Industriegeschichte

Museumstal in Kupferdreh am Wendepunkt

Dringend renovierungsbedürftig: eines der historischen Arbeiterhäuser am Eisenhammer im Deilbachtal.

Dringend renovierungsbedürftig: eines der historischen Arbeiterhäuser am Eisenhammer im Deilbachtal.

Foto: FUNKE Foto Services

Essen.   Das Deilbachtal mit seinen alten Hammerschmieden ist ein Kleinod. Es zu erhalten kostet Geld. Kulturdezernent Andreas Bomheuer mahnt: Die Zeit drängt.

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Es ein dramatischer Appell, den Kulturdezernent Andreas Bomheuer da formuliert: „Wenn wir jetzt nicht anfangen, ist das Deilbachtal verloren.“

Dass die Mühlen der Bürokratie zuweilen langsam mahlen – wer wüsste das besser als Franz-Josef Rüther, der Pächter der Deiler Mühle. Das Gemäuer unweit der Nierenhofer Straße in Kupferdreh zählt zu den bedeutendsten vorindustriellen Zeugnissen dieser Stadt. 1552 erstmals urkundlich erwähnt, handelt es sich um Essens älteste Wassermühle. Franz Rüther betreibt hier in der dritten Generation einen Futtermittelbetrieb. Ein Jahrzehnt lang rang er mit den Behörden um die Genehmigung für den Bau einer Lagerhalle. Im Gegenzug, so sein Angebot, werde er Dach und Dachstuhl erneuern lassen – sehr zur Freude der Denkmalpflege.

Erbbaurechtsvertrag unterschrieben

Nun wurde der Erbbaurechtsvertrag tatsächlich unterschrieben. Der Kontrakt mit einer Laufzeit von 75 Jahren sichert nicht nur den Fortbestand des mittelständischen Betriebes; Ziel und Zweck sei die Sicherung der Kulturlandschaft im Deilbachtal. Auch das schreibt der Vertrag ausdrücklich fest.

Für Essens Kulturdezernent Andreas Bomheuer ist es ein Schritt auf einem steinigen Weg. Denn politisch war lange umstritten, ob wirtschaftliche Interessen wie die der Familie Rüther vereinbar sind mit dem öffentlichen Interesse am Erhalt und Erleben einer unvergleichlichen Museumslandschaft. Trotz positiver Beispiele schieden sich daran die Geister; Den nahen Kupferhammer, eine der historischen Hammerschmieden im engen Tal, füllte erst der Metallgestalter Michael Stratmann mit neuem Leben. Dass es der richtige Weg ist angesichts der finanziellen Nöte der Stadt ist inzwischen Mehrheitsmeinung.

Seit die Politik ins zweite Glied getreten ist und ein Konsortium sich des Deilbachtals angenommen hat, bestehend aus Vertretern des Historischen Vereins für Stadt und Stift, des Ruhrmuseums und des Vereins Idee, der sich um den Erhalt der historischen Hammerschmiede auf der Margarethenhöhe verdient gemacht hat, gehe es voran im Deilbachtal. Wenn auch in Trippelschritten.

Dicke Bretter bohren

Während Pächter Franz-Josef Rüther noch in diesem Jahr in Abstimmung mit dem Denkmalschutz mit dem Bau seiner Lagerhalle beginnen will, um sich nach deren Fertigstellung der Mühle anzunehmen, harren nur wenige hundert Meter entfernt der Eisenhammer nebst der historischen Arbeiter- und Meisterhäuser einer Renovierung. Auf 1,1 Millionen Euro beziffert ein Gutachten die Kosten allein für die Instandsetzung der drei Wohngebäude. Insgesamt rund 1,5 Millionen wären aufzubringen, um auch den eisernen Hammer wieder flott zu machen. „Es sind noch dicke Bretter zu bohren“, weiß Andreas Bomheuer. Und dennoch: Für den Kulturdezernenten hat das Projekt einen Wendepunkt erreicht.

100.000 Euro hat der Landschaftsverband Rheinland (LVR) an Förderung zugesagt. Auch wenn sich das Konsortium mehr versprochen hat, wie der Vorsitzende des Historischen Vereins, Hans Schippmann, durchblicken lässt, ist das ein Anfang. Zumal der LVR weitere Gelder in Aussicht gestellt habe. Ein Verein ist in Gründung, auch um beim Land um Stiftungsgelder zu werben. 100.000 Euro hat die Stadt im Haushalt vorgesehen. Bomheuer drängt darauf, bald loszulegen, obwohl die Bauverwaltung gerade jetzt alle Hände voll zu tun hat mit der Unterbringung von Flüchtlingen. Dahinter steckt die Sorge, das Projekt im Deilbachtal könnte an Schwung verlieren und vielleicht auch Geld. Zeit zu verlieren habe es nicht mehr.

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