habe man auch besucht. Es gibt Ideen, den Außenbereich für die Bewohner nutzbar zu machen.

Werkstadt ist das Fenster nach draußen

Dass die Werkstadt nicht auf dem Stammsitz von Pact Zollverein eröffnet wurde, ist für Benjamin Melzer nur logisch: „Sie ist das Fenster nach draußen.“ Soll heißen: Hier komme man mit vielen Menschen in Kontakt, die nicht an Veranstaltungen auf Zollverein teilnehmen würden. Die Katernberger seien anfangs skeptisch gewesen, so Melzer. Allmählich werde man aber anerkannt.

Um die 15 Anträge seien momentan wohl im Umlauf. Der erste Antrag, der mit einem positiven Entscheid zurückkam, war übrigens einer in eigener Sache: Die Bank auf dem Gehweg an der Werkstadt ist genehmigt worden

>>> Öffnungszeiten der Werkstadt

Die Werkstadt in der Viktoriastraße 5, in der ehemaligen Viktoria-Apotheke, hat dienstags bis donnerstags jeweils von 12 bis 16 Uhr und freitags von 12 bis 17 Uhr geöffnet.

Termine nach Vereinbarung sind jederzeit möglich. Kontakt: werkstadt@pact-zollverein.de

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