Nachbarschaftsprojekt

Essen-Schonnebeck: Das soziale Tee-Café erhält ein Auto

Mit Mustafa Mert und Laura Schöler (l.) von Mobilitea freuen sich Sozialdezernent Peter Renzel (3.v.l.), die Folkwangstudentinnen und die Mannschaft der Jugendberufshilfe über das neue Tee-Mobil.

Mit Mustafa Mert und Laura Schöler (l.) von Mobilitea freuen sich Sozialdezernent Peter Renzel (3.v.l.), die Folkwangstudentinnen und die Mannschaft der Jugendberufshilfe über das neue Tee-Mobil.

Foto: Madeleine Hesse / FUNKE Foto Services

Essen-Schonnebeck.  Vor zwei Jahren startete das Nachbarschaftsprojekt Mobilitea. Dank Spenden rollt im neuen Jahr ein kleiner Tee-Laster durch Schonnebeck.

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Tee trinken, dabei Gespräche führen und Kontakte knüpfen – die Idee, die hinter dem sozialen Projekt Mobilitea steckt, ist so simpel wie genial. In Katernberg vor zwei Jahren gestartet, ist das mobile Tee-Café inzwischen in Schonnebeck unterwegs. Und ab Februar 2020 nicht mehr mit dem grünen Fahrrad, sondern mit einem nagelneuen, komplett ausgebauten Tee-Laster.

Der steht noch in der Werkstatt der Jugendberufshilfe: Dort wird das neue Teemobil, ein Piaggio Porter, gerade von fünf jungen Männern unter der Leitung von Martin Brylka ausgebaut. „Die Pläne dafür haben zwei Industriedesign-Studentinnen der Folkwang Uni während eines Seminars gestaltet“, erzählt Laura Schöler, Initiatorin von Mobilitea.

Endlich gibt es genug Tische und Bänke im mobilen Tee-Café

Vorgesehen ist ein Aufbau auf der Ladefläche mit nach oben hin aufstellbaren Wänden, die gleichzeitig Sonnen- und Regenschutz bieten. Dazu wird eine Spüle mit Wassertank eingebaut, gibt es einen Gasherd und genug Stauraum für Tische und Bänke – multifunktionell und leicht aufzubauen. „Das Auto wird ein echter Hingucker“, schwärmt die Sozialdesignerin, die Anfang des Jahres für ihr Projekt den Verein „Viertelimpuls“ gegründet hat und seitdem auch hauptberuflich für Mobilitea arbeitet.

Angefangen hatte alles mit der Flüchtlingswelle 2016. „Damals habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich die Menschen und deren Integration unterstützen kann“, so Laura Schöler. Mit einem Drei-Gang-Rad und einem Anhänger fuhr sie durch Katernberg und brachte zwei Mal in der Woche mit der Teekultur auch ein Stück Heimat in die Fremde. Vorurteile abbauen, Nachbarschaften stärken und, wenn gewünscht, Hilfe anbieten oder vermitteln – schon nach kurzer Zeit war das niedrigschwellige, kostenlose Angebot, das in den ersten zwei Jahren von der evangelischen Kirche finanziert wurde, ein Erfolg.

Erfolgreiche Teilnahme an einer Ausschreibung des deutschen Integrationspreises

Die Katernberger, ob alteingesessen oder neu zugezogen, kamen nicht nur auf einen Minz- oder einen schwarzen Tee vorbei, „immer mehr machten auch ehrenamtlich mit“, so Schöler. So wie Mustafa Mert: Der Schonnebecker ist quasi seit Beginn mit Begeisterung dabei und inzwischen auch Vereinsmitglied. „In Katernberg ist mittlerweile unglaublich viel durch unsere Teestunden entstanden“, freut er sich: So gingen aus den Treffen zum Beispiel eine libanesische Frauengruppe und ein Mietertreff hervor. Also zog die Tee-Karawane weiter nach Schonnebeck. Und erfüllt sich nun den Traum, statt mit dem Rad mit einem eigenen Auto unterwegs zu sein.

Möglich macht das die erfolgreiche Teilnahme am deutschen Integrationspreis der Hertie-Stiftung, sowie die großzügige Unterstützung durch die Alfred-Krupp-und-Friedrich-Alfred-Krupp-Stiftung. „Mit knapp 19.000 Euro war der Integrationspreis dotiert und die Krupp-Stiftung finanziert die Anschaffung des Autos“, erklärt Schöler. Dass man mit der Jugendberufshilfe einen „sozialen“ Partner gewonnen habe, der den gemeinnützigen Verein mit seinem Fachwissen unterstütze und dabei auch noch Jugendliche ausbilde, sei ein weiterer Glücksfall.

So gut ausgerüstet, kann die immer größer werdende Tee-Mannschaft nun voller Elan ins neue Jahr starten. „Wir sind derzeit immer mittwochs von 14 bis 17 Uhr auf dem Karl-Meyer-Platz“, sagt Mustafa Mert. Aber geplant seien noch weitere Standorte. So soll das Tee-Mobil demnächst auch nach Altenessen rollen.

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