Großenbruchschule

Großenbruchschule in Altenessen gleicht einer Baustelle

Martina Adler und Denise Gereitzig von der Schulpflegschaft sammeln Unterschriften von Susanne Fritz und Daniela Hassan (vlnr.) wegen des maroden Zustands der Großenbruchschule.

Martina Adler und Denise Gereitzig von der Schulpflegschaft sammeln Unterschriften von Susanne Fritz und Daniela Hassan (vlnr.) wegen des maroden Zustands der Großenbruchschule.

Foto: Klaus Micke / FUNKE Foto Services

Essen-Altenessen.  Marode Fenster, Absperrungen und ein stillgelegter Spieleraum. Die Eltern der Großenbruchschule protestieren und sammeln Unterschriften.

An der Großenbruchschule in Altenessen wurde am vergangenen Freitag Schulfest gefeiert: Hüpfburg, Spielmobil und Kinderlachen. Den Eltern ist jedoch derzeit alles andere als zum Lachen zumute: In der Schule sieht es aus wie auf einer Baustelle: Die Stadt hat wegen maroder Fensterfronten in allen Stockwerken große Warnbaken aufgestellt und auch einen wichtigen Lehrraum geschlossen. Die Elternpflegschaft rief daher am vergangenen Freitag während des Schulfests zu einer Unterschriftensammlung auf, um auf die Zustände an der Schule aufmerksam zu machen und diese Liste der Bezirksvertretung V auf ihrer heutigen Sitzung zu präsentieren.

Martina Adler ist Vorsitzende der Schulpflegschaft und der Elternpflegschaft in Personalunion. Aber sie ist auch betroffene Mutter. Ihr Sohn René besucht die vierte Klasse in der Schule an der Großenbruchstraße; so wie es bereits ihre Tochter vier Jahre früher tat. Sie kennt also die Zustände an der Schule schon seit acht Jahren. Nun steht sie mit ihren Mitstreitern vor dem Schuleingang: „Unterschriften dürfen wir auf dem Schulgelände nicht sammeln, das ist uns nicht erlaubt“, sagt sie. Mit dem Ergebnis darf sie dennoch zufrieden sein: „Insgesamt 245 Eltern haben hier unterschrieben.“ Den Begleittext zur Sammlung hatte sie extra in Deutsch, Rumänisch und auch Arabisch verfasst, um möglichst viele Eltern anzusprechen.

Einige Fensterscheiben sind bereits gesprungen

nach den großen Ferien mit einigen anderen Eltern in die Schule kam, sei sie beinahe über die großen rot-weißen Absperrungen gestolpert. „Ich dachte erst an einen Wasserschaden oder ähnliches, doch dann habe ich erfahren, dass die Absperrungen wegen der maroden Fensterfronten Mitte der Ferien von der Stadt aufgebaut wurden.“ Die Fensterfronten aus den 1960er Jahren sind an vielen Stellen schadhaft, einige sind sogar gesprungen.

Die Baken, die man eher aus dem Straßenbau kennt, sind brandneu und dünsten daher stark aus. „Noch nach den Ferien roch es in den Fluren stark nach Weichmachern“, sagt Holger Hullermann (42), ein besorgter Vater. Doch dies ist noch das kleinste Problem: Die Baken wurden bewusst mit einem gewissen Abstand vor den Heizkörpern vor den Fensterfronten postiert. Dies soll verhindern, dass die neugierigen Kinder auf die frei stehende Heizung klettern und sich an den Glasscheiben zu schaffen machen. „Sollte eine Glasscheibe splittern, dies könnte auch durch eine Sturmböe passieren, fiele das Glas in eine Art Sicherheitskorridor“, erklärt Holger Hullermann.

