Soziales

Nimm einen Flüchtling mit...

Mousab Nazal  aus Syrien war in Essen einer der ersten Flüchtlinge, der von der Aktion „Fahr auf meinem Ticket!“ profitierte. Antonia Adams nahm ihn mit in den Bus der Linie 145.

Mousab Nazal aus Syrien war in Essen einer der ersten Flüchtlinge, der von der Aktion „Fahr auf meinem Ticket!“ profitierte. Antonia Adams nahm ihn mit in den Bus der Linie 145.

Foto: Caritas

Essen.  Mit einer außergewöhnlichen Initiative können Flüchtlinge zu bestimmten Zeiten kostenlos in Bus und Bahn mitfahren. Die Idee hatte eine junge Studentin.

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Die Stadt Essen ist für viele Flüchtlinge völlig fremd. Sie kennen sich nicht aus, die Ruhr-Metropole ist für sie eine Landkarte mit weißen Flecken. Und die meisten sind nicht mobil genug, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu sehen, Einrichtungen zu besuchen und Menschen aus ihrer neuen Umgebung kennenzulernen.

Die 22-jährige Rebecca Radmacher, Studentin der Sozialen Arbeit, entwickelte jetzt mit der Caritas in Essen einen Plan, wie man die Flüchtlinge in Essen, Bochum und Duisburg aufs Trittbrett bekommt. Ein blauer Button mit der Aufschrift „+1“ und einem abgebildeten Anhalterdaumen ist der Freifahrtschein. Fahrgäste, die bereit sind, einen Flüchtling mit in die Straßenbahn oder in den Bus zu nehmen, heften sich die Ansteckplakette an die Jacke und signalisieren damit ihre Bereitschaft.

Dies ist zu bestimmten Zeiten möglich, da Inhaber von einigen Monatskarten (Ticket 2000, YoungTicketPlus, Bären-, Firmen- und Semesterticket) ab 19 Uhr abends sowie ganztägig an Wochenenden und an Feiertagen mindestens eine Person kostenlos mitfahren lassen dürfen.

Verkehrsgesellschaften unterstützen die Aktion

Eine ähnliche Initiative gab es vor einigen Jahren mit dem Roten-Punkt-Button in Düsseldorf, wo Studenten andere auf ihrer Monatskarte mitfahren ließen und sich damit gleichzeitig für die Einführung eines Sozialtickets stark machten.

Daran erinnerte sich Rebecca Radmacher während ihres Praktikums bei Youngcaritas am Porscheplatz, ein Projekt der Caritas, das junge Menschen für soziale Initiativen ansprechen will. Gemeinsam mit der Projektleiterin Sarah Scholl wurde dann die Flüchtlingshilfe vorbereitet, die vor wenigen Wochen in Essen mit 15 Ehrenamtlichen startete. Darunter die 21-Jährige Antonia Adams aus Bochum, die hier im Linienbus 145 den 42-jährigen Bauingenieur Mousab Nazal aus Damaskus mitnahm. Weil sie nach eigenen Worten etwas von dem „Glück abgeben“ wollte, „hier in einem Land zu leben, in dem kein Krieg herrscht.“ Für Rebecca Radmacher bietet die Aktion „Fahr mit auf meinem Ticket!“ auch eine Chance für Flüchtlinge „hier Kontakte zu knüpfen“ und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die Essener Verkehrsgesellschaft Evag hat mit den Buttons nicht das geringste Problem. Die gewährte „Mitnahmemöglichkeit hat der Kunde mit eingekauft“, so Sprecher Nils Hoffmann. „Dann darf er sie auch einsetzen.“ Und die Bochumer Verkehrsbetriebe Bogestra werben sogar ganz oben auf ihrer Internetseite mit der Aktion „Flüchtlinge mitnehmen“.

Bistum und Caritas steuern Geld bei

Um Missverständnisse auszuschließen, betont Nils Hoffmann, müsse aber erkennbar sein, dass der Kunde von vornherein den Mitfahrer bei sich haben wollte. Ein Zuruf erst bei einer Kontrolle werde da nicht akzeptiert.

Und Rebecca Radmacher rät jedem Fahrgast dringend, genau darauf zu achten, was mit seinem Ticket möglich ist – und was nicht. Die Plakette sollte auch nur zu den in Frage kommenden Zeiten getragen werden. Radmacher: „Das sagen wir jedem, der ein Button bekommt.“

Flüchtlinge in Deutschland 5.000 Buttons wurden schon verteilt. Der AStA der Uni Duisburg-Essen hat weitere 8.000 Buttons sowie 10.000 Flyer bestellt und 2.000 Euro zur Verfügung gestellt. Finanzielle Unterstützung kam auch vom Bistum Essen (6000 Euro) und von der Caritas (2000 Euro).

Junge Helfer gehen derzeit auch in Flüchtlingseinrichtungen, um über die Initiative zu informieren und Flyer in sechs Sprachen zu verteilen. So soll das neue Angebot schnell die Runde machen.

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