Schäfchen fahren in Leder

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Pfarrer Heiner Mausehund von der evangelischen Gemeinde Königssteele hält ökumenischen Biker-Gottesdienst.Zuvor treffen sich zahlreiche Fahrer zum Motorradkorso durch das Ruhrgebiet an der Friedenskirche

Steele. Motorradfahrer sind harte Jungs: In schwarzer Lederkluft steigen sie auf die Maschine, starten den Motor und donnern davon. Dass nach der Fahrt ins Blaue einer von ihnen die Lederkombi gegen einen Talar tauscht und auf die Kanzel steigt, um für seine fahrenden Freunde einen Gottesdienst abzuhalten, erwarten wohl die wenigsten.

Für Pfarrer Heiner Mausehund von der evangelischen Gemeinde Königssteele ist das beinahe Routine. Seit fünf Jahren organisiert er mit fleißigen Helfern am ersten Sonntag im Juli den Motorradkorso durch das Ruhrgebiet samt ökumenischem Gottesdienst in der Friedenskirche. Neben der Christlichen Motorradgruppe (CMG) Essen-Steele fuhren dieses Jahr auch Oberhausener Biker (CMO), die Flying Angels und die Blue Knights der Polizeistaffel mit.

Im Prinzip könne sich jeder dem Korso anschließen, betont der Pfarrer und deutet auf die auf dem Parkplatz abgestellten Maschinen mit Kennzeichen aus Bochum, Bottrop und Recklinghausen. Vom Shopper bis zur Rennmaschine stehen da an die 150 bis 200 Motorräder und warten auf ihren Einsatz. Doch bevor es um elf Uhr auf die 60 Kilometer lange Strecke über Heisingen, Kettwig und Mülheim zurück in die Essener City und vorbei am Porscheplatz geht, stärken sich die Fahrer mit Käffchen sowie Wurst- und Käsebrötchen. Die Rockband "5 live" spielt dazu für sie auf.

Schließlich nähert sich der Zeiger der Elf-Uhr-Marke. Die Biker gehen zum Parkplatz, streifen sich die Handschuhe über und setzen den Helm auf. Die blonde Marie-Luise Nierfeld und ihr Freund sind im fünften Jahr mit dabei. "Die Masse und die coolen Leute" ziehen sie wieder auf den Platz an der Friedenskirche, um sich dem Korso anzuschließen.

Auch Manfred Nohlten (74) fährt die Strecke zum fünften Mal mit und hat schon auf seiner 250er Yamaha Platz genommen. Die englische 200er BSA, Baujahr '59 ließ er zu Hause stehen. "Wenn es regnet, ist das alte Mädchen beleidigt", sagt er. Die Fahrt im Korso, im Schutz so mancher Polizeiabsperrung, empfindet er als äußerst entspannend. Als langjähriges Mitglied der Gemeinde freut er sich auch schon auf den Gottesdienst und die anschließenden Fachsimpeleien mit anderen Oldtimer-Besitzern.

Schließlich geht es los. Die Motoren rattern und schnurren, Benzingeruch liegt in der Luft. Nach und nach rollen die Biker in Zweierformation vom Parkplatz und biegen rechts in die Krahwinkelstraße ein. Grünes Schlusslicht bildet ein Polizeiauto. Die Tour beginnt.

Und warum findet der Gottesdienst erst danach, ab 13 Uhr, statt? Pfarrer Mausehund zuckt die Achseln. "Das hat sich so ergeben. Aber man ist insgesamt ruhiger, wenn man vorher was getan hat", grinst er. Dann schwingt auch er sich auf die Maschine, bevor er später mit Lucia van den Boom, katholische Gemeindereferentin in St. Laurentius, den ökumenischen Gottesdienst für seine fahrenden Schäfchen gestaltet.

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