Baumfällungen

Hitzige Debatte zum Thema Bäume im Altenessener Park

Norbert Bösken (rechts), von Grün und Gruga, zeigt Bewohnern aus Altenessen beim Stadtspaziergang die Bodenerde im Kaiser-Wilhelm-Park.

Norbert Bösken (rechts), von Grün und Gruga, zeigt Bewohnern aus Altenessen beim Stadtspaziergang die Bodenerde im Kaiser-Wilhelm-Park.

Foto: Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Essen-Altenessen.  Spaziergang der Reihe „Bäume im Park“ entwickelt sich im Kaiser-Wilhelm-Park zur emotionalen Diskussion rund um Baumfällungen im Stadtgebiet.

Stadtspaziergang im Kaiser-Wilhelm-Park wird zur hitzigen Diskussionsrunde: Eigentlich wollte die Stadt Essen beim vierten Stadtspaziergang über die Sturmschäden und die Umgestaltung der Parkanlage informieren. Die Teilnehmer interessierte aber viel mehr die Frage, wie man als Bürger Einfluss auf die Erhaltung alter Baumbestände nehmen könne. Sie kritisierten zu viele Fällungen.

Leichter Tau lag noch auf den Wiesen, der morgendliche Nebel umhüllte die Bäume, die Sonne strahlte schon. Eigentlich das perfekte Wetter für einen gemütlichen Stadtspaziergang durch den Kaiser-Wilhelm-Park in Altenessen. Dieser war von dem kommunalen Leuchtturmprojekt „Baum-Adapt“ innerhalb der Themenreihe „Bäume in der Stadt“ angeboten worden, bei dem die Stadt Essen mit der Technischen Universität Dortmund Empfehlungen für den Stadtbaumbestand entwickelt. Geplant war, beim Spaziergang über die Sturmschäden im Kaiser-Wilhelm-Park und dessen Umgestaltung zu berichten – stattdessen wurde hauptsächlich diskutiert und kritisiert.

Eineinhalb Stunden ging es um die Kritik an Baumfällungen

„Insgesamt ist die Dauer des Rundgangs auf etwa 90 Minuten angesetzt, wobei grundsätzlich die Möglichkeit besteht, über die angesprochenen Themen und darüber hinaus zu diskutieren oder Fragen zu stellen“, hieß es in der Einladung. Diesen Schlusssatz nahmen die Teilnehmer offenbar sehr wörtlich. Denn bevor Julia Dingendahl von Baum-Adapt überhaupt auf die eigentliche Thematik eingehen konnte, wurde erst einmal knapp eineinhalb Stunden diskutiert: „Wieso werden so viele alte Bäume gefällt?“, erkundigte sich Teilnehmerin Roswitha Krause aus der Margarethenhöhe mehrmals. Sie setzt sich bereits seit geraumer Zeit für Bäume ein und wollte gar einst die Stadt verklagen.

Die Frage stellte allerdings auch Peter Kayser aus Stoppenberg und fügte hinzu: „Ich habe das Gefühl, dass viel zu viele Bäume gefällt werden und will wissen, wieso.“ Und eine andere Teilnehmerin, die ihren Namen nicht nennen mochte, fragte vorwurfsvoll: „Wieso gibt es keine Workshops, in denen Bürger mit den Verantwortlichen in den Dialog treten und ihre Vorschläge äußern können? Wir haben gar kein Mitspracherecht, das geht so nicht.“

Es geht um die Pflege alter Bäume und die Pflanzung neuer Bäume

Fragen, bei denen die Projektbeteiligten darauf verwiesen, dass es diverse Veranstaltungen gegeben habe, an denen sich Bürger beteiligen konnten. Außerdem der deutliche Hinweis, dass sich das Projekt Baum Adapt genau mit dem Thema rundum die Erhaltung des Baumbestandes auseinandersetze und sich darum kümmere, dass alte Bäume gepflegt und neue Bäume gepflanzt würden.

„Da sind wir doch einer Meinung“, antwortete Norbert Bösken von Grün und Gruga aus dem Fachbereich Wald und Baum erstaunt. „Wir tun doch alles dafür, alte Bäume so lange wie möglich zu erhalten. Aber gerade die Pflege der stark geschädigten Bäume durch den Ela-Sturm wird auch in den nächsten Jahren noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Viele faule Äste müssen baumartenspezifisch abgeschnitten werden, dafür braucht es geschultes Personal. Und einige Bäume kann man leider nicht retten.“

Sturmschäden als Chance für Neugestaltung der Parkanlage

Irgendwann gelangt die Gruppe dann aber doch zum eigentlichen Thema: Stürme und der Stadtbaum. „Der Kaiser-Wilhelm-Park gehörte nach dem Sturm Ela zu einer der am stärksten geschädigten Grünflachen“, erklärte Julia Dingendahl. Von ehemals 376 Bäumen mussten circa 25 Prozent gefällt werden und weitere 25 Prozent wurden leicht bis stark geschädigt. „Doch diese Tatsache wollten wir als Chance begreifen, den Park neu zu gestalten. Denn trotz der Sturmschäden bietet er eine große Artenvielfalt und schöne Einzelexemplare an Bäumen.“

Geplant sei unter anderem, neue Alleen und Baumreihen entstehen zu lassen, um den Park neu zu strukturieren. Dabei wolle man sich sich sowohl am alten Baumbestand wie dem Gingko oder der Zierkirsche orientieren, aber auch an neuen Bäumen, die den heutigen klimatischen Anforderungen gerecht werden. Zudem solle der Teich durch eine ufertypische Bepflanzung aufgewertet werden und Frühblüher wie Narzissen oder Tulpen sollen für mehr Farbe sorgen, gelang ihr zum Abschluss der Blick nach vorn.

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