Nazi-Opfer

Stolpersteine erinnern an Aron Leib und Klara Steuer

Foto: Dietmar Mauer

Westviertel.   Die Nazi-Opfer sollen nicht vergessen werden. Dabei helfen Stolpersteine. In der Turmstraße werden welche für Aron Leib und Klara Steuer gesetzt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Nichts erinnert an dem Haus mit den beige-schwarzen Klinkern in der Turmstraße 17 daran, dass es der letzte, selbst gewählte Wohnsitz von Menschen war, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Das wird sich ändern. Und zwar am Montag, 21. November: Dann werden zwei Messing überzogene Stolpersteine in die rote Pflasterung eingelassen. Einer für Aron Leib Steuer. Und einer für seine Frau Klara Steuer geb. Fahn.

In Essen kümmert sich der Historische Verein, und hier Birgit Hartings, um die Stolpersteine. „Vorschläge für Orte für Stolpersteine kann jeder machen“, sagt Birgit Hartings. Ob die Voraussetzungen vorliegen, werde natürlich geprüft. Dazu stellt sie oft langwierige Recherchen an. Stolpersteine wollen an alle Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Sie werden dort gesetzt, wo die Menschen ihren letzten selbst gewählten Wohnsitz hatten. „Oft wurden die Menschen in so genannte Judenhäuser gesteckt, aber das war ja nicht selbst gewählt.“

Selbst gewählt hatten der selbstständige Textilvertreter Aron Leib Steuer und seine Frau Klara ihre Wohnsitze in Essen. Zunächst am Gänsemarkt, dann an der Viehofer Straße und ab 1931 an der Turmstraße 17. Das Ehepaar bekam drei Töchter: Dora, Berta und Taube. Nach den Recherchen verbrachte Klara Steuer (geb. 1904) wegen einer Psychose die Zeit von 1938 bis 1940 in einer Düsseldorfer Heil- und Pflegeanstalt. Von dort wurde sie in eine Heilanstalt in Zülpich verlegt, später nach Andernach. Dort sammelten Nazis Menschen wie Klara Steuer, um sie nach Hadamar zu bringen. „Sie wurde eines der ersten jüdischen Euthanasie-Opfer. Klara Steuers Ankunftstag war auch ihr Todestag“, sagt Birgit Hartings. Es war der 11. Februar 1941. Aron Leib Steuer wurde am 23. Oktober 1938 nach Polen abgeschoben. Laut Meldekarte kehrte er am 4. Mai 1939 nach Essen zurück, wohnte später in einem „Judenhaus“ in der II. Weberstraße. Sein Leidensweg führte ihn danach durch die Konzentrationslager Buchenwald und Ravensbrück nach Dachau, wo er am 7. August 1942 ermordet wurde. Geboren wurde er am 21. November 1900 – Montag vor 116 Jahren. Die drei Mädchen kamen früh in Kinderheime und gingen später in die USA.

Am Montag wird neben Oberbürgermeister Thomas Kufen und Hans Schippmann (Vorsitzender Historischer Verein) auch Susan Sanders bei der Zeremonie in der Turmstraße dabei sein. Sie ist eine Enkelin von Aron Leib und Klara Steuer, wohnt in den USA und hat die Initiative gestartet, damit ihre Großeltern nicht vergessen werden. Die Familie in den USA hat entschieden, für Dora, Berta und Taube keine Steine zu setzen, da sie den Großteil ihres Lebens in den USA verbracht haben.

Seit 1996 werden bundesweit Stolpersteine verlegt. Es ist ein Projekt des Kölner Künstler Gunter Demnig. Jeder Stein kostet 120 Euro. Wer einen Stein spenden will, kann sich an Birgit Hartings ( 88 41 319) wenden. In Essen gibt es bisher gut 300 Stolpersteine.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik