Soziales

Sozialkaufhaus ist der Stadt Essen ein Dorn im Auge

Soll aus dem Gewerbegebiet Carolus Magnus heraus: Das Sozialkaufhaus der GAB in Bergeborbeck.

Soll aus dem Gewerbegebiet Carolus Magnus heraus: Das Sozialkaufhaus der GAB in Bergeborbeck.

Foto: Knut Vahlensieck

Essen-Bergeborbeck.  Die Stadt Essen sieht durch den Standort eines Sozialkaufhauses im Gewerbegebiet in Bergeborbeck einen Verstoß gegen den „Masterplan Einzelhandel“. Um einen Präzedenzfall zu vermeiden, wäre es der Stadt am liebsten, wenn das Sozialkaufhaus nach acht Jahren an diesem Standort umsiedeln würde.

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Das Sozialkaufhaus im Bergeborbecker Gewerbegebiet ist ein Spezialfall: Wer hier an der Carolus-Magnus-Straße einkaufen möchte, muss zuvor seine Bedürftigkeit nachweisen – shoppen mit schmaler Börse.

Und trotzdem ist das von der Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung Essen (GAB) betriebene Geschäft der Stadtverwaltung ein Dorn im Auge: Es verstößt angeblich gegen den Masterplan Einzelhandel. „Die Nutzung der Halle ist nicht genehmigungsfähig, denn Einzelhandel ist in einem Gewerbegebiet nicht zulässig“, meint man im Rathaus. Jetzt klagt die GAB vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen gegen die Ordnungsverfügung der Stadt.

Seit gut acht Jahren ist die GAB im Gewerbegebiet Carolus-Magnus ansässig. Damals übernahm Geschäftsführer Wilfried Kroke die Halle von einem Fachhandel für Autozubehör. „Ich dachte, eine Nutzungsgenehmigung wäre nicht notwendig gewesen, weil hier schon ein Großhandel war“, erinnert er sich, gibt aber auch zu: „Vielleicht war das naiv von mir.“ Allerdings hatte er die Halle nicht angemietet, um ein Kaufhaus zu eröffnen. „Nein, wir sind ein Beschäftigungsträger, der Langzeitarbeitslose in Arbeit bringen möchte. Das allein ist Sinn der Sache.“ Das Sozialkaufhaus betreibe die GAB nicht, um Gewinn zu machen, „sondern wir wollen Leute einstellen“.

Befürchtung, Lidl und Co. könnten nachziehen

Der Stadtverwaltung ist diese Absicht nicht verborgen geblieben. Pressereferentin Renate Kusch beteuert: „An sich finden wir das Sozialkaufhaus gut. Aber uns stört die Vorbildfunktion.“ Denn wenn die Stadt das Kaufhaus an dieser Stelle, also im Gewerbegebiet akzeptiere, dann könnten auch andere Discounter und Supermärkte kommen und ebenfalls auf diesen Standort pochen.

Ein Argument, das Wilfried Kroke für absurd hält: „Ein Stückchen weiter runter an der Alten Bottroper Straße ist ,Lidl’ und an der Vogelheimer Straße ist ,Kik“. Die zittern schon vor uns, weil wir die Einkaufszentren kaputt machen...“

Auf der Suche nach einer einvernehmlichen Lösung schlug die Stadt der GAB vor, den Textilbereich auszulagern und die Kleidung woanders zu verkaufen. „Die im Rathaus wissen nicht, wie eng unser Finanzrahmen ist“, hält der Geschäftsführer dagegen. „Wir machen im Monat im Textilbereich einen Umsatz von etwa 2000 Euro. Alle Textilien, die wir anbieten, haben wir vorher gewaschen, gebügelt und wenn notwendig ausgebessert. Wenn es hoch kommt, bleiben dann noch 1000 Euro übrig.“ Davon könne man keinen weiteren notwendigen Anleiter finanzieren.

Nun sieht sich die Gesellschaft gezwungen, einen anderen Standort zu suchen. Wilfried Kroke: „Aber finden Sie mal was unter 4 Euro pro Quadratmeter. Und wenn, dann landen Sie gleich wieder in einem Gewerbegebiet.“ Am 24. November steht nun ein Gütetermin vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen an.

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