Altenessen barrierefrei

Aktionstag lockt mit einer Zeitreise ins Seniorenalter

Linda Marfo (Mitte) probierte den Simulationsanzug aus. Flankiert wurde sie von Pascal Klär (links), Sozialarbeiter Stadtteilprojekt Altenessen-Süd, und Quartiershausmeisterin Sandra Remus.

Foto: Christof Kšpsel

Linda Marfo (Mitte) probierte den Simulationsanzug aus. Flankiert wurde sie von Pascal Klär (links), Sozialarbeiter Stadtteilprojekt Altenessen-Süd, und Quartiershausmeisterin Sandra Remus. Foto: Christof Kšpsel

Altenessen.   Es gibt einige Barrieren, die ältere und behinderte Menschen im Alltag zu überwinden haben. Der Aktionstag in Altenessen zeigte Wege auf.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Mit vorsichtigen, kleinen Schritten begibt sich Linda Marfo auf einen Rundgang über den Forumsplatz beim 4. Aktionstag „Altenessen barrierefrei“. Flankiert wird sie von Pascal Klär (Stadtteilbüro Altenessen) und der Quartiershausmeisterin Sandra Remus. Linda Marfo trägt einen Simulationsanzug, der die 31-Jährige schlagartig um Jahrzehnte altern lässt. Sehen, hören, gehen – alles fällt schwerer. „Da kann man echt nachempfinden, wie ältere Menschen sich im Alltag fühlen“, sagt die gebürtige Ghanaerin, die eine Ausbildung im Zentrum für Gesundheitsberufe macht.

Der Simulationsanzug ist nicht das einzige praktische Angebot, das an den 20 Ständen zu finden ist. Am Rande des Forumsplatzes hat zum Beispiel die Neue Arbeit der Diakonie einen kleinen Parcours aufgebaut, auf dem Besucher unter dem Motto „Perspektivewechsel“ eine Runde mit dem Rollstuhl drehen können.


Lebensqualität soll im Stadtteil erhöht werden

So wie Susanne Zumbrink. Für die 42-jährige Altenessenerin ist ein Rollstuhl allerdings nichts Unbekanntes. „Meine ältere Schwester sitzt seit ihrem zwölften Lebensjahr im Rollstuhl. Ich weiß, welche Probleme kleine Huckel oder enge Türen für Rollstuhlfahrer bedeuten“, sagt Susanne Zumbrink. Aktionen wie „Altenessen barrierefrei“ seien gut, weil jeder einen Eindruck bekommen könne, wie der Alltag von behinderten und alten Menschen aussähe.

„Man darf das nicht nur auf ältere Menschen beziehen, auch Jüngere können betroffen sein“, sagt Tom Klockhaus (Neue Arbeit der Diakonie). Der 35-Jährige will mit seinen Mitstreitern die Lebensqualität im Stadtteil erhöhen. Die kostenlose Hilfe (keine Pflegedienstleistungen!) reicht von der Erledigung kleinerer Einkäufe, über die Begleitung bei Arztbesuchen bis zur Unterstützung von Alleinerziehenden beim Spielen mit ihren Kindern.

„Die erste Barriere entsteht im Kopf“, erklärt Tom Klockhaus, „es gibt immer noch Hemmungen, uns anzusprechen“. Hilfe anzunehmen, sei weiterhin ein Problem, „weil die Menschen sich den Verlust ihrer Eigenständigkeit eingestehen müssen“.

Testfahrt durch das Allee-Center

Auf welche Hindernisse Rollstuhlfahrer im Alltag stoßen, erfuhr Tom Klockhaus gemeinsam mit dem Besucher Thomas Sterner im wahrsten Sinne des Wortes bei einer Testfahrt durch das benachbarte Allee-Center. Fehlende Umkleidekabinen für Rollstuhlfahrer, vielfach zu hoch hängende Regale und teils versperrte Eingänge machten die Tour nicht zum Vergnügen. Ihr Fazit: „Es besteht noch großer Handlungsbedarf.“

Rampen erhöhen die Teilhabe älterer Menschen

Manchmal liegt die Lösung in einer vergleichsweise einfachen wie preiswerten Technik: einer Rampe. Sie kann die Teilhabe älterer und gehbehinderter Menschen entscheidend erhöhen. Einige Mitglieder des Runden Tisches Altenessen, die den Aktionstag organisierten, warben bei Geschäftsleuten dafür, so die Stufen zu ihren Ladenlokalen zu überbrücken. „Benachbarte Ladenlokale können sich ja eine Rampe und die Kosten teilen“, schlägt Stadtteilmoderatorin Tanja Rutkowski vom Institut für Stadtteilentwicklung, Sozialraumorientierte Arbeit und Beratung (ISSAB) vor.

>>> Quartierszentrum vermittelt Kontakte

Über 20 Organisationen und Institutionen berieten und informierten am gestrigen Dienstag auf dem Forumsplatz in Altenessen.

Kontakt zu den Teilnehmern vermittelt Antje Behnsen im Quartierszentrum Palmbuschweg: 8560807 oder quartiersbuero.altenessen@googlemail.com.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik