Erstkommunion

Weißer Sonntag mit nur einem Kind

Peter Kroschewski ist Pastor der Gemeinde St. Maria Rosenkranz in Essen Bergeborbeck.

Peter Kroschewski ist Pastor der Gemeinde St. Maria Rosenkranz in Essen Bergeborbeck.

Foto: FUNKE Foto Services

Essen-Bergeborbeck.   Die Zahl der Katholiken nimmt ab, es gehen auch immer weniger Kinder zur ersten heiligen Kommunion. In Bergeborbeck ist es sogar nur ein Mädchen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

In den Wochen nach dem Osterfest steht für viele katholische Mädchen und Jungen ein wichtiger Termin an: Sie feiern das Fest der ersten heiligen Kommunion. Seit Wochen bereiten sie sich auf den Weißen Sonntag (oder einen späteren Sonntag) vor. Doch die Zahl der Erstkommunionkinder sinkt. Vor zwei Jahren empfingen im Bistum Essen noch 5400 Kinder das Sakrament, in diesem Jahr werden es nur noch rund 5000 sein. In der Gemeinde St. Maria Rosenkranz in Bergeborbeck ist es sogar nur ein Mädchen, das zur Kommunion geht. Nachfragen bei Pastor Peter Kroschrewski.

Ein Weißer Sonntag mit nur einem Kind: Hat sich diese Entwicklung in den letzten Jahren angebahnt oder ist das eine Ausnahme?

Wir hatten ursprünglich zwei, aber das andere Kind hat dann gesagt: Ich kann nicht, ich will nicht, die Motivation war einfach nicht da. Aber ich denke, das liegt auch daran, dass wir immer weniger katholische Kinder haben. Als ich hier vor zehn Jahren angefangen habe, hatten wir so etwa 20. Seitdem ist es permanent zurückgegangen. Wir haben eine Fotogalerie im Pfarrsaal, wo alle Kommunionkinder mit Gruppenbild dargestellt sind, da merkt man, dass es immer weniger wurden.

Das ist ja nicht überraschend angesichts der Kirchenaustritte.

Erstmal das. Und es ist liegt auch am Stadtteil hier. Viele katholische Kinder gehen auch auf andere Schulen, nicht auf die hiesige Bergmühlenschule. Katholische Kinder, die die Dionysiusschule oder Bischof-von-Ketteler-Schule besuchen, gehen dann auch dort zur Erstkommunion. Und die Bergmühlenschule ist auch so eine Art Grenzschule, so dass einige katholische Kinder zu St. Johannes Bosco oder zu Fronleichnam gehen. Von daher haben wir hier ein schwieriges Einzugsgebiet.

Sie haben in Ihren Pfarrnachrichten geschrieben: „Vielleicht ist das, was wir derzeit in unserer Gemeinde erleben, auch die Zukunft unserer deutschen Kirche“. Das hat doch weniger etwas mit Schulbezirken zu tun.

Es hat mehrere Komponenten, muss man klar sagen. Wir sind nun mal in einem schwierigen Stadtteil, dem muss man auch Rechnung tragen. Dass man nicht so frustriert sein darf, wenn es mal passiert wie in diesem Jahr. Aber es ist einfach die Entwicklung in unserer Gesellschaft und spezifisch in unserer Gemeinde, das muss man klar sagen.

Wie ist die Entwicklung in Ihrer Gemeinde?

Wir haben immer weniger Kommunionkinder, weil wir immer weniger katholische Kinder haben, und der Migrantenanteil ist hier in Bergeborbeck sehr hoch, und da sind relativ wenige katholische Kinder dabei. Das sage ich ganz wertfrei. Es sind mehr muslimische Kinder in den Klassen. Dazu vielleicht ein Beispiel: Vor zehn Jahren, als ich hier angefangen habe, gab es zwei Schulen hier. Und ich habe die Schulmessen wöchentlich im Hauptschiff gefeiert. Da waren 80 bis 100 Kinder in der Kirche, mittlerweile feiere ich die Schulmesse monatlich am Seitenaltar, und von den Kindern, die da sind, es sind vielleicht 20, gehen gerade mal fünf zur Kommunion. Das zeigt die Entwicklung, es sind halt einfach immer weniger katholische Kinder da.

Macht Ihnen denn etwas Hoffnung?

Wir haben wohl immer weniger Kommunionkinder, aber die Kirchenbesucherzahl ist eher gestiegen als gesunken. Wir haben samstags die Vorabendmesse, das ist für die Leute natürlich ideal. Sie kommen aus anderen Gemeinden und Pfarreien, etwa aus Altendorf oder Altenessen. Mit diesen Kirchenbesuchszahlen bin ich relativ zufrieden für diese schwierige Gegend haben wir noch immer 7 bis 8 Prozent, das ist Spitze bei 2800 Gemeindemitgliedern. Wobei ich merke, dass viele Alteingesessene altersbedingt nicht mehr kommen können.

Zwei zehnjährige Mädchen lassen sich jetzt taufen

Wie funktioniert Jugendarbeit, wenn es kaum Nachwuchs gibt?

In der Jugendarbeit baute ich die Messdienergemeinschaft gerade wieder neu auf, weil die katholische Klientel immer älter geworden ist. Die gehen jetzt woanders hin: Ausbildung, Beruf, Heiraten, Familie, was auch immer. Jetzt habe ich sieben, acht neue Messdiener und Messdienerinnen, und zwei von diesen neuen werden in zwei Monaten getauft.

Zwei Mädchen lassen sich taufen?

Bei einem Kind hat die Mutter gesagt: Es soll irgendwann selbst entscheiden, und es hat sich jetzt entschieden. Es ist sehr reflektiert für ein zehnjähriges Mädchen, das ist faszinierend. Es will ganz bewusst katholisch werden. Das andere Kind möchte dazu gehören. Das ist auch eine Entscheidung.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben