Hobby: Basteln

Ein Mann macht in Streichhölzern

Christian Morlock und sein Piratenschiff.

Christian Morlock und sein Piratenschiff.

Foto: Klaus Pollkläsener

Essen-Altenessen.   Vogelhäuschen, ein Wohnzimmertisch oder die Titanic: Christian Morlock bastelt so oft er kann. Seine Werke entstehen aus Streichhölzern.

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Im Zeitalter der Wegwerf-Feuerzeuge ist das Bild, dass ein Raucher die Hand schützend um ein Streichholz hüllt, um sich eine Zigarette anzuzünden, aus dem Alltag verschwunden. Braucht man heute überhaupt noch Streichhölzer? „Ja klar“ sagt Christian Morlock. Der 52-Jährige raucht nicht – nicht mehr –, und trotzdem verbraucht er Streichhölzer gleich in 1000er-Größen. Er bastelt Objekte aus den abgebrannten Hölzern.

Es zündete bei Christian Morlock, als er noch in der Heimstatt Engelbert für Menschen mit Lernschwierigkeiten wohnte. Dort bekam er 1995 eine Boulevard-Zeitung in die Hände, in der ein Artikel über einen Streichholz-Bastler zu lesen war. „Da habe ich mir gesagt, das kannst du besser“, erinnert sich Christian Morlock, der seit 2006 in Altenessen eine eigene Wohnung hat, in der er ambulant betreut wird.

Sein Hobby ist in der Wohnung allgegenwärtig

Sein Geduld forderndes Hobby ist in der Wohnung allgegenwärtig – neben seiner Begeisterung für Borussia Dortmund. In einem Zimmer steht ein Piratenschiff. 1,70 Meter lang, 1,20 Meter hoch. Im nächsten Zimmer, wo er die groben Arbeiten erledigt, steht ein Tisch, der mit Tausenden Hölzchen verkleidet ist. Damit das besser wirkt, dient eine schwere Glasscheibe als Tischplatte. „Manchmal haben die Objekte einen Holzkern, damit es stabiler ist“, erzählt Christian Morlock, der als Helfer in einer Autolackiererei arbeitet.

Das knifflige Aufkleben der Hölzer, das sicherlich viele zur Weißglut bringen kann, ist für Christian Morlock ein reines Vergnügen. „Mich beruhigt das Basteln“, sagt er. Ungeduld wäre auch Gift für das Basteln, dauert es doch bei den größeren Objekten Monate, bis aus der Idee das fertige Werk entstanden ist. Das Piratenschiff ging nach drei Monaten vom Stapel.

„Meine Titanic besteht aus 94 500 Streichhölzern“

Morlocks bisher größtes Werk ist die Titanic. 2,05 Meter lang. Bauzeit 18 Monate. „Meine Titanic besteht aus 94 500 Streichhölzern“, sagt Morlock nicht ohne Stolz. Jedes einzeln per Hand aufgeklebt. Präsentieren kann er sein Abbild des berühmten Luxusliners nicht. „Ich wollte es damals verkaufen, doch ich fand keinen Käufer“, erinnert er sich. Am Ende verschenkte er das Schiff. „Heute steht es in Polen in einem Garten“, erzählt er.

Verschenkt hat er auch die hölzerne Harley. Die bekam ein guter Bekannter zum Geburtstag, der eine „Echte“ in der Garage stehen hat. Verkaufen ist aber auch gar nicht sein Ziel. „Mir macht das Basteln einfach Spaß“, sagt er. Der Spaß geht oft so weit, dass er morgens früher aufsteht, um vor der Arbeit ein paar Hölzer zurechtzuschneiden oder zu kleben. „Eigentlich bin ich täglich dabei.“

Das Bastelmaterial wird beim Discounter gekauft

Sein Arbeitsmaterial bekommt der Altenessener bei einem Discounter, bei dem er vorzeitig Bescheid sagt, wenn ein größeres Objekt ansteht. Die Hölzer brennt Christian Morlock dann Schachtel für Schachtel in der Firma kontrolliert ab und nimmt sie danach mit nach Hause. Den Verschnitt, oftmals benötigt er nicht das ganze Holz, wirft er nicht weg. In einem Glasbehälter warten so Tausende kleiner bis kleinster Holzstücke, um verbaut zu werden.

„Irgendwann werde ich mir ein Bett basteln“

Christian Morlocks erstes Objekt war ein Lkw. Es folgten Krippen, Vogelhäuschen (die, außen lackiert, auf Balkonen auch den Praxistest bestanden haben), Motorräder und Schiffe. Die Motive sind vielfältig. Geschätzt über eine Million Hölzer hat er seit 1995 mit Holzleim aufgeklebt. Eine Harley will er noch mal basteln. Größer als die Erste. Und dann geht schon seit längerem eine andere Idee in seinem Kopf herum. „Irgendwann werde ich mir ein Bett basteln“, sagt Christian Morlock.

>>> Objekte mit geraden Linien sind einfacher

„Objekte mit geraden Linien sind einfacher zu basteln als welche mit Rundungen“, sagt Christian Morlock.

Ein Objekt drängt sich da für den Fan von Borussia Dortmund ja nahezu auf: Die „schwarz-gelbe Wand“ ließe sich mit Streichhölzern sicherlich gut darstellen.

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