Wandern

Neuer „Kettwiger Panoramasteig“ in Essen wird 2020 eröffnet

Ausblicke sind garantiert: Blick vom Pastoratsberg auf die Werdener Altstadt, durch die der Kettwiger Panoramasteig verläuft.

Ausblicke sind garantiert: Blick vom Pastoratsberg auf die Werdener Altstadt, durch die der Kettwiger Panoramasteig verläuft.

Foto: Jochen Tack

Essen.  Nach dem großen Erfolg des Baldeneysteigs, wird es in Essen mit dem Kettwiger Panoramasteig einen zweiten ambitionierten Premium-Wanderweg geben.

Unter Wanderern ist der 2017 eingeweihte Baldeneysteig längst eine eingeführte Marke, mit Ausstrahlung weit über Essen hinaus. Nun nimmt eine zweite Langstrecken-Route auf Essener Stadtgebiet konkrete Formen an: Der „Kettwiger Panoramasteig“ schließt an den Baldeneysteig an, steht aber als geschlossener Rundweg für sich und wird auch eine eigene Markierung erhalten. Lars Büttner, Leiter der Touristik-Abteilung der Essen Marketing GmbH (EMG), stellte das Projekt jüngst im Stadtteilparlament Kettwig-Werden vor. Die Eröffnung ist im ersten Quartal 2020 geplant.

Es war der frühere Chef des Grüne Hauptstadt-Büros, Ralph Kindel, der vor über einem Jahr die Idee hatte, den von ihm maßgeblich realisierten Baldeneysteig um einen weiteren Weg zu ergänzen. Nachdem er mehrfach Streckenabschnitte gegangen war und das Kartenmaterial analysiert hatte, schälte sich ein 33 Kilometer langer Weg heraus, der jeweils nördlich und südlich auf den Ruhrhöhen zwischen Werden und Kettwig verläuft. Die EMG, durch den Erfolg des Baldeneysteigs freudig überrascht, ließ die neue Idee nicht lange liegen und machte sich an die Umsetzung.

Das Anschreiben der Grundeigentümer hat ein Jahr gedauert

Schnell ging das nicht. „Allein die Eigentümer der Teilwegstrecken ausfindig zu machen, war eine Herkulesaufgabe“, erläutert Büttner. Die neue Datenschutzgrundverordnung habe dazu geführt, dass dieser Prozess ein Jahr dauerte.

Die Eigentümer können laut NRW-Landschaftsgesetz zwar nicht verhindern, dass auf ihren Grundstücken Wanderzeichen angebracht und beispielsweise Feldwege fürs Wandern genutzt werden, ein Recht auf Information und Anhörung haben sie aber schon.

Ein paar kleinere Konfliktpunkte mit der Untereren Landschaftsbehörde gibt es bei der Trassen-Festlegung allerdings noch. Es geht dabei um einige Trampelpfade, die für Wanderer besonders attraktiv sind und die seit jeher schon viel genutzt werden, jedoch nach den Wünschen der Behördenmitarbeiter nicht offiziell als Wanderweg ausgewiesen werden sollen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir uns da noch einigen werden“, sagte Büttner dieser Zeitung. Erst nach dieser Einigung kann dann der Sauerländische Gebirgsverein mit der Markierung beginnen.

Der Kettwiger Panoramasteig ist noch einige Kilometer länger als der Baldeneysteig

Der Name „Panoramasteig“ ist Programm. Schon der gut 26 Kilometer lange Baldeneysteig besticht mit seinen Ausblicken auf die Ruhrtal-Landschaft. Die Fortsetzung zwischen Werden und Kettwig hat in diesem Punkt sogar noch etwas mehr zu bieten.

Ein paar Kilometer länger ist der Kettwiger Steig auch, jedenfalls wenn man die gesamte Runde gehen will: 33 Kilometer sind selbst für ambitionierte Geher eine stramme Leistung. Die Gesamttour lässt sich aber auch splitten, wer zum Beispiel am Werdener S-Bahnhof startet, kann in Kettwig mit dem Zug zum Ausgangspunkt zurückkehren und sich an einem anderen Tag die andere Hälfte des Weges vornehmen.

Wie für den Baldeneysteig, soll es auch für den neuen Weg eine Wanderkarte geben, kündigte Lars Büttner an. Wobei die Markierung - wenn sie denn da ist - eigentlich keine Fragen offen lassen sollte. Wer es nicht erwarten kann, braucht bis auf weiteres jedoch etwas Findigkeit und sollte mit einer der vorhandenen Wanderkarten der Stadt umgehen können. Auch die Grafik auf dieser Seite hilft.

Die neue Route verläuft ausschließlich auf bereits bestehenden Wegen, Pfaden und Straßen

Der Kettwiger Panoramasteig verläuft ausschließlich auf bereits bestehenden Wanderwegen und Straßen. Grobe Beschreibung: Vom Werdener S-Bahnhof geht es zunächst auf die nördliche Seite der Schienen und dort dann einige hundert Meter an der geologischen Wand entlang parallel zur vierspurigen B 224.

Einen guten Kilometer lang führt der Weg dann über den Baldeneysteig, verlässt diesen aber in Höhe des Wildgeheges im Heissiwald. Die Höhen über der Ruhr am Kanonenberg bieten dann die ersten eindrucksvollen Ausblicke.

Über Wolfsbachtal und Ruthertal führt der Weg hoch zur Meisenburgstraße, wo nach der Querung eine lange Passage in der offenen Landschaft im Grenzgebiet zwischen Essen und Mülheim beginnt. Über Kettwig-Ickten, Auf der Höhe und dem Kettwiger Stadtwald geht es zur Ruhrbrücke und hinüber zum südlichen Teil des Steigs, der insgesamt mehr Waldabschnitte bietet.

Oefter Wald und die Freiflächen im Bereich der Straße Timpen sind die wichtigsten Stationen, bevor es dann über den Pastoratsberg zurück nach Werden geht.

Es gibt auch einen Nachteil des neuen Wegs: Er ist relativ asphaltlastig

So vielfältig und aussichtsreich der Weg ist, an einem Punkt wird sehr deutlich, dass die Tour sich im Dunstkreis von Großstädten und dicht besiedelter Landschaft bewegt: „Die Wege sind sehr asphaltgeprägt“, sagt Martin Velling, Vorsitzender der Abteilung Kupferdreh des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV), der die Markierungsarbeiten übernehmen wird.

Wanderer mögen Asphalt nicht besonders. Ein hoher Anteil von Wiesen- Feld- und Waldwegen - eine Stärke des Baldeneysteigs - ist gelenkschonender, vermittelt vor allem auch weit eher das Gefühl, in der freien Natur zu sein.

Nach einer Richtlinie des Deutschen Wanderinstituts, der das touristisch begehrte Label „Premium-Wanderweg“ verleiht, dürfen ausgezeichnete Wanderwege nur zu maximal 15 Prozent über versiegelten Boden gehen. Da liegt der Kettwiger Panoramasteig weit darüber.

Ralph Kindel ist dennoch sicher, dass der Weg – ähnlich wie der Baldeneysteig – rasch ein Erfolg wird. Und auch im Stadtteilparlament Kettwig-Werden war bei Bezirksbürgermeister Michael Bonmann die Freude groß.

„In einer früheren Industriestadt erwartet einfach kaum jemand so ein Angebot“

EMG-Geschäftsführer Richard Röhrhoff sieht dank der beiden kombinierbaren Steige die Chance, Essen noch mehr als jetzt als Ziel von Wanderreisen zu etablieren. Dabei geht es nicht nur um die Qualität der Wege und der beiden geschichtsträchtigen Stadtteile, die sie berühren. Röhrhoff findet vor allem das Überraschungsmoment faszinierend, das in der Tourismuswerbung Früchte tragen soll: „In einer früheren Industriestadt erwartet einfach kaum jemand ein solches Angebot.“

Genau das soll Teil einer touristischen Erzählung über Essen sein. „Wir können alle Arten von Erlebnissen bieten – Kultur, Einkaufen, Wellness, stille Erholung und eben auch einen fordernden Steig, der mit Wanderwegen in anderen Regionen mehr als nur mithalten kann“, so Röhrhoff.

Wer die beiden Steige kombiniert, kann über drei Tage fast 60 Kilometer am Stück durch Essen laufen - wenn er will. Kaum eine deutsche Großstadt könne so etwas innerhalb ihrer eigenen Stadtgrenzen bieten.

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