Schiffsunfall

Nach Schiffsunfall: Stromausfall-Opfer warten auf Geld

Dieser Autokran im Stadthafen Essen kollidierte am 5. Mai mit einer Hochspannungsleitung – und riss sie ab.

Foto: Kerstin Kokoska

Dieser Autokran im Stadthafen Essen kollidierte am 5. Mai mit einer Hochspannungsleitung – und riss sie ab. Foto: Kerstin Kokoska

Essen-Bergeborbeck.   Nach dem Schiffsunfall im Stadthafen warten die Stromausfall-Opfer noch auf das Geld der Versicherung. Prozess in Rotterdam beginnt im Oktober.

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Auf ihre Heizung wartet Hildegard Vittinghof aus Vogelheim noch heute. Denn die Therme im Haus sind seit dem Schiffsunfall im Stadthafen, als am 5. Mai ein Kanalschiff die Hochspannungsleitung von Westnetz herunter riss, noch immer defekt.

Bisher hat noch immer keine Versicherung bezahlt. Dafür hat die 61-Jährige jetzt aber eine Einladung bekommen. Sie dürfe gerne an der Gerichtsverhandlung in Rotterdam beiwohnen, wenn der Schiffseigner (nicht die Versicherung, wie irrtümlich berichtet) der „Gerarda Theodora“ aus den Niederlanden um eine Haftungsbegrenzung ersucht. Der Termin ist für Dienstag, 3. Oktober, 13 Uhr, anberaumt.

Schiffsunfall: Prozess in Rotterdam

Nach Rotterdam wird die Vogelheimerin ebenso wenig fahren wie Erich Konitzer. Dem 85-jährigen Altenessener sind am 5. Mai ein elektrischer Durchlauferhitzer und eine Kühlkombination kaputt gegangen. Bemerkt hatte er das Dilemma erst, als es aus dem Kühlschrank tropfte. 1807,74 Euro hat er deshalb Westnetz in Rechnung gestellt: „Ich bitte um Erstattung des durch Sie verursachten Schadens.“

Der Reisebürokaufmann wohnt an der Bäuminghausstraße und damit offenbar an der südlichen Grenze des Stadtgebiets, in dem der Stromausfall zu Schäden geführt hat. „Wir hatten damals etwa zwölf Aufträge“, erinnert sich Elektromeister Horst Kanoniczak, Geschäftsführer GmbH.

Ein Bekannter hatte einen Schaden von 5000 Euro aufgelistet. Andere Betroffene hätten ihre Kosten mit den Wohnungsverwaltungen abrechnen können, manche hatten aber auch kein Geld für eine Reparatur gehabt. „Das waren Sachen, die gehen gar nicht“, schüttelt der Handwerker noch immer den Kopf.

Stadt und Westnetz richten Hilfsfonds ein

Die Stadt hatte damals in aller Eile gemeinsam mit Westnetz einen Hilfsfonds eingerichtet. Im Stadion an der Hafenstraße war eine Meldestelle eingerichtet worden. „Damit die erste Not gelindert werden konnte und Familien nicht ohne Herd oder Kühlschrank dastehen“, sagt Sozialdezernent Peter Renzel. Die von Westnetz zur Verfügung gestellten Gelder seien ausgezahlt worden „ohne Hinweis auf die Schuldhaftigkeit“.

Wer jetzt, so wie Erich Konitzer, hofft, dass Westnetz den Schaden reguliert, hat schlechte Karten. Denn „das alleinige Verschulden“ liege „auf Seiten des Schiffsführers“, schreibt der Schadensregulierer im Namen der AXA Corporate Solutions in Köln. Ein Verschulden der Westnetz GmbH gemäß Paragraf 18 der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) sei ebenso „nicht ersichtlich“ wie ein Anspruch aus dem Produkthaftungsgesetz. Abschließend bekommt Erich Konitzer noch den Hinweis, dass er einen „Selbstbehalt in Höhe von 500 Euro“ auf jeden Fall zu tragen hätte.

Doch der Reisekaufmann lässt sich davon nicht überzeugen. „Westnetz hätte bei der Montage vor vielen Jahren vorausschauend erkennen müssen, dass die Schiffe und deren Aufbauten aus Rentabilitätsgründen auch mal größer werden, und die Leitungen dementsprechend ein paar Meter höher montieren müssen, oder später nachrüsten müssen“, entgegnet er der Versicherung.

Hoffnung auf eine Interessengemeinschaft

Da auch EOC in Meppel, die Versicherung des Schiffs, klipp und klar erklärt, dass „eine Regulierung der Schäden“ derzeit nicht in Betracht komme, hofft Erich Konitzer nun, dass sich noch eine Interessengemeinschaft der Geschädigten gründet und gemeinsam den Rechtsweg sucht, damit nicht jeder allein mit seinem Schaden bleibt. Er selbst könne allein aus Altersgründen aber diesen Schritt nicht zuerst gehen.

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