Sozialer Wohnungsbau

Dicke Luft am Nienhuser Busch in Katernberg

Petra Leonartz vom Mieternetzwerk Essen-Nord leitete die Veranstaltung im Ev. Gemeindezentrum Katernberg.

Foto: WAZ

Petra Leonartz vom Mieternetzwerk Essen-Nord leitete die Veranstaltung im Ev. Gemeindezentrum Katernberg. Foto: WAZ

Essen-Katernberg.   Die Sozialbindung der Wohnungen, die 1981 am Nienhuser Busch in Katernberg gebaut wurden, läuft aus. Weil die Deutsche Annington deshalb die Miete erhöht, gibt es Proteste.

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Nina Henckel atmete nach zwei Stunden durch: „Das war eine emotionale Veranstaltung!“ Die Mieterversammlung am Dienstagabend im evangelischen Gemeindezentrum am Katernberger Markt war für die 42-jährige Wirtschaftsingenieurin die erste, die sie als neue Pressesprecherin der Deutschen Annington miterlebt hat. Das Mieternetzwerk-Nord hatte zum Einstieg gleich ein passendes Thema parat: „Mieterhöhung ist Mist“: Der Wegfall der Sozialbindung für die Wohnungen am Nienhuser Busch führt zu einer Verteuerung zwischen 40 und 90 Euro im Monat.

Die etwa 30 erschienenen Katernberger machten ihrem Unmut kräftig Luft. Aber nicht nur über die bevorstehende Mietsteigerung, sondern über viele ihrer Erlebnisse als langjährige Mieter der Deutschen Annington. Obwohl Netzwerkerin Petra Leonartz die Versammlung geschickt und routiniert lenkte, hatten die Vertreterinnen des Wohnungsunternehmens gehörige Mühe, ihre Argumente vorzubringen.

Prokuristin Monika Tüller wies z. B. darauf hin, dass die durchschnittliche Miete in den 1981 errichteten Mehrfamilienhäusern mit 5,37 Euro/m2 auch künftig unter der ortsüblichen Vergleichsmiete von 6,23 Euro/m2 liege. Kritisiert wurde aber die Einstufung in „mittlere Wohnlage“, wozu auch eine gewisse Ruhe gehöre. „Ruhig?!“, entfuhr es da einer Mieterin aus dem Nienhuser Busch 43. „Ich lade Sie im Sommer mal ein, wenn die Züge vorbei rattern!“

Die Gaszentralheizung? „Die ist meist kaputt!“, wurde gewettert.

Hausmeister? „Wir haben ja angeblich einen Hausmeister. Er sagt, dass er mit ihr nichts zu tun hat!“

Schimmel in der Wohnung? „Ich habe 1000 Mal angerufen!“

Gegensprechanlage? „Die funktioniert gar nicht, obwohl seit September schon vier Mal ein Techniker da war!“

Asbest im Fußboden? Ein Mieter: „Darauf habe ich schon vor Jahren in einem Brief hingewiesen.“

In diesem Fall betont Pressesprecherin Nina Henckel, dass die Bodenplatten 15 Prozent Asbest enthielten, eine Gefahr aber nur von beschädigten Platten ausgehe. Gehen sie kaputt, sollte das Unternehmen schnellstens informiert werden: „Bei uns ist das dann sofort ein Notfall, und wir reagieren noch am gleichen Tag.“

Ähnlich das Dauerthema Schimmel. „Das ist ein No Go. Schimmel machen wir weg“, betont Monika Tüller.

Beide Annington-Mitarbeiterinnen versuchten dem Eindruck der Mieter entgegenzuwirken, dass diese aus den Wohnungen gedrängt werden sollten. Nina Henckel: „Die Zeiten des Verkaufs sind vorbei. Wir möchten unsere Bestände langfristig bewirtschaften.“

Und die Mietsteigerung? Monika Tüller: „Das Thema ,Soziale Härte’ werden wir sehr individuell prüfen.“

„Da fühle ich mich wie ein Schulind“ 

Einen Teil ihrer Mietwohnungen hat die Deutsche Annington verkauft. Auch wenn sie diese Strategie nicht weiter verfolgt, blieben die Häuser Nienhuser Busch 41-47 weiterhin im Angebot.

Für die Bewohner der noch nicht verkauften Wohnungen hat die Umwandlung in Eigentumswohnungen z. T. skurrile Folgen. „Man fühlt sich wie ein Mieter zweiter Klasse“, wurde geklagt. „Wir bekommen nicht den Namen des Eigentumsverwalters genannt, weil man das nicht dürfe. Da fühle ich mich wie ein Schulkind, wenn ich die Deutsche Annington anrufe!“

Die Pflege der Grünanlagen ist auch ein ständiges Thema in der Siedlung. Auffällig: Die Wiesen hinter den Eigentumswohnungen werden zu einem anderen Zeitpunkt gemäht als hinter den Mietshäusern. „Da bleibt das Gras wie mit dem Lineal gezogen einfach stehen, um dann nach wenigen Tagen vom gleichen Team doch geschnitten zu werden“, schüttelte eine Mieterin über diesen „Irrsinn“ den Kopf.

Dass die Mieter auch künftig nichts für die Gartennutzung bezahlen müssen, wurde nur beiläufig zur Kenntnis genommen. Dabei war Annington in anderen Städten heftig kritisiert worden, weil es für die Wiesennutzung hinterm Haus Geld nehmen wollte.

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