Marienschule in Katernberg

Bei Marienschülern steht auch Bergbau im Stundenplan

Bergbauexperte Wilhelm Stein (Mitte), Britta Altenkamp und Klaus Johannknecht (r.) an einer Schalttafel im vermutlich  kleinsten Bergbau-Museum Essens in der Marienschule. Fotos:Klaus Micke

Bergbauexperte Wilhelm Stein (Mitte), Britta Altenkamp und Klaus Johannknecht (r.) an einer Schalttafel im vermutlich kleinsten Bergbau-Museum Essens in der Marienschule. Fotos:Klaus Micke

Essen-Katernberg.   Neben Mathe, Deutsch und Biologie steht bei Marienschülern auch Bergbau im Stundenplan. Das Projekt heißt: „Glück auf: für eine starke Jugend“.

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Tradition und Werte des Bergbaus erhalten will das Unterrichtsprojekt „Glück auf: für eine starke Jugend“. Es wurde nun in der Marienschule in Katernberg vorgestellt und wird vom Bezirksverband der Arbeiterwohlfahrt gefördert. Eine Wiederentdeckung ist das vielleicht kleinste Bergbau-Museum der Welt. Zu den Besuchern zählte Britta Altenkamp, SPD-Landtagsabgeordnete und zugleich Vorsitzende des Awo-Bezirks Niederrhein.

„Eine sehr gelungene Aktion“, lobte Harald Reinartz, Schulleiter der Katholischen Hauptschule mit Dependance in Steele. „Mehr Unterricht dieser Art wäre wünschenswert.“ Was für ihre Väter und Großväter oft noch Alltag war, haben die Katernberger Siebtklässler im Laufe der 2017 gestarteten, zwei wöchentlichen Projektstunden behandelt – Industriegeschichte der Region. Dazu gehörte auch die Mentalität der Reviermenschen: Mit Hammer und Schlägel eng verbunden sind Werte wie Solidarität, Toleranz und Vielfalt, da sind sich die Organisatoren sicher.

Gemeinsame Gestaltung der Zukunft nach Kohle-Aus

Auf Anregung der RAG-Stiftung, die helfen will, der jungen Generation ein Andenken an die Ära des schwarzen Goldes mitzugeben, und die auch das Geld gibt, hat der Awo-Kreisverband Essen ein Schul-Paket geschnürt. Bunt gemixt mit Museumsbesuch, Film- und Musikpräsentationen. „In inhaltlichen Blöcken erarbeiten die siebten Klassen den Alltag von gestern, heute und wie er morgen sein könnte“, erläutert Projektleiter Jens Fischer vom Awo-Jugendhilfenetzwerk. Dabei will man dem Nachwuchs das Rüstzeug geben, die Zukunft nach dem Kohle-Aus gemeinsam zu gestalten. „Die Bildungsbenachteiligten sollen nicht ins Bergfreie fallen“, sagt Altenkamp.

„Der Job unter Tage war sehr gefährlich“

Wiederentdeckt auf „Schacht 2“, wie der Kellerflur der Schule genannt wird, hat man ein vor zehn Jahren entstandenes Kleinod: die weltweit vielleicht kleinste Bergbau-Schau. Mit Kindern aufgebaut hat sie der mittlerweile pensionierte Techniklehrer Wilhelm Klein. Die Exponate sind Originale aus Zechen, etwa die Schleiftrage zur Verletztenbergung. „Der Job unter Tage war sehr gefährlich“, so Klein.

Zehn finstere Quadratmeter

Knapp zehn recht finstere Quadratmeter misst der Ausstellungsraum. Hineinzugehen ist unmöglich: an der Längswand der Holzstreb, der Boden kniehoch mit Eierkohle bedeckt. „Das präsentiert perfekt die Enge, der die Kumpel ausgesetzt waren. Gezeigt wird die frühe Zeit, in der man noch in Schräglage abbaute.“ Auch die druckluftbetriebene Haspel zum Auf- und Abwickeln von Seilen erzählt von der Suche nach dem schwarzen Gold. „In der Tiefe musste man sich aufeinander verlassen. Die Nationalität war egal“, betont Altenkamp. Aus der Ecke links grüßt der Steiger – eine Puppe in RAG-Kleidung, stilecht mit Lampe auf dem Kopf. Vom Tonband kommt das „Steigerlied“.

Einige Schüler hatten vorher nie ein Instrument gespielt

Die Kumpel-Hymne einüben sollten auch die Siebtklässler beim musikalischen Projektteil. „Leider waren zwei Wochen zu knapp“, entschuldigt sich Musikreferent Jürgen Lesker. „Einige Schüler hatten vorher nie ein Instrument gespielt.“ Umso erstaunlicher ist das Resultat: Auf den Steeldrums trommeln die Jugendlichen rhythmisch sauber zu einem Reggae-Ohrwurm. Abraham (13) ist eifrig dabei. Zu Hause spielt er Gitarre. Klassenkamerad Saad (13) macht zum ersten Mal in einer Band mit. Das Bergbau-Projekt gefällt ihm.

Klaus Johannknecht vom Awo-Vorstand hofft, die „Glück Auf“-Reihe bald an der Steeler Hauptschule durchzuführen. So kompatibel, wie die Inhalte seien, sei das kein Problem, meint Projektleiter Jens Fischer. Viele Essener Schulen sollten damit die Stadt-Geschichte erforschen.

>>> 54.000 Euro fließen für ein Jahr nach Essen

54.000 Euro will der Awo-Bezirksverband Niederrhein über die RAG für ein Jahr dem „Glück Auf“-Projekt in Essen zur Verfügung stellen. Bisher wird es neben der Marienschule auch an der Realschule an der Gelsenkirchener Straße durchgeführt.

Die Förderung läuft noch bis 2020 und beläuft sich auf insgesamt 162.000 Euro für externe Referenten, Personal- und Sachkosten.

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