Kriminalfall

Brandstiftung von 2012 in Katernberg gibt weiter Rätsel auf

Zweiter Großeinsatz: Am 26. Juni 2012, 15 Tage nach dem Brand nebenan, ging in der Straße Auf der Reihe auch die alte Gaststätte in Flammen auf.. Foto:Sebastian Konopka

Zweiter Großeinsatz: Am 26. Juni 2012, 15 Tage nach dem Brand nebenan, ging in der Straße Auf der Reihe auch die alte Gaststätte in Flammen auf.. Foto:Sebastian Konopka

Essen-Katernberg.   Die beiden Häuser in der Straße Auf der Reihe vergammeln. Der Fall, bei dem beinahe sieben Menschen ums Leben kamen, konnte nie geklärt werden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Das Feuer, bei dem am 11. Juni 2012, einem Montag, im Haus Auf der Reihe 77 in Katernberg um ein Haar ein Ehepaar und dessen fünf Kinder ums Leben kamen, gilt noch heute in Essener Polizeikreisen als einer der spektakulärsten ungeklärten Fälle der jüngsten Vergangenheit. Zumal 15 Tage später das unbewohnte Nachbarhaus, die ehemalige Gastwirtschaft Berlage und später dann der „Jägerhof“, ebenfalls in Flammen aufging.

In beiden Fällen geht die Polizei von Brandstiftung als Ursache aus und vermutete seinerzeit sogar einen „warmen Abriss“, wie der Volksmund die preiswerte Entsorgung abrissreifer Immobilien bezeichnet. Trotz ausgiebiger Recherche und monatelanger Ermittlungen, trotz Bewegtbildern aus einer Kamera, trotz breiter Berichterstattung und einer bundesweiten Fahndung über die von Millionen Fernsehzuschauern verfolgte ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY . . . ungelöst“ gelang es bislang jedoch nicht, den oder die Täter zu überführen. Was aber nicht heißt, dass der Fall damit zu den Akten gelegt wurde.

„Aktenzeichen XY . . . ungelöst“

Der damalige Leiter der Ermittlungskommission, Kriminalhauptkommissar Hans-Uwe Hatschek vom Kommissariat 11 (Tötungsdelikte, Brandermittlungen) der Essener Kripo, hofft auch über fünfeinhalb Jahre nach den Geschehnissen darauf, vielleicht doch noch die entscheidenden Hinweise zu erhalten, um das Rätsel zu lösen.

Was aber war passiert an jenem 11. Juni? Was man bisher weiß: In den frühen Morgenstunden betrat ein Unbekannter um kurz vor 5 Uhr das Haus Auf der Reihe 77 durch die nicht abgeschlossene Haustür, kurz darauf stand das Treppenhaus in Flammen. Der 36-jährige Bewohner, der schlichtweg nicht schlafen konnte in jener Nacht, wie er später bei der Polizei aussagte, bemerkte das Feuer, konnte seine Frau, seine fünf Kinder und auch sich selbst retten, indem alle durch ein Fenster der Erdgeschosswohnung entkamen. „Im letzten Moment“, wie die Ermittler später feststellten.

Eine Kamera, die ein Nachbar wohl installiert hatte, weil sein Auto in der Straße mehrfach demoliert worden sei, lieferte zwar einigermaßen gute Bilder des potenziellen Täters (Foto links), und auch eine Gruppe von drei Männern, die am 26. Juni ins Haus mit der Nummer 79 gingen, bevor das dann in Flammen aufging, konnte gefilmt werden. Hinweise, die jedoch letztlich nicht zu einer Festnahme führten.

Vergessen hat die Vorgänge in der Straße aber bis heute niemand, zumal die beiden Brandruinen seit jenen Tagen vor sich hingammeln und mehr und mehr verfallen. „Am liebsten würde ich alles verkaufen“, so Georg Bauer noch vor wenigen Tagen auf Anfrage. Bauer ist Geschäftsführer der Geba Unternehmensberatung GmbH, der die Häuser schon damals gehörten.

Besitzer stellt Abbruchantrag

Mitunter steht irgendwann aber auch ein Abriss an. Laut Stadt liegt für das Haus Nummer 79 jedenfalls ein Antrag auf Teilabbruch vor, das Dach des Hauses an der Straße und das des rückwärtigen Anbaus sollen zurückgebaut werden. Für das Haus mit der Nummer 77, in dem fast die Familie verbrannt wäre, liege ein Abbruchantrag für das komplette Gebäude vor.

„Die Anträge sind noch nicht genehmigungsfähig, da der statische Nachweis über die Standsicherheit verbleibender Gebäudeteile nicht vorliegt und auch der Abbruchunternehmer nach wie vor nicht benannt wurde“, teilte die Stadt weiterhin mit. Und: „Der Artenschutz bei solchen für Tiere zugänglichen baulichen Anlagen ist ebenfalls noch nicht geprüft worden, das Artenschutzgutachten ist durch den Bauherren zu beauftragen.“

>>WEHMÜTIGE ERINNERUNGEN

Die von der Stadt aus Sicherheitsgründen geforderte Absperrung des Gefahrenbereichs rund um die beiden Brandruinen auf der Straße Auf der Reihe sei durch den Eigentümer umgesetzt worden. Eine Überprüfung habe keinen Grund zu einer Beanstandung gegeben, „derzeit stehen Gespräche zur möglichen Nutzung des Areals an“, heißt es weiter.

Für Anwohner wie Christel Keichel oder Hadwiga Drüge eher ein schwacher Trost. Drüge (92), Witwe des lange vor Ort praktizierenden Hausarztes Dr. Theo Drüge, wohnt gegenüber. Die alte Dame mag kaum mehr aus dem Fenster schauen und erinnert sich mit Wehmut an Zeiten, „in denen die Straße noch was hermachte“. Und Christel Keichel (78), die seit 49 Jahren im Haus Nummer 75 direkt neben dem zuerst abgebrannten lebt, hat seit dem Feuer massive Probleme in ihrer Erdgeschosswohnung.

Da es zwischen den Häusern keine Brandmauer gab, habe es auch bei ihr Brand- und Löschschäden gegeben. Die seien zwar von Versicherungen reguliert worden, durch das von der Feuerwehr abgetragene Dach (Nr. 77) aber sei Wasser aufs Nebenhaus gelaufen. Die Folge: Schimmel, der bis heute nicht beseitigt wurde oder werden konnte, weil niemand für den Schaden haften wolle. „Ein Zimmer ist nicht mehr nutzbar, ich werde immer nur vertröstet“, ärgert sich die Frau. Wegzuziehen sei indes kein Thema. „Das ist doch meine Heimat hier.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik