Explosion

Nach Anschlag auf Tempel: Essener Sikhs planen große Prozession

Der Sikh-Tempel an der Bersonstraße wird von der Polizei rund um die Uhr bewacht. Foto: Jörg Schimmel

Der Sikh-Tempel an der Bersonstraße wird von der Polizei rund um die Uhr bewacht. Foto: Jörg Schimmel

Foto: Funke Foto Services

Essen.   Sikh-Gemeinde lässt sich nicht einschüchtern: Geplante Veranstaltung in Essens City findet statt, wenn auch unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen.

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Ein Anschlag mit drei Verletzten und zwei Essener Sikh-Gemeinden, die mitsamt ihrer Präsidenten unter Polizeischutz stehen, wären wohl Grund genug für eine nachhaltige Verunsicherung – doch die Mitglieder der beiden örtlichen indischen Gemeinschaften Gurdwara Nanaksar und Gurdwara Singh Sabha wollen sich nach der hinterhältigen Sprengstoffattacke während einer Hochzeitsfeier auf den Tempel an der Bersonstraße nicht einschüchtern lassen.

„Wir haben keine Angst“, sagte Preet Singh, Sohn des Sikh-Präsidenten im Nordviertel, am Montag ziemlich bestimmt. Und selbst wenn der unbekannte Täter, der die zerstörerische Explosion herbeiführte, noch auf freiem Fuß ist: Die Sikhs denken gar nicht daran, ihre schon seit langem für das kommende Wochenende geplante Prozession mit 1500 Teilnehmern von der Bersonstraße bis zum Kennedyplatz und zurück abzusagen.

Zu diesem Ergebnis sei man in Gesprächen mit den Spitzen von Stadt und Polizei gekommen. „Es ist passiert, das nehmen wir so hin“, sagt Singh, während die Polizei weiterhin mit einer Ermittlungskommission nach dem Täter fahndet, die Spuren auswertet und mit Blick auf die Großveranstaltung am Samstag über vielleicht notwendige schärfere Sicherheitsvorkehrungen nachdenkt.

„Wir haben keine Angst“, sagt der Sohn des Sikh-Präsiden

„Die Situation wird neu bewertet“, sagte Polizeisprecher Lars Lindemann auf Nachfrage: „Ich gehe davon aus, dass wir uns anders aufstellen werden.“ Die Ausgangslage ist nach dem Anschlag natürlich eine völlig andere als noch im Februar. Vor zwei Monaten bereits hatte die Sikh-Gemeinde ihre mehrstündige Prozession bei der Behörde angemeldet. Die Essener sollen ihren Glauben und ihre Kultur kennenlernen. Jeder ist willkommen, heißt es.

Doch jetzt, nach dem Anschlag, wird der Tempel an der Bersonstraße rund um die Uhr bewacht. An mehreren Privatanschriften von hochrangigen Sikh-Vertretern schauen Polizisten mehrmals täglich nach dem Rechten. Denn nach wie vor ist unklar, wer und was hinter der Explosion steckte, die den Priester der Gemeinde schwer und zwei weitere Gäste der Feier leicht verletzte. Zu dem dabei verwendeten Sprengstoff macht die Polizei noch keine Angaben.

Den „feigen Anschlag“ haben die Rats-Fraktionen von CDU und Linken aufs Schärfste verurteilt. „Leider erleben wir in Essen seit einigen Wochen eine neue Dimension der Kriminalität und Gewalt, der wir uns entschieden entgegenstellen“, sagte CDU-Fraktionschef Jörg Uhlenbruch: „Wir werden nicht zulassen, dass mithilfe dieser schrecklichen Taten versucht wird, in unserer Gesellschaft Hass und Angst zu schüren.“

Linke-Chefin Gabriele Giesecke ist der Überzeugung, dass das friedliche Zusammenleben zwischen den verschiedenen Kulturen und Religionen jetzt umso stärker zu fördern sei: „Dazu gehört auch der längst fällige Beitritt zur ,Städtekoalition gegen Rassismus’.“

Die Polizei hofft auf Hinweise: Der Täter war 25 bis 30 Jahre alt, 1,80 Meter groß und dunkelhaarig. Er trug eine schwarze Jacke, schwarze Hose und ein weißes T-Shirt. Kontakt unter 829-0.

Lesen Sie dazu: Terroranschlag auf Sikh-Tempel – Täter (16) sollen Islamisten sein

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