Denkmalschutz

Altenessener ist Ortskurator der Stiftung Denkmalschutz

Michael Rüsing zeigt an der Pforte der Alten Kirche auf das dunkle Schild der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Michael Rüsing zeigt an der Pforte der Alten Kirche auf das dunkle Schild der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Foto: Dietmar Mauer

Altenessen.   Ortskurator ist weder Lehrberuf noch Studienfach, sondern Ehrenamt. So wie bei Michael Rüsing, der sich als Lehrer der Welt der Zahlen widmet.

Links neben dem Portal der Alten Kirche an der Altenessener Straße sind drei Schilder unterschiedlicher Größe ans Mauerwerk angebracht. Auf dem untersten sind Informationen zur Kirche zu lesen. Das oberste weist den Sakralbau als Denkmal aus. Dazwischen hängt ein mittelgroßes, dunkles Schild mit erhabenen Buchstaben auf dem zu lesen ist: „Gefördert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit Hilfe der Glückspirale“. Das Schild haben wohl weder viele Kirchgänger noch Besucher von Musikveranstaltungen in der Kulturkirche wirklich wahrgenommen. Michael Rüsing schon. Er ist seit kurzem Ortskurator der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz.

Beruflich hat der 63-Jährige Altenessener („Ich bin im Krankenhaus in Werden geboren, aber in Altenessen aufgewachsen.“) nichts mit Denkmalschutz zu tun. Er ist Lehrer für Mathe, Physik und Informatik an der BMV-Schule in Holsterhausen. „Neben den Naturwissenschaften habe ich mich immer schon für Geschichte, Architektur und Denkmäler interessiert“, sagt Michael Rüsing. Eine gefühlte Ewigkeit ist er Mitglied beim Historischen Verein Essen und beim Münsterbauverein, der sich seit 1947 um den Erhalt und Sanierung der Essener Dom-Insel kümmert.

Der Weg zum Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz war hingegen mit Zufällen gepflastert. Seit mehreren Jahren fand er zu Weihnachten Werbebriefe von der Stiftung in seinem Briefkasten. „Das waren nicht schlichte Postkarten, sondern es war eine CD mit anspruchsvollen Weihnachtsliedern dabei“, sagt der 63-Jährige. „Natürlich warb die Stiftung auch um Spenden, wie das andere Organisationen in solchen Fällen auch tun“, sagt der 63-Jährige. Vor drei, vier Jahren spendete Michael Rüsing. Daraufhin bekam er regelmäßig das Stiftungsmagazin „Monumente“ zugeschickt.

Gruppe von sieben Gleichgesinnten

„Und dort stand in einer Ausgabe des vergangenen Jahres, dass ein Ortskurator für Essen gesucht würde“, erinnert er sich. Rüsing meldete sich, wurde zum Sitz der Stiftung nach Bonn eingeladen – und ist seit Anfang des Jahres Ortskurator für Essen. „Nicht nur für Essen, sondern für die Nachbarstädte, die keine Ortskuratoren haben.“ Er empfinde sich aber keineswegs als Chef. „Wir sind mittlerweile sieben Menschen, die dieselben Interessen haben und sich engagieren wollen“, sagt er.

Kurator kommt von „curare“ (lateinisch für pflegen, sich sorgen um). Und worum kümmern sich Michael Rüsing und seine Mitstreiter nun? „In erster Linie geht es darum, ein stärkeres Bewusstsein für den Denkmalschutz zu schaffen“, sagt Michael Rüsing. Das passiert zum Beispiel mit Aktion wie der Führung durch die Kirche St. Hedwig am 1. Mai um 15 Uhr. Zudem informieren Broschüren in den geförderten Objekten über die Stiftung. „Letzten Endes sammeln wir natürlich auch Spenden für die Stiftung, aber wir gehen nicht mit der Büchse von Haus zu Haus“, betont Michael Rüsing.

Die Spenden kommen von Privatpersonen ebenso wie auch Institutionen. Geld bekommt die Stiftung auch aus Lotterien wie zum Beispiel „Glückspirale“. Und wenn jemand vor Gericht dazu verurteilt wird, Geld an eine gemeinnützige Organisation zu zahlen, wird die Stiftung auch bedacht.

Förderanträge können Institutionen ebenso stellen wie Privatleute. „Es reicht aber nicht, zu sagen, man hätte ein schönes Häuschen und das und das müsse gemacht werden“, sagt Michael Rüsing. Grundvoraussetzung ist zunächst einmal, dass das Objekt unter Denkmalschutz stehe. Zudem müsse der Antragsteller sagen, mit welche Kostenhöhe er grob gefördert haben möchte. „Der wissenschaftliche Beirat, ein unabhängiges Expertengremium, entscheidet dann über die Vergabe.“

Wird der Antrag genehmigt, kommt der Ortskurator und bringt Plakette, Urkunde – und was am wichtigsten ist – den Scheck. Diese angenehme Aufgabe war Michael Rüsing noch nicht vergönnt. Und bei den etwa 300 geförderten Objekten des ersten Halbjahres 2019 sind auch keine Essener dabei.

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