Bauarbeiten

Nasse Keller in Essen: Karnaper beklagen weitere Schäden

Derzeit befindet sich die Baustelle in der Straße Waldemey in Karnap. Der erste Bauabschnitt in Karnap-Ost wurde bereits abgeschlossen.

Derzeit befindet sich die Baustelle in der Straße Waldemey in Karnap. Der erste Bauabschnitt in Karnap-Ost wurde bereits abgeschlossen.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen-Karnap.  Lange kämpften Karnaper dafür, dass die Stadtwerke ihre Keller trockenlegen. Nun sollen bei den Bauarbeiten weitere Schäden entstanden sein.

Jahrelang mussten die Karnaper darauf warten, dass ihre nassen Keller endlich trockengelegt werden. Nun lassen die Stadtwerke Essen seit 2018 endlich ein entsprechendes Drainagesystem bauen und schon droht der nächste Ärger: Durch die Bauarbeiten komme es zu Schäden an den betroffenen Häusern, so die Klage der Bewohner.

Über 30 Hausbesitzer haben sich mittlerweile an den SPD-Ortsvereinvorsitzenden aus Karnap, Michael Schwamborn, gewandt. Ihre Bitte: Er möge sie bei der Durchsetzung ihrer Schadensregulierung gegenüber den Stadtwerken unterstützen. Viele berichten über beschädigte Decken und Wände.

Darunter die Familie Rösener, die vor 18 Jahren ein Haus im Lünschermannborn gekauft hat. Dort sind bereits die Arbeiten der von den Stadtwerken beauftragten Firma Wittfeld beendet und haben laut Olaf Rösener deutliche Spuren im Haus hinterlassen: Die Außentreppe zeigt tiefe Risse, hat sich quasi von der Hauswand gelöst; Risse durchziehen auch die Wände der großen Wohnküche im Erdgeschoss. „Die sind entstanden, nachdem eine große Maschine Spundwände sieben Meter tief in die Erde gerammt hat“, erzählt der 50-jährige Familienvater, „dabei hat das ganze Haus gebebt“.

Vor den Baumaßnahmen wurde das Haus nicht begutachtet

Sein Pech: Es gab vor dem Beginn der Baumaßnahme keine Begutachtung seines Hauses, wie es die Stadtwerke Essen ursprünglich angekündigt hätten. „Unser Anwalt hat uns gesagt, dass wir in der Beweispflicht seien. Aber ohne ein vorheriges Gutachten ist das schwierig“, sagt Rösener, dessen Haus übrigens zu den wenigen gehört, das keinen nassen Keller hatte.

Nein, eine Erstbeweissicherung sei nicht zwingend Grundlage, um Schadenersatzansprüche im Nachgang anzumelden, sagt Stadtwerke-Sprecher Dirk Pomplun. Am Lünschermannborn seien rund 120 Häuser begutachtet, worden, bei sechs Häusern habe keine Begutachtung stattgefunden.

Der geschätzte Schaden liegt bei 14.000 Euro

„Alle Hauseigentümer haben bei den Stadtwerken Essen im Nachgang Schäden angemeldet“, so Pomplun weiter. Die Schäden seien dann begutachtet worden, „aber aus unserer Sicht gibt es jedoch keinen direkten Bezug zwischen der Baumaßnahme und den angemeldeten Schäden“. Trotzdem hätten die Stadtwerke inzwischen mit fünf Hauseigentümern eine Kulanzregelung vereinbart, mit dem sechsten Hauseigentümer sei man noch im Gespräch.

Olaf Rösener gibt seinen von einem Gutachter geschätzten Schaden mit 14.000 Euro an. Ob er sich auf einen Vergleich mit den Stadtwerken einlassen wird, der auch einen Verzicht auf jegliche zukünftige Forderungen beinhaltet, weiß er noch nicht. „Bei einer von der Karnaper SPD initiierten Zusammenkunft der betroffenen Hausbesitzer hat ein Anwesender beobachtet, dass beim Herausziehen der hohen Spundwände die dadurch entstandenen Hohlräume nicht richtig verfüllt worden seien. Das macht mir Sorgen. Denn dann könnte es noch später zu Schäden wie Absackungen kommen“, sagt er.

