Mühlengraben

Nach Aufruf: Kettwiger Mühlengraben hat wieder ein Boot

Bego Schulz, Hans-Jörg Klingebiel, Daniel Behmenburg und Holger Nöldner (v.l.) bringen das Mühlengraben-Boot auf das Gelände des Kettwiger Kinderheims.

Bego Schulz, Hans-Jörg Klingebiel, Daniel Behmenburg und Holger Nöldner (v.l.) bringen das Mühlengraben-Boot auf das Gelände des Kettwiger Kinderheims.

Foto: Reiner Worm / FUNKE Foto Services

ESSEN-KETTWIG.  Um den oftmals zugemüllten Mühlengraben in Kettwig reinigen zu können, suchte Gastwirt Bego Schulz nach einem Boot. Mit Erfolg.

Über den zugemüllten Mühlengraben in Kettwig ärgerte sich Bego Schulz schon lange. Doch um ihn regelmäßig zu reinigen, fehlte dem Chef des Restaurants „Parlament“ ein Boot. Ein Aufruf in dieser Zeitung brachte den Erfolg. „Das war schon der Wahnsinn. Noch am gleichen Tag bekam ich zehn Angebote, am nächsten Tag ein weiteres. Mit den vielen Booten hätte ich einen Verleih aufmachen können.“

Optischalen waren dabei, Anglerboote und ein über fünf Meter langes Holzboot. Letztendlich entschied sich Bego Schulz für einen Angler-Katamaran. „Der passionierte Angler Manfred Felix aus Steele rief mich an. Das Boot läge in seinem Garten, und ich könne es haben.“

Mühlengraben-Boot war auf der Ruhr im Einsatz

Über Jahre war das künftige Kettwiger Mühlengraben-Boot auf einem Altarm der Ruhr im Einsatz, „doch als der dichtgemacht wurde, fuhr Manfred Felix lieber zum Fliegenfischen ins Sauerland – den Katamaran brauchte er nicht mehr.“

Für seinen Einsatz in Kettwig ist das Boot perfekt, denn „es hat zwei kleine Rümpfe und ist dadurch weniger kippelig, wenn man sich zum Beispiel über den Rand beugt, um etwas aus dem Teich zu holen“, sagt Bego Schulz. „Außerdem hat der Katamaran wenig Tiefgang. Das ist wichtig, weil ein altes Abwasserrohr durch den Mühlengraben verläuft.“

Durch den Zeitungsartikel wurde auch Hans-Jörg Klingebiel auf die Suche nach einem Boot aufmerksam. Ein Boot konnte er zwar nicht anbieten, aber der 2. Vorsitzende des Essener Vereins „Care for children“ hatte eine ganze andere Idee. „Wir arbeiten mit verschiedenen Projektpartner zusammen. Unter anderem auch mit dem Kettwiger Kinderheim. Das Problem mit dem zugemüllten Mühlengraben brennt auch mir schon lange unter den Nägeln. Da treffen sich oftmals die Jugendlichen, die sicherlich auch ihren Dreck nicht immer wegräumen. Und da habe ich mir gedacht, dass man Jugendliche doch bei einem Projekt rund um das Boot einbinden kann.“

Aktion gemeinsam mit Jugendlichen aus dem Kettwiger Kinderheim

Im Klartext: Gemeinsam mit den Jugendlichen aus dem Kinderheim soll das Boot von Grund auf saniert werden. „Und dann kann man auch mal fragen, ob sie nicht Lust haben, bei der regelmäßigen Reinigung des Teichs zu helfen. Vielleicht springt der Funke über.“ Finanziert werden soll die Sanierung des Bootes aus dem Fond von „Care for children“ – „damit holen wir die Jugendlichen nicht nur mit ins Boot, sondern im Wortsinne auch aufs Boot“, sagt Klingebiel. Bei Bego Schulz und der Kinderheimleitung hat er sich dafür schon das Okay geholt.

Die Verunreinigungen sind ein Grundproblem

Für die IG Ruhrstraße ist der SPD-Politiker Daniel Behmenburg dabei. „Die Verunreinigungen sind ein Grundproblem. Vielleicht macht man mit dieser Aktion einen Anfang. Ein Lösungsansatz könnte auch sein, dass wir an den Wochenenden Streetworker vor Ort haben, die sich die Probleme der Jugendlichen einfach mal anhören.“ Und Hans-Jörg Klingebiel bringt es auf den Punkt: „Jugendliche in Kettwig fallen in ein Vakuum. Wo sollen sie auch hin?“

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