Sicherheit

Nach der Randale: Polizei Essen will gezielt Stärke zeigen

Mittwochabend in Altendorf: Viel Blaulicht um nichts. Doch die Polizei demonstriert so Stärke nach außen.

Mittwochabend in Altendorf: Viel Blaulicht um nichts. Doch die Polizei demonstriert so Stärke nach außen.

Foto: KDF/Witte

Essen.   Dem Gefühl, dass sich in Essen etwas zusammenbraut und Paralleljustiz um sich greift, begegnet die Ordnungsmacht mit demonstrativer Präsenz.

Die Döner-Kunden von nebenan zückten prompt das Handy, sowas hat man hier schließlich nicht alle Tage: 17 Streifenwagen im zuckenden Blaulicht auf 300 laufenden Metern Altendorfer Straße, Einsatzhundertschaft und Kräfte mit Maschinenpistolen, die Tram gestoppt, die Straße gesperrt und die Polizisten – ratlos. Denn vom per Notruf gemeldeten marodierenden Mob ist hier nichts zu sehen, falscher Alarm. Zurück bleiben nach 30 Minuten ein paar Livevideos im Internet und bei manchem die Frage: Hyperventiliert die Polizei neuerdings?

Christoph Wickhorst weiß um die Häme, die gerade in diesen Tagen in sozialen Medien schnelle Verbreitung findet. Doch für den Polizeisprecher bemisst sich der Wert solcher Einsätze mit „massiven Kräften“ wie es im Polizei-Jargon heißt, nicht allein an der Zahl der festgenommenen Personen. Vielmehr geht es um ein Signal der Stärke, seit am späten Dienstagabend rund drei Dutzend Randalierer eine arabische Teestube im Südostviertel heimsuchten. „Es geht darum, Flagge zu zeigen, deutlich zu machen, dass wir in der Stadt keine Paralleljustiz dulden.“

„Schüsse“ entpuppten sich als fallende Metallplatten

Denn danach sieht aus, was als Videos aus Überwachungskameras die Runde macht: In Nobelkarrossen fahren junge starke Männer vor, kloppen auf Mensch und Material und machen sich zügig wieder aus dem Staub. „Das kann ganz schnell gehen“, so Wickhorst, und nun zeigt die Ordnungsmacht, dass sie das auch beherrscht: Keine fünf Minuten waren vergangen, bis die Polizei am Mittwochabend mit Dutzenden Beamten vor einem Wettbüro in Altendorf stand, wo ein besorgter Anwohner bis zu 20 Männer sich zusammenrotten sah. Teils mit Holzlatten bewaffnet, er hörte Schüsse. Oder?

Die „Schüsse“ entpuppten sich am Ende als unsanft abgeladene Metallplatten. Bewaffnete gab’s auch nicht. Und die Zusammenrottung? Nun, es war Champions League-Abend, Dortmund spielte. Wann, wenn nicht bei solchen Gelegenheiten, soll es voll sein in und vor einem Wettbüro?

Keine Entwarnung auf ganzer Linie

Und doch: Entwarnung auf ganzer Linie gibt es nicht. „Es knistert“, sagt Wickhorst, „irgendetwas ist da im Busch“. Und so alarmiert und empfindlich wie die Bürger sind sie auch bei der Polizei. Nein, sagt der Polizeisprecher, es stimme nicht, wenn Spötter behaupten, „die Bullen lassen sich reinlegen“. In der Leitstelle seien erfahrene Kollegen, der Anrufer von Mittwoch ist namentlich bekannt, der „Missbrauch von Notrufen“ sei zudem strafbewehrt, auch wenn es immer mal Leute gibt, „die uns veräppeln wollen“.

Aber wie sonst solle man in Zeiten näherrückender Terrorgefahr und gelegentlicher Banden-Aktivitäten umgehen mit der Angst der Menschen, dass der Polizei die abendliche Sicherheit auf der Straße entgleiten könnte? Und mit Notrufen wie dem vom Mittwoch?

So fährt die Polizei in diesen Tagen vermehrt Streife, vor allem in Altendorf, aber auch gegen eine aufkeimende Stimmung à la „Das ist nicht mehr meine Stadt“. Es knistert. Und es ist noch nicht vorbei.

SOZIALE MEDIEN –

NICHT NUR FREUNDE UND HELFER DER POLIZEI

Für die Ordnungshüter sind die sozialen Medien wie Facebook und Twitter Fluch und Segen zugleich: „Wir haben schon viele Fahndungserfolge dadurch erzielt, dass Aufrufe geteilt wurden“, so Christoph Wickhorst.

Die Kehrseite erlebt man nach Großeinsätzen, bei denen außer Spesen nicht viel übrig bleibt: „Dann wird schnell Stimmung gemacht“, betont der Polizeisprecher, und zwar in alle Richtungen. „Das hilft uns nicht.“

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