„(Nil-)Kreuzfahrt mit Krayer Bühnen-Besatzung

Wer in einem ehemaligen Klassenzimmer vor mittelbequemen Klappstühlen gegen die ikonischen Bilder einer populären Kinoproduktion anspielt, braucht vor allem eines: Mut. Wem es gelingt, sein Publikum damit zwei Stunden bestens zu unterhalten, beweist noch mehr: Authentizität, Esprit und vor allem Spielfreude.

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Wer in einem ehemaligen Klassenzimmer vor mittelbequemen Klappstühlen gegen die ikonischen Bilder einer populären Kinoproduktion anspielt, braucht vor allem eines: Mut. Wem es gelingt, sein Publikum damit zwei Stunden bestens zu unterhalten, beweist noch mehr: Authentizität, Esprit und vor allem Spielfreude.

Die Rede ist von „Tod auf dem Nil“, der neuen Produktion der Studiobühne Kray. Hier wird, basierend auf Agatha Christies Roman, nicht nur die klassische Konstellation (Mord in überschaubarem Personenkreis: Alle Anwesenden sind zugleich auch Verdächtige) nachgespielt, hier ist der Zuschauer mittendrin! Ein gelungener Kunstgriff von Regisseurin Kerstin Plewa-Brodam, die auch das mit vielen heiter ironischen Details aufwartende Bühnenbild verantwortet: Sie lässt die Besucher gleich zu Anfang vom knorrigen Steward (Publikumsliebling Wolfram Söderberg) an Bord des Nildampfers bitten und dort zunächst der privilegierten Reisegruppe beim blasiert Gucken zuschauen. Die Grillen zirpen laut vom Band, das weibliche Bühnenpersonal fächelt: Die drückende Schwüle des Niltals ist so greifbar, dass man solidarisch mittranspiriert.

Schließlich kommt Bewegung in die Szene: Es entfaltet sich ein schräges Panoptikum skurriler Charaktere, deren Geschichten enger miteinander verflochten sind, als es zunächst scheint. Darstellerisch brilliert hier das Damentrio Vera Swenshon, Ann-Kathrin Hundt (als überspannte Rivalinnen) und Aless Wiesemann (als französisches Dienstmädchen mit Attitüde). Aber auch das hintergründige Ruhrgebietskolorit, mit dem Hans Rodehüser den geistlichen Ermittler ausstattet und Heidi Mattens norddeutsch gefärbter Standesdünkel machen Freude, ebenso wie Sandra Maders in serviler Abhängigkeit resignierte Nichte, Ralph Evers’ zynischer Salonbolschewik mit Adelshintergrund, Sina Hentschels pragmatische Ärztin mit Neigung zur Dominanz und nicht zuletzt Sebastian Hartmanns schmierlappiger Heiratsschwindler.

Die (von den beiden Hauptdarstellerinnen) liebevoll komponierte 50er-Jahre-Garderobe macht die Vorstellung auch modisch zu einer runden Sache. Die nächsten Vorstellungen sind schon ausverkauft.

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