Die Stadtwerke sehen keine Gefahr, dass es nachträglich zu Absackungen kommen könnte

„Das ist aus unserer Sicht nicht richtig“, so der Stadtwerke-Sprecher. Zwar habe es in der Vergangenheit Anhaftungen an den Spundwänden beim Herausziehen gegeben, „aber wir haben direkt einen Bodengutachter mit hinzugezogen. In diesen Bereichen wurde zusätzliches Verfüllmaterial eingebracht und entsprechend verdichtet“. Diese Verdichtungen würden regelmäßig durch sogenannte „Lastplattendruckversuche“ kontrolliert. Momentan gebe es keine Anhaftungen. „Die Gefahr, dass es Absackungen gibt, sehen wir nicht“, sagt Dirk Pomplun.

Die Treppe schief, Risse in den Wänden

Fast identische Schäden wie sie Familie Rösener beklagt, zeigt auch das Haus von Blerton Shala an der Straße In der Vogelwiesche direkt an der Emscher: Hier ist ebenfalls die Treppe schief und abgesackt und zeigt Risse entlang der Hausmauer. „Und ich habe in fast jedem Zimmer Risse“, sagt der Ingenieur und dreifache Familienvater, der das Haus erst 2014 gekauft, komplett umgebaut und renoviert hat. Damals war der Keller nass, das wusste er beim Kauf. Aber damals war auch schon klar, dass die Drainage endlich gelegt wird, „allerdings haben wir früher damit gerechnet.“ Doch nun sei der Keller trocken, könne jetzt gründlich renoviert werden.

„Vermeintlich gleiche Schäden, die an unterschiedlichen Häusern entstehen, sind nicht so ohne Weiteres vergleichbar. Das gilt besonders, wenn sie räumlich deutlich getrennt voneinander stehen“, entgegnet Dirk Pomplun.

Die Schäden wurden begutachtet, ein Ergebnis liegt noch nicht vor

Ob auch die Stadtwerke Essen für seine Schäden im Haus aufkommen, ist noch nicht geklärt. Aber der Karnaper hat etwas mehr Glück als die Röseners: Bei ihm war bereits vor der Maßnahme ein Gutachter im Haus, „aber ich musste mich selbst darum kümmern. Denn ich stand aus unerfindlichen Gründen nicht auf seiner Liste“. Nur seinem energischen Nachhaken und Nachfragen sei es zu verdanken, dass Fotos vom Zustand des Hauses vor den Bauarbeiten gemacht worden seien.

Nun seien inzwischen auch die Schäden begutachtet und aufgenommen worden, „aber ich habe noch kein Ergebnis und keine Nachricht bekommen“. Derzeit würden In der Vogelwiesche noch Schlussbeweissicherungen und Schadensbegutachtungen durchgeführt, heißt es von Seiten der Stadtwerke.

26 Hauseigentümer haben ihre Schäden angemeldet

Natürlich hofft Blerton Shala darauf, dass die Kosten für die Beseitigung voll übernommen werden, „das hat man uns im Vorfeld ja auch zugesagt“. Schließlich habe er viel Geld und viel Arbeit in das Haus gesteckt, in das auch seine Eltern mit eingezogen sind.

Alles in allem hätte er bisher 26 Schadensanzeigen von Karnapern aufgenommen, um die er sich nun kümmere, sagt Michael Schwamborn. Die Fälle werde er nun einzeln auflisten und nochmals an die Stadtwerke weitergeben. „Ich hoffe sehr, dass alles geklärt wird.“ Denn die Bürger hätten ja lange Ärger gehabt mit ihren nassen Kellern, „und dieser Ärger soll sich ja eigentlich nicht weiter fortsetzen“.

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