Absperrungen vor den maroden Fensterfronten sind Stolperfallen für die Kinder

Doch die Sache hat einen Haken, denn nun stehen die Baken in den Fluren schlicht im Weg. „Die Zwischentüren lassen sich nun nicht mehr in Gänze öffnen und die ausladenden Beine der Baken sind echte Stolperfallen für die Kinder“, moniert Hullermann. „Ich wage gar nicht daran zu denken was passiert, wenn hier mal ein Feueralarm ausbrechen sollte.“

Doch damit nicht genug: Im gleichen Atemzug schloss die Stadt einen wichtigen Lehrraum in der ersten Etage. Das so genannte Spielezimmer. Auch dort ist das Fenster seit langem defekt. „Das Fenster lässt sich in einem unbeobachteten Moment leicht von den Kindern öffnen. Und die stehen dann vor einem in Bauchnabelhöhe ungesicherten Fenster, wo es von dort aus sechs Meter in die Tiefe geht. Mehrmals habe die Schulleitung, so sagt Martina Adler, die Mängel an dem Fenster der Stadt gemeldet und gebeten, ein Schloss anzubringen. „Doch passiert ist bislang nichts“, sagt Martina Adler.

Sperrung des Spielzimmers kostet die Grundschule einige Unterrichtsstunden

Die Sperrung des Spielezimmers hat jedoch noch einen anderen Grund. So erklärt die Stadt, dass es diesen Raum eigentlich gar nicht geben dürfte. Laut Immobilienwirtschaft dürfe der Raum gar nicht für den Offenen Ganztag genutzt werden, da er den baulichen Anforderungen dafür nicht entspricht. Deshalb müsse eine nachträgliche Genehmigung in Form einer Nutzungsänderung eingeholt werden. „Das wird gerade geprüft“, teilt Stadtsprecherin Jasmin Trilling mit.

Martina Adler versteht die Welt nicht mehr. „Dieses Spielzimmer gibt es schon seit mindestens acht Jahren, seit meine Kinder die Schule besuchen. Irgendjemand muss den Raum ja gebaut haben. Und das ist ganz sicher nicht ohne Wissen der Stadt geschehen.“ Zudem habe in diesem Raum nie der Offene Ganztag stattgefunden. Der wird im Erdgeschoss der Schule abgehalten.

Dennoch sei die Sperrung des Spielzimmers ein Schlag ins Kontor, geht dadurch doch wichtiger Lehrraum verloren. So wird der Raum von der Lerngruppe „Gemeinsames Lernen“, von der Lernförderung sowie für die EU-Projekte „Schulobst“ und „Schule, Migration und Teilhabe“ genutzt. An insgesamt 67 Stunden in der Woche, die Schulobst-Aktion noch nicht einmal eingerechnet. „Ein Teil des Unterrichts findet nun im Erdgeschoss statt, aber einige Inhalte entfallen derzeit ersatzlos“, sagt Martina Adler. Dies sei besonders gravierend für das aktuelle Pilot-Projekt für Inklusion, denn dafür müsse die Schule die Stunden nachweisen, will man nicht aus dem Projekt fallen. Zudem brauche die Lehrkraft einen Arbeitsplatz im Haus.“

Wann die Baken aus der Schule verschwinden, ist noch ungewiss

Wann die Stadt an der Großenbruchschule tätig werden wird, ist momentan noch völlig offen: So werde das Fenster im Spielezimmer erst dann repariert, wenn die nachträgliche Nutzungsgenehmigung vorliege, da damit weitere bauliche Veränderungen einhergingen.

Zudem veranschlagte die Immobilienwirtschaft insgesamt rund 200.000 Euro für die notwendigen Sanierungsmaßnahmen an der Schule. Geld, das bislang noch nicht im städtischen Haushalt eingeplant wurde und daher noch nicht zur Verfügung stehe. „Die Maßnahme wurde nun erfasst und ist fortan Teil der Gesamtliste von Baumaßnahmen, die abzuarbeiten sind“, erklärt Stadtsprecherin Jasmin Trilling.

Wie es mit den Baken in den Fluren weitergeht, auch dies lässt die Stadt offen. „Hier wird es perspektivisch eine baulich ansprechendere Lösung geben“, erklärt Jasmin Trilling, ohne dass dies auch auch nur entfernt einen Rückschluss auf einen konkreten Zeitraum zuließe.

Die Elternpflegschaft wollen sich damit nicht begnügen. Die fordern räumliche Alternativen: „Denkbar wären hier zwei Container, die auf der großen Wiese hinter dem Schulgebäude aufgestellt werden könnten“, sagt Martina Adler. Oder man könnte die Hausmeisterwohnung – diese steht seit drei Jahren leer – in Schulraum verwandeln. Doch dies setze einen Umbau plus Nutzungsänderung voraus, so Adler.

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