Kirche

Andenken und Erinnerungen beim Ausverkauf in der Gemeinde

Beim Flohmarkt der Ev. Thomasgemeinde gab es Andenken aus der entwidmeten Kirche Erlenkampsweg in Stoppenberg.

Beim Flohmarkt der Ev. Thomasgemeinde gab es Andenken aus der entwidmeten Kirche Erlenkampsweg in Stoppenberg.

Foto: Carsten Klein / FUNKE Foto Services

Essen-Stoppenberg.  Andenken an die entwidmeten Kirchen in Stoppenberg und Frillendorf konnten Gläubige in der Thomasgemeinde kaufen – und Erinnerungen austauschen.

Seit 1957 wurde in der Kirche am Erlenkampsweg in Stoppenberg Gottesdienst gefeiert. Das im 50er-Jahre-Stil erbaute Gebäude erinnerte schon in ihren besten Zeiten so manchen Stoppenberger eher an eine Turnhalle. Andere wiederum bezeichneten sie als schön schlicht. Jetzt fand ein Ausverkauf statt, bei dem Gläubige sich ein Andenken an die inzwischen entwidmete Kirche kaufen konnten.

Die Kirche, in der vor knapp eineinhalb Jahren noch die Gebetsbänke aufgereiht vor dem Altar mit dem Kreuz und dem Taufbecken standen, gleicht am Tag des Flohmarktes nun wirklich einer Turnhalle. Die Orgel ist bereits abgebaut und verkauft, die Bänke fehlen ebenfalls und die Schränke im riesigen Keller sind leer. Vorzufinden sind nur drei lange aufgebaute Tischreihen, auf denen die unterschiedlichsten Gegenstände zum Verkauf bereitstehen.

Viele Gegenstände wecken Erinnerungen an vergangene Zeiten

Nachdem die „Erle“, wie sie liebevoll genannt wurde, und die Kirche Auf’m Böntchen in Frillendorf im vergangenen Jahr entwidmet wurden, hatte sich die Evangelische Thomasgemeinde dazu entschlossen, einen Flohmarkt zu veranstalten. „Wir haben so viele Sachen, die wir nicht in unser neues Gemeindehaus mitnehmen können, aber zu schade zum Wegwerfen sind“, erklärt Pfarrer Martin Keßler. Viele Gegenstände wecken Erinnerungen an vergangene Zeiten.

Dies freut so manchen Flohmarktbesucher. Von Kerzen, Bastelsachen und Geschirr über Bücher, Kinderspielzeug und CDs bis hin zu Taucherflossen, Hawaiiketten und Heißklebepistolen bietet der Flohmarkt für jeden Geschmack etwas an. Rund 70 Besucher stöbern, handeln und tauschen sich über vergangene Zeiten aus. Thomas Mitscher, stellvertretender Küster der Gemeinde, entscheidet sich für ein paar Kerzen inklusive Kerzenständer: „Für mich ist das ein kleines Andenken an die Erle. Wenn ich zuhause auf meinem Balkon sitze und mir die Kerzen anmache, dann denke ich an die Gemeinde.“

Gemeinsam in der Kirche mit der Oma gesungen

Sabine Werthmann aus Stoppenberg kauft ein Gesangbuch, das in ihr alte Erinnerungen aufkommen lässt. „Ich habe schon früher immer in dieser Kirche gemeinsam mit meiner Oma gesungen und den Adventsgottesdienst mit meiner Familie besucht. Ich bin über die Entwidmung sehr traurig, weil ich viel mit dieser Kirche verbinde“, erzählt die 54-Jährige.

So geht es auch Jenny Knapp, die eine kleine Krippe vom Flohmarkt mitnimmt: „Ich habe eine große Verbindung zu dieser Kirche. Meine Tochter wurde hier getauft, ich hatte hier meine Konfirmation und ich habe hier geheiratet“, lacht sie. Doch so traurig sie auch über die Entwidmung sei, letztendlich seien es nicht die Räumlichkeiten, sondern die Menschen, die Erinnerungen schaffen. Und da die Gemeinden weiterhin bestehen bleiben und ihre neue Heimat in der Thomaskirche finden, sei sie zuversichtlich.

Zwischen Trauer und Vorfreude auf einen Neustart

So geht es auch den anderen Gemeindemitgliedern: „Wir sind zwar alle sehr traurig, aber wir erhoffen uns einen Neustart und freuen uns darauf“, fasst Pfaffer Martin Keßler die Stimmung zusammen. So viel würde sich auch gar nicht ändern, denn: „Wir nehmen alte Traditionen mit in die Thomaskirche. Das Adventssingen war zum Beispiel eine Tradition vom Erlenkamp, die wir weiterführen werden“, so Keßler.

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