Umzug ins Westviertel

Autowerkstatt steht im Essener Westviertel vor Neubeginn

Fabian Klose, Robert Naczynski, Jens Kallidat und Alexander Mäh (v.l.) stehen vor der neuen Werkstatt, die noch nicht komplett eingerichtet ist. Das Familienunternehmen ist in den Westendhof umgezogen, weil am alten Standort auf der Margarethenhöhe gebaut werden soll. Ein Zwangsabschied nach 71 Jahren.

Fabian Klose, Robert Naczynski, Jens Kallidat und Alexander Mäh (v.l.) stehen vor der neuen Werkstatt, die noch nicht komplett eingerichtet ist. Das Familienunternehmen ist in den Westendhof umgezogen, weil am alten Standort auf der Margarethenhöhe gebaut werden soll. Ein Zwangsabschied nach 71 Jahren.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen-Westviertel.Für Jens Kallidat und seinen Autoservice endet an kommenden Montag eine Ära. Nach 71 Jahren sagt das Familienunternehmen von der Margarethenhöhe dem alten Standort ade, um etwa fünf Kilometer entfernt am Westendhof im Westviertel neu zu starten. Es beginnt ein neuer Lebensabschnitt mit neuen Chancen für sein Team und seine Kunden – aber auch mit Sorgen.

Jens Kallidat und sein Team übernehmen zum 1. Oktober die Werkstatt-Räumlichkeiten des Straßen- und Pannendienst Meister am Westendhof 15, nahe der Frohnhauser Straße. Dort steht dem Team eine deutlich größere Fläche zur Verfügung, wohl mindestens doppelt so groß wie bislang. „Das ermöglicht uns, Reparaturen im größeren Stil zu leisten“, verspricht Jens Kallidat.

Der Unternehmer musste seine Werkstatt auf der Margarethenhöhe räumen, weil die Margarethe-Krupp-Stiftung (MKS) auf dem Grundstück neue Wohn- und Verwaltungsgebäude mit 40 neuen Wohnungen plant.

Zwangsumzug hat auch gute Seiten

Der Zwangsumzug aus der alten Heimat an der Margarethenhöhe hat tatsächlich auch seine guten Seiten: Um seinen erweiterten Service künftig anbieten zu können, hat der KFZ-Meister sein Team vergrößert: Neben seinen vier Mitarbeitern und einer 450-Euro-Kraft kommen nun drei weitere Mitarbeiter hinzu.

Künftig kann er täglich vor Ort die Hauptuntersuchung und auch die Abgasuntersuchung für den TÜV machen. Für seine Stammkunden von der Margarethenhöhe und aus Haarzopf, die ihm, wie er sagt, treu bleiben wollen, ist nach Absprache ein Hol- und Bringservice des Autos möglich. Zudem haben die Kunden die Möglichkeit, einen Leihwagenservice zu nutzen.

Ein bitterer Beigeschmack bleibt dennoch: Jens Kallidat beklagt, dass es wenig Hilfestellung von Seiten der Margarethe-Krupp-Stiftung gegeben habe. „Die MKS hat mich zwar ihr Wort gehalten und mich bei den Umzugskosten unterstützt, doch bei der Suche nach einen neuen Standort war ich praktisch auf mich allein gestellt.“

Um seinen Betrieb zu retten, hatte der Unternehmer selbst ein freies Grundstück neben der Feuerwache auf der Margarethenhöhe vorgeschlagen. Die Stadt wies eine entsprechende erste Bauvoranfrage der MKS aber ab. „Ich habe mich an alle Institutionen, auch an den Oberbürgermeister, die Wirtschaftsförderung oder die politischen Parteien gewandt, aber keine Hilfe und Unterstützung bekommen“, sagt Kallidat, der den Betrieb seit 2008 in dritter Generation führt.


Noch die beste Alternative

Hilfe kam dann eher von anderer Seite: „Nach dem Artikel in der Zeitung habe ich zahlreiche Anrufe und E-Mails mit Jobangeboten, Hilfestellung und Werkstattübernahmen erhalten.“ Im Vergleich zum nun gewählten Standort, waren alle anderen Optionen jedoch deutlich weiter entfernt. „Das ist jetzt die beste Lösung, die Werkstatt liegt noch relativ in der Nähe zur Margarethenhöhe. Zudem sind die Möglichkeiten dort gut und vielversprechend.“

Am Dienstag folgt die offizielle Übernahme. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun. „Anfang nächster Woche kommen die neuen Schilder,“ freut sich Kallidat. Einen Großteil seiner zum Teil erst kürzlich erworbenen Geräte kann er mitnehmen. „Nur ein kleiner Teil musste verkauft werden.“ Für seinen Start am Westendhof hofft Kallidat, dass der neue Standort von allen Kunden angenommen wird. Doch vor allem hofft er, dass seine Werkstatt ihren Charme erhalten kann, die das Familienunternehmen über die vielen Jahre hinweg ausgezeichnet hat.

Seit 46 Jahren täglich vor Ort

Der Abschied von der Margarethenhöhe, daraus macht Kallidat keinen Hehl, zerreißt ihm das Herz: „Ich habe in der Werkstatt und auf dem Garagenhof laufen und Fahrrad fahren gelernt. Ich wohne und arbeite dort und bin seit 46 Jahren täglich vor Ort.“ Auch seine Kunden seien tieftraurig über seinen Weggang. 1948 hatte Albert Eickmeier im Lehnsgrund eine der ersten Tankstellen in Essen gegründet, die er später zu einer Werkstatt ausbaute.

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