Krankenhausneubau

Contilia: Ohne Kirchenabriss kein Klinikneubau in Altenessen

Mit einer Mahnwache demonstrierten am Mittwochabend erneut Menschen aus Altenessen für den Erhalt ihrer Kirche.

Mit einer Mahnwache demonstrierten am Mittwochabend erneut Menschen aus Altenessen für den Erhalt ihrer Kirche.

Foto: Socrates Tassos

Altenessen.   Bei der offiziellen Pfarrversammlung diskutierten rund 100 Gemeindemitglieder, weit mehr Menschen kamen zur Mahnwache vor der bedrohten Kirche.

Im Jahr 2025 soll das neue Contilia-Krankenhaus in Altenessen seinen Betrieb aufnehmen. Es soll auf sechs Geschossen 725 Betten haben und modernsten medizinischen Standards entsprechen. „Patientenorientiert“ ist das Leitmotiv des katholischen Krankenhausträgers, der seine Pläne am Mittwochabend auf der Pfarrversammlung von St. Johann Baptist im Gymnasium am Stoppenberg etwas detaillierter vorstellte als bisher. Bekräftigt wurde aber: Ohne Kirchenabriss kein Krankenhausneubau.

Nach der ersten turbulenten Pfarrversammlung im November in der Kirche stand nun zum zweiten Mal der mögliche Abriss der Kirche am Karlsplatz in Altenessen zugunsten eines Krankenhausneubaus zur Diskussion. Noch gibt es allerdings keinen Kaufvertrag, sondern nur die Zusage des Kirchenvorstands, ein Kaufangebot von Contilia anzunehmen, wenn es vorgelegt wird.

Das neue Krankenhaus darf höchstens 22 Meter hoch werden

Etwa 100 Menschen beteiligten sich am Mittwochabend an der Diskussion um den Abriss der Kirche St. Johann Baptist in Altenessen. Krankenhaus-Betreiber Contilia benötigt für den Neubau insgesamt rund 28 000 Quadratmeter Fläche. Dazu sei zwingend das gut 4000 Quadratmeter große Kirchengrundstück notwendig. Nur das Pfarrheim abzureißen reiche nicht aus, weil die Fläche zu klein sei, machte Contilia-Projektmanager Markus Rau deutlich. 90 Prozent der Gesamtfläche würden überbaut.

Der Vorschlag, das Krankenhaus auf acht Geschosse aufzustocken, um weniger Fläche zu beanspruchen, könne nicht umgesetzt werden. Denn allein schon die im Keller untergebrachten Technik- und Lagerbereiche benötigten die komplette Grundfläche. Außerdem dürfe nicht höher als 22 Meter gebaut werden, weil die Drehleitern der Feuerwehr nur 23 Meter hoch seien.

Für den Standort im Zentrum Altenessens spräche die „sensationell“ gute Verkehrsanbindung, so Markus Rau weiter. Sowohl die B 224 als auch die A 42 sind nah. Deshalb werde das Parkhaus auch nicht, wie befürchtet, anstelle der Kirche errichtet, sondern im südwestlichen Teil des Baugebiets, also in der Nähe der Gladbecker Straße.

Alternativstandorte wurden geprüft

Alternativstandorte wie „Essen 51“ oder das Gewerbe- und Industriegebiet Emil-Emscher seien geprüft worden, kämen aber aus verschiedenen Gründen, darunter baurechtlichen, nicht in Frage.

Auf der Johanniskirchstraße muss das neue Krankenhaus Platz schaffen für drei Rettungswagen, für Notarztfahrzeuge und den gesamten Lieferverkehr. Ein Verkehrsgutachten soll weiteres klären. Außerdem müsse auch ein „Massenanfall“ berücksichtigt werden.

Der Komplex soll sich mit seiner Fassade nach Vorstellungen der Contilia nach Süden hin ausrichten. Markus Rau: „Wir möchten das Krankenhaus zu den Leuten bringen und einen Bezug zum Karlsplatz schaffen.“ Im Rahmen eines Architektenwettbewerbs sollen dazu die Ideen gesammelt werden.

Viele Raumfragen sind noch nicht geklärt

Ob Teile der Kirche, etwa die Fassade, erhalten bleiben können, soll nun ein Fachausschuss besprechen. Die Kirche komme weg, „aber es kommt etwas Neues“, sagte Markus Rau. Details des geplanten Kirchenraums sind noch nicht bekannt, „das wird aber keine Kapelle“. Gemeindemitglieder hoffen, dass wenigstens Teile von St. Johann mit in den neuen Raum genommen werden können: „Das Krankenhaus muss von außen als Kirche erkennbar sein“, lautete ein Wunsch. Ebenfalls müssen noch der Standort der Bücherei und die Raumfrage für die Verbände geklärt werden.

Seit bekannt ist, dass die stadtbildprägende Kirche abgerissen werden soll, gibt es Proteste in Altenessen. Am Mittwochabend organisierte die Initiative „Rettet St. Johann“ eine Menschenkette mit rund 500 Teilnehmern, wie ihr Sprecher Tobias Urban sagt. „Dies verdeutlicht wieder, dass wir absolut keine Minderheit in der Pfarrei sind, sondern der deutlich aktive und lebendige Teil der Gemeinde.“ Es sei „ein sehr eindrucksvolles Symbol zur Untrennbarkeit von Marienhospital und Pfarrkirche St. Johann Baptist gezeigt“ worden. Ziel bleibe es, einen Krankenhausneubau unter Erhalt und Einbezug der Pfarrkirche zu ermöglichen.

Martin Tenhaven, Schulleiter des Leibniz-Gymnasiums, trug in der Pfarrversammlung den Standpunkt der Initiative vor. Er lud den Kirchenvorstand zum Gespräch ein. Allerdings sieht auch er eine „deutliche Spaltung“ der Gemeinde.

Schenkungsurkunde ohne Hinweis auf Verkaufsverbot

Hoffnung hatten die Abrissgegner in die Schenkungsurkunde gesetzt, die den Verkauf des Kirchengrundstücks untersagen soll. „Aber es gibt darin keinen Hinweis, dass sie nicht veräußert werden darf“, sagte Jurist Rudolf Gewaltig. Lediglich in Vorentwürfen sei davon die Rede gewesen.


Ökumene: Ellen Kiener, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Altenessen-Karnap, verfolgte die Pfarrversammlung. Sie wünscht sich unter anderem eine gemeinsame Jugendarbeit in Altenessen.


Zwei Shuttle-Busse hatte die Pfarrei eingesetzt, die zwischen ihren vier Gemeinden pendelten. Allerdings fuhren sie nahezu leer: Nur drei Gemeindemitglieder nahmen diesen Service in Anspruch.

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