Schulneubau

13 Kleingärtnern am Boulevard wegen Schulneubaus gekündigt

Helmut Klischies (85) besitzt den Garten Nr. 12 im Gartenbauverein Bernetal – direkt neben der U-Bahn-Haltestelle „Bamlerstraße“.  Auch er bekam die Kündigung.

Helmut Klischies (85) besitzt den Garten Nr. 12 im Gartenbauverein Bernetal – direkt neben der U-Bahn-Haltestelle „Bamlerstraße“. Auch er bekam die Kündigung.

Foto: Christof Köpsel

Altenessen-Süd.   An der Erbslöhstraße soll eine Gesamtschule gebaut werden. Der Eingang wird am Berthold-Beitz-Boulevard liegen. 13 Kleingärten sind im Weg.

Der Neubau einer Gesamtschule an der Erbslöhstraße in Altenessen-Süd wirft seine Schatten voraus. 13 Kleingärtner am Berthold-Beitz-Boulevard haben jetzt die Kündigung ihrer Pachtverträge zum 30. November 2019 erhalten. Und die Zukunft des benachbarten Begegnungshauses „Treffpunkt Süd“ ist noch offen. Allerdings gibt es positive Anzeichen, dass er seine Arbeit fortsetzen kann.

Einst waren auf der Fläche Wohnungen geplant

Vor drei Jahren war die Aufregung im Gartenbauverein Bernetal groß, als die Absicht bekannt wurde, auf der gesamten Fläche zwischen der Kleinen Zangenstraße und dem Alten Friedhof Wohnungen zu errichten. Heftige Proteste der Kleingärtner – „Der Norden muss grün bleiben“ – und die Problematik mit der maroden Gesamtschule Bockmühle in Altendorf sowie steigende Schülerzahlen führten schließlich zum Umdenken in der Kommunalpolitik. Die Kleingartenanlage bleibt – abgesehen von 13 Parzellen am Berthold-Beitz-Boulevard, in unmittelbarer Nähe der U-Bahn-Haltestelle Bamlerstraße. Sie brachte dem Verein den Titel „Einzige Schrebergartenanlage mit U-Bahn-Anschluss“ ein.

Rat stellt 500.000 Euro für die Planung bereit

Inzwischen steht der Beschluss, auf dem ehemaligen Fußballplatz von JuSpo Altenessen keine Wohnungen, sondern eine sechszügige Gesamtschule zu errichten. Vor fünf Wochen stellte der Rat eine halbe Million Euro für die Planung bereit. Doch für den nächsten Schritt, nämlich die Neugründung der Schule zu beschließen, sah sich die Stadtverwaltung im März noch nicht imstande – sie zog die entsprechende Vorlage für den Rat wieder zurück.

Stadt – Stadtverband der Kleingärtner – Bernetalverein

Das hielt die Stadtverwaltung allerdings nicht davon ab, den Stadtverband der Kleingärtner aufzufordern, die Pachtverträge der 13 betroffenen Parzellen zu kündigen. Die Aufgabe musste aber der Bernetal-Verein übernehmen. „Denn es gibt noch Uraltverträge. Anders als heute haben die Pächter ihren Vertrag nicht mit dem Stadtverband, sondern mit dem eigenen Verein abgeschlossen“, erläutert Ute Uhr. Sie ist seit Mai letzten Jahres Vorsitzende und kümmert sich um die Belange der über Altenessen verteilten 280 Mitglieder.

„Wir hatten drei Jahre, uns darauf vorzubereiten“

„Wir bedauern diese Maßnahme, müssen aber im Interesse der Gesamtsituation diese Entwicklung hinnehmen“, schreibt sie den betroffenen Vereinsfreunden. Andererseits sagt sie aber auch: „Wir hatten drei Jahre Zeit, uns darauf vorzubereiten.“ Drei Gärtner haben sich inzwischen schon um neue Gärten in der Anlage bemüht, ein anderer ist nach Essen-Nord gewechselt.

Eher mit Unverständnis reagiert Helmut Klischies. Der 85-jährige Frohnhauser erfreut sich schon seit über 40 Jahren an der Gartenidylle in Altenessen-Süd, die er einst von seinen Eltern übernommen hatte. „Warum müssen wir unsere Gärten aufgeben, obwohl doch noch niemand genau weiß, wie die Schule einmal aussehen wird?“, fragt er misstrauisch gegenüber Stadt und Politik.

Haupteingang der Schule am Berthold-Beitz-Boulevard

Doch die Antwort hat Uwe Kutzner parat. Der Altenessener CDU-Vorsitzende ist nicht nur planungspolitischer Sprecher seiner Ratsfraktion, sondern auch Chef des JuSpo Altenessen, kennt sich also besonders gut an der Erbslöhstraße aus. „Auf jeden Fall wird der Hauptzugang der Schule vom Berthold-Beitz-Boulevard sein. Dafür ist die gesamte Fläche notwendig“, stellt er klar. Eine Erschließung über die Erbslöhstraße werde es auf keinen Fall geben.

Außerdem sollten die Kleingärtner sich überlegen, ob sie tatsächlich in unmittelbarer Nähe einer so großen Schule bleiben möchten. „Allein schon wegen der Geräuschkulisse der Schüler täten sie sich keinen Gefallen.“

„Treffpunkt Süd“ kommt in die Nähe der Gesamtschule

Eine Meinung hat Uwe Kutzner auch zum „Treffpunkt Süd“. Sein Club hat das ehemalige JuSpo-Vereinsheim dem Treffpunkt verpachtet, der jetzt von der CSE, dem Zusammenschluss vom Caritasverband und dem Sozialdienst katholischer Frauen Essen-Mitte, betrieben wird. Es bestehe keine Gefahr, dass der Vertrag zum Jahresende auslaufe. „Wir werden ihn so lange fortführen, bis der Bagger rollt“, versichert Uwe Kutzner.

Später soll der Treffpunkt Süd im Bereich der Gesamtschule seinen neuen Platz finden. „Denn sie soll nicht nur Schule sein, sondern etwas für den Stadtteil tun.“ Lediglich in der Bauphase müsse ein Ausweichquartier für den Treffpunkt gefunden werden.

Die Gärtner indes sollen ihre Parzellen bis zum Herbst räumen. Einer hat aber bereits aufgegeben. Seinen Garten pflegt nun sein Nachbar, damit das Grün nicht zu sehr verwildert.

>>> Gartenbauverein Bernetal wurde 1932 gegründet

  • Der Gartenbauverein Bernetal wurde 1932 in Altenessen-Süd gegründet.
  • Am Sonntag, 26. Mai, 10 Uhr, lädt er zu seiner Jahreshauptversammlung ein.
  • Das traditionsreiche Kinder- und Familienfest findet am Samstag, 24. August, 11 Uhr, statt.

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