Antisemitismus

Muslimische Schülerin wollte nicht in die Alte Synagoge

Uri Kaufmann (Leiter der Alten Synagoge, links) und Philipp Klaas (wissenschaftlicher Mitarbeiter, rechts) laden regelmäßig Schulen ein, um das Thema Judentum nahezubringen.

Uri Kaufmann (Leiter der Alten Synagoge, links) und Philipp Klaas (wissenschaftlicher Mitarbeiter, rechts) laden regelmäßig Schulen ein, um das Thema Judentum nahezubringen.

Foto: Knut Vahlensieck

Essen.   Sie versuchte, einen Workshop zum Thema „Juden und Islam“ zu boykottieren – doch wurde von ihrer Schule zum Besuch des Kurses verdonnert.

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Darf sich eine muslimische Schülerin weigern, aus religiösen Beweggründen die Alte Synagoge zu betreten? Mit dieser konfliktgeladenen Frage sah sich vor kurzem die Frida-Levy-Gesamtschule (Innenstadt) konfrontiert, als Siebt- und Achtklässler im „Haus jüdischer Kultur“ an einem Workshop zum Thema „Judentum und Islam“ teilnehmen sollten. Die Antwort der Schulleitung fiel eindeutig und kompromisslos aus. „Wir haben die Weigerung der Schülerin nicht akzeptiert, sie hat dann an dem Workshop teilgenommen“, sagt Schulleiter Berthold Kuhl.

Schulleiter akzeptierte die Weigerung nicht

Er begründet diese klare Position mit dem Selbstverständnis der Schule, die nach der jüdischen Frauenrechtlerin Frida Levy benannt ist. Einer couragierten Frau, die in der Nazi-Diktatur für inhaftierte Verwandte kämpfte, anstatt auszuwandern. Eine Heldin, die ihre Gradlinigkeit im KZ Riga mit dem Leben bezahlte. Eine Frau, die deshalb Vorbild ist für religiöse Toleranz, Zivilcourage und Menschlichkeit.

Die zuständige Abteilungsleiterin der Frida-Levy-Schule habe umgehend auf den Synagogen-Boykott der muslimischen Schülerin reagiert, sagt der Schulleiter. „Die Kollegin ist auf die Eltern zugegangen und hat sie an die Prinzipien und Werte unserer Schule erinnert.“

Lehrerin ging auf die Eltern zu

Darunter versteht Kuhl vor allem die Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Also nicht Ausgrenzung und Hass, sondern Dialog und Respekt. Andersherum ausgedrückt bedeutet das auch: Wer sich gegen diese Prinzipien stellt, hat auf der Frida-Levy-Schule eigentlich nichts verloren. Aber was treibt ein 13 oder 14 Jahre altes, politisch noch ungefestigtes Mädchen an, wenn es eine mehr oder weniger antisemitische Haltung an den Tag legt?

Ist es das Kind selbst oder liegt es vielmehr am Einfluss des Elternhauses? Nun, in diesem konkreten Fall scheint einiges dafür zu sprechen, dass sie nach den Vorgaben der Eltern gehandelt hat. „Im Workshop hat sich die Schülerin dann sehr positiv beteiligt“, sagt Uri Kaufmann, der Leiter der Alten Synagoge. Die zunehmende Radikalisierung junger Muslime, das bedrohliche Anwachsen salafistischer Strömungen und nicht zuletzt die dschihadistischen Terroranschläge von Berlin, Paris, Brüssel sowie auf den Essener Sikh-Tempel haben die allgemeine Sensibilität geschärft – auch für islamischen Judenhass.

Früher habe es noch „windelweiche“ Reaktionen gegeben

Uri Kaufmann merkt an, dass so manche Schule vor wenigen Jahren noch „windelweich“ auf latent antisemitische Tendenzen muslimischer Schüler reagiert habe. Heute hingegen werden respektlose Verhaltensweisen sehr wohl als verletzend und provokativ empfunden– etwa wenn junge Muslime einer Frau demonstrativ den Händedruck verweigern. Auch von solch einem Fall kann der Schulleiter berichten. Es habe sich allerdings nicht um einen Schüler gehandelt, sondern um junge Muslime, die aufgenommen werden wollten.

Frida-Levy-Schule ist nach jüdischer Frauenrechtlerin benannt

Die Frida-Levy-Gesamtschule zeigt seit Jahren Flagge für mehr religiöse und gesellschaftliche Toleranz. Seit 2011 nennt sie sich „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“, die Zusammenarbeit mit der benachbarten Alten Synagoge sei fruchtbar.

Von deren hochaktuellem Workshop-Angebot „Judentum und Islam“ verspricht sich Berthold Kuhl einiges. „Denn es schützt vor antijüdischen und zugleich vor antiislamischen Tendenzen.“

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