Angeln am kanal

Der Rhein-Herne-Kanal hält für Angler viel Fang bereit

Mete Kaplan und Markus Rau entspannen beim Angeln am Rhein-Herne-Kanal in Dellwig.

Mete Kaplan und Markus Rau entspannen beim Angeln am Rhein-Herne-Kanal in Dellwig.

Foto: Rebecca Häfner

Dellwig.  Rhein-Herne-Kanal – das ist für viele Menschen noch gleichbedeutend mit schmutzigem Wasser. Dass dem nicht so ist, bestätigen zwei Angler.

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Mete Kaplan und Markus Rau nehmen gut eingepackt in ihren Campingstühlen Platz und blicken auf die drei Angelruten am Ufer des Rhein-Herne-Kanals, während das Frachtschiff „Varius“ gemächlich Richtung Osten tuckert. Hier, an der Stadtgrenze von Essen und Oberhausen, herrscht Ruhe. Selbst von der hektischen Betriebsamkeit auf der nahen Prosperstraße ist nichts zu hören.

Rau und Kaplan gehören dem Essener Verein A.N.G.E.L.N. an. Die Abkürzung steht für Angeln, Natur, Gesundheit, Erleben, Lernen, Nutzen.

Ein Karpfen von stolzen 30 Pfund

Angeln im Rhein-Herne-Kanal – welchen Fang kann man da schon machen?

„Zander kann man zum Winter hin gut fangen“, sagt Mete Kaplan, der hauptberuflich als Bademeister in Steele tätig ist. Auch Hechte gingen ganz gut. Im Herbst geht auch Karpfen ganz gut.

Ganz gut ist untertrieben. Zum Beweis zieht der 47-Jährige sein Handy aus der Tasche, scrollt durch die Foto-Galerie und dreht es dann mit einer gewissen Genugtuung so, dass das Bild für alle sichtbar ist. Es zeigt ihn, einen dicken Fisch in beiden Händen haltend. „Der Karpfen hatte seine 30 Pfund“, sagt Mete Kaplan mit Stolz. Das reiche schon für eine Mahlzeit für eine mehrköpfige Familie. Außerdem gebe es – je nach Saison – Weißfische wie Rotaugen oder Rotfedern, Aale oder eben Stoßräuber wie Hecht, Barsch oder Zander zu fangen.

Wasserqualität des Kanals deutlich verbessert

„Vor zwei Jahrzehnten war das Wasser im Kanal noch stark verschmutzt. Heute ist es deutlich klarer“, erzählt Markus Rau, der seit seinem vierten Lebensjahr angelt.

Der 47-jährige Vertriebsassistent muss es wissen. Er ist nicht nur Mitglied des Vereins, sondern auch sein Wasserwart. Durch die Zechenschließungen sei die Belastung zurückgegangen. Und auch die Schifffahrt würde das Wasser nicht mehr so verschmutzen wie früher.

Klares Wasser aber bedeutet weniger Futter für die Fische und damit weniger Fische. „Deshalb gibt es auch eine intensive Besatzpolitik“, sagt Markus Rau. Soll heißen: Der Verband setze junge Fische im Kanal aus, um einen gewissen Bestand zu gewährleisten.

Marzipan für Brassen und Karpfen

Heute wollen die Fische nicht so recht beißen – was immer Mete Kaplan auch in den kleinen Futterkorb stopft, der an der Angelschnur hängt, den er mit heftigen Schwung gut 60 Meter den Kanal schleudert. Maden, Mais oder die rotfarbene Futtermischung – nichts führt zum Erfolg.

Beim Versuch, Fische mit Ködern anzulocken, sind der Fantasie keine Grenzen setzt. Alles, was Erfolg versprechen könnte, wird ausprobiert. „Brassen und Karpfen mögen auch gern mal etwas Süßes wie Marzipan“, weiß Markus Rau zu berichten.

Hechte stehen mehr auf Köderfische oder Kunstköder. Und Barsche seien etwas doof, weil sie auf alles bissen. Trotz allem: Heute bleibt der Kescher, mit dem die Angler den gefangenen Fisch anlanden, wie es in der Fachsprache heißt, ungenutzt. Nach Stunden am Kanal müssen die beiden Männer ohne Fang von dannen ziehen.

Kein Fisch beißt an – trotzdem kein Frust

Frust macht sich bei Mete Kaplan und Markus Rau aber nicht breit. „Für mich ist Angeln auch Entspannung von der Anspannung auf der Arbeit“, sagt Kaplan. Durchatmen in der freien Natur. Im Sommer könne das auch schon mal zehn bis zwölf Stunden dauern. „Wenn ich längere Zeit nicht angeln war, dann werde ich unruhig. Das merkt meine Freundin sehr schnell, dann kocht sie Kaffee, füllt ihn in die Thermoskanne und los geht’s“, erzählt der gebürtige Türke.

Markus Rau hatte im ablaufenden Jahr nicht so viel Zeit wie sonst, am Kanal zu sitzen und seine Angeln auszuwerfen. Karpfen gibt es an Silvester trotzdem. Den hat er diesmal nur beim Züchter seines Vertrauens gekauft.

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