Flüchtlinge

Ein Stück Freiheit auf zwei Rädern - Flüchtlinge reparieren Fahrräder

Gewusst, wie: Ziad repariert unter Anleitung von Dominik Saloks (l.) eines der Räder in derFahrradwerkstatt im Mehrgenerationenhaus. Foto:Knut

Gewusst, wie: Ziad repariert unter Anleitung von Dominik Saloks (l.) eines der Räder in derFahrradwerkstatt im Mehrgenerationenhaus. Foto:Knut

Foto: FUNKE Foto Services

Essen-Frohnhausen.  In der Fahrradwerkstatt des Runden Tisches Holsterhausen reparieren Flüchtlinge unter der Anleitung Ehrenamtlicher gespendete Fahrräder.

Ziad schaut konzentriert. Im Keller des Mehrgenerationenhaus zeigt Dominik Saloks dem 15-Jährigen geduldig, wie er mit einem Schraubendreher die Bremsen am Fahrrad nachziehen muss. Dann überreicht er dem Jugendlichen das Werkzeug. Ziad schraubt sofort los, schaut hoch, lächelt zufrieden.

Auch Dominik Saloks ist zufrieden. Er ist einer der Ehrenamtlichen, die jeden Montag ab 17 Uhr in der Fahrradwerkstatt im Mehrgenerationenhaus zusammen mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen gespendete Fahrräder reparieren. Eine weitere Gruppe arbeitet donnerstags vormittags mit den Bewohnern des Zeltdorfes in der Planckstraße.

Ziad gehört zur ersten Gruppe. Der 15-Jährige ist vor wenigen Monaten aus Afghanistan nach Deutschland geflohen. Zusammen mit 13 weiteren Jugendlichen wohnt er im Mehrgenerationenhaus. Das Reparieren in der Werkstatt macht ihm großen Spaß – nach ein paar Umdrehungen ist die Bremse wieder einsatzbereit, Ziad wieder einen Schritt näher an seinem eigenen Rad. Denn die Fahrräder, die werden nicht einfach verschenkt.

„Die Jungs in der Fahrradwerkstatt haben Verträge für fünf Arbeitstermine. Wenn sie diese erfüllt haben, erhalten sie als Belohnung ein Fahrrad“, erklärt Jan Seidel, einer der Initiatoren des Projekts. Sollte dann etwas defekt sein, sind die Teenager in der Lage, ihr Rad eigenständig zu reparieren – ein zentrales Anliegen der Ehrenamtlichen im Fahrradprojekt.

Die anderen reparierten Fahrräder sind für die Flüchtlinge im Zeltdorf an der Planckstraße bestimmt. „Die Jugendlichen freuen sich unglaublich über die Fahrräder und stürzen sich sofort darauf“, berichtet der 32-Jährige lachend. Denn dank der Drahtesel können die Teenager ihre Umgebung erkunden – eine willkommene Abwechslung im tristen Alltag des Zeltdorfes. „Zusätzlich soll auch ein Leihsystem für die bereits reparierten Fahrräder eingerichtet werden“, berichtet Jan Seidel.

Dass das Projekt zwei wichtige Ziele miteinander verbindet – die Beschäftigung der Teenager und die Förderung ihrer Selbstständigkeit – freut auch Ernst Gulich vom Vorstand des Mehrgenerationenhauses. „Das Projekt ist einfach toll. Die Jugendlichen können hier selbst etwas schaffen. Das hebt ihr Selbstbewusstsein ungemein und fördert auch das Verantwortungsbewusstsein der Teenager.“

Und vergangenen Montag war es dann soweit: Ziad und zwei weitere Jugendliche haben ihre Belohnung auf zwei Rädern erhalten. Auch Ernst Gulich war vor Ort und freute sich mit den Jugendlichen. „Sie waren unheimlich stolz.“

Die Fahrradwerkstatt des Runden Tisches Holsterhausen freut sich über Spenden von Kinder- und Jugendrädern. Auch Fahrräder für Erwachsene, Werkzeuge und Ersatzteile sind willkommen. Die Ehrenamtlichen holen die Räder bei Bedarf vor Ort ab. Weitere Informationen gibt’s im Netz unter: www.runder-tisch-holsterhausen.de